Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Südseeinseln versinken im Müll

13.09.2004


Zu den dringlichsten Problemen der kleinen pazifischen Inselstaaten zählt heute die große Menge an anfallendem Hausmüll. Zu diesem Schluss kommt Asterio Takesy, Direktor des South Pacific Regional Environmental Programme SPREP. Verschärft wird die Situation, so der Experte, vor allem durch die geringe Landfläche der Inseln, die größere Deponien unmöglich macht. Problematisch ist auch die teilweise hohe Bevölkerungsdichte.


Apia, die kleine hübsche Hauptstadt von Samoa, leidet wie viele andere Südsee-Städte unter den zunehmenden Müllbergen.



Vor nicht allzu langer Zeit berichteten Reisende über die Natürlichkeit und die intakte Natur auf den Inseln des Pazifik. Hungersnöte waren praktisch unbekannt, da Obst und Gemüse in reicher Zahl vorhanden waren, ebenso die Hauptnahrungsmittel Fisch und Meeresfrüchte. In der Zwischenzeit hat sich das Blatt aber leider gewendet, wie Takesy berichtet. "Wenn nicht schleunigst ein Umdenken passiert, werden viele Inseln in ihren eigenen Müllbergen versinken", argumentiert der Experte. Die kleinen Landflächen der Inseln beherbergen in Summe in der Zwischenzeit rund fünf Mio. Menschen, die durch den Hausmüll ernstlich in ihrer Gesundheit gefährdet sind.

... mehr zu:
»Abfall »Abfälle »Deponie


Neben dem Problem der immer größer werdenden Zahl von Autowracks und anderen Industrieprodukten wie Kühlschränken, technischen Geräten und anderen gefährlichen Abfällen ist auch eine stetig steigende sichtbare Verunreinigung von Straßen, Stränden, Wäldern, Lagunen und Flüssen bemerkbar, erklärt Michael Vari, Projektkoordinator von organischen Abfällen im melanesischen Inselstaat Vanuatu. "Es ist zwar offensichtlich, dass die Entwicklung auch klare ökonomische Vorteile für die Bevölkerung bringt, die Lawine von Abfällen in den Hauptstädten Nukualofa oder Honiara wirkt dieser allerdings deutlich entgegen", so Vari. Tatsächlich finden sich weggeworfene Abfälle quasi überall, von der Straße bis zum Strand, meint Tongas Umweltminister Uilou Samani. "Einige Strände entwickeln sich tatsächlich zu inoffiziellen Müllplätzen", so Samani. Dort lagern neben Babywindeln Kühlschränke, Plastikverpackungen, Altöle, Autobatterien und Elektro-Schrott.

Auf zahlreichen Inseln wie etwa den drei Tokelau-Inseln nördlich von Samoa hat es bisher noch nie Abfallmanagement für die knapp 1.500 Einwohner gegeben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ein Viertel der Inselfläche ist voller Unrat der vergangenen 15 Jahre. Kritik am System wird seitens der Bevölkerung laut, umgekehrt schlagen aber auch ehemalige Politiker wie der Präsident von Kribati, Ieremia Tabai, zurück. "Die Leute, die hier wohnen, wissen nicht wie dreckig es eigentlich hier ist." Ein Ziel von SPREP ist die Erstellung von Lösungsansätzen für die jeweiligen Inseln und deren individuelle Probleme. Couragierte Nationen wie Fidschi gelang es aus dem EU-Topf Unterstützung für das 4,5 Mio. Dollar teure Landfill-Projekt zu bekommen. 2005 wird diese Deponie ein Viertel des Abfalls der Inseln aufnehmen können. Zahlreiche andere Deponien können dann geschlossen werden. Samoa hat eine ähnliche Unterstützung von Japan erhalten.

Takesy fordert aber deutlich mehr. "Kollektive Aktionen müssen sofort eingeleitet werden, damit diese tickende Zeitbombe rechtzeitig entschärft werden kann." Umweltverschmutzung sei der stille Killer dieser fragilen Ökosysteme, so Takesy. Gerade im Hinblick auf den wachsenden Tourismus und die Förderung der Landwirtschaft sei dies unumgänglich. Es müsse definitiv verhindert werden, dass durch gefährliche Abfälle Krankheiten verbreitet werden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.sprep.org.ws

Weitere Berichte zu: Abfall Abfälle Deponie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie