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Jede dritte Getränkeverpackung wird nicht ordnungsgerecht entsorgt!

18.06.2001

Klaus Töpfer und Jürgen Trittin gemeinsam für das Dosenpfand

Handelsunternehmen und Getränkehersteller rechnen intern nach Einführung eines Dosenpfandes mit einem Rückgang von 15 bis 50 Prozent bei Getränkedosen und Einwegflaschen!

Anlässlich der symbolischen Einführung eines Dosenpfandes in Berlin forderten in einer gemeinsamen Pressekonferenz Umweltverbände, Getränkefachhandel und Brauereien die Bundesländer dazu auf, dem Pflichtpfand auf Dosen und Einwegflaschen bei der Bundesratsentscheidung am Freitag dieser Woche vorbehaltlos zuzustimmen. Unterstützung erfahren sie dabei von an dieser Pressekonferenz teilnehmenden prominenten Umweltpolitikern von B90/ GRÜNE, SPD sowie CDU. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (B90/GRÜNE), der Berliner Umweltsenator Peter Strieder (SPD) sowie der ehemalige Staatssekretär im Bonner Umweltministerium Clemens Stroetmann (CDU) sprachen sich klar für das Dosenpfand aus. An diesem Wochenende befürwortete der frühere Umweltminister und heutige UNEP-Generaldirektor Klaus Töpfer (CDU) gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" das Dosenpfand: Töpfer warnte davor, dass ein Zurückweichen des Staates bei der Einführung des Einwegpfandes die Glaubwürdigkeit staatlicher Umweltpolitik unterminieren könnte.

Die gemeinsam von Industrie, Handelsunternehmen wie ALDI und Metro sowie der bayerischen Staatsregierung vorgeschlagene "Selbstverpflichtungserklärung" weist die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) als gänzlich unglaubwürdig zurück. "Die großen Handelsketten hatten zehn Jahre Zeit, geltendes Recht zu beachten und die in der Verpackungsverordnung enthaltene Mehrwegquote von 72 Prozent einzuhalten. Mit 66 Prozent befindet sich die Mehrwegquote derzeit im freien Fall", so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Die angebotenen 3 DM pro Bundesbürger und Jahr für zusätzliche Reinigungsleistungen und Umweltbildung verglich Resch mit dem "Angebot eines Pyromanen, jährlich einen Feuerwehrwagen zur besseren Brandbekämpfung zu stiften".

Die Anzahl der Getränkedosen hat sich seit 1991 mehr als verdreifacht. Entsprechend drastisch haben die "Fehlwürfe" von Einweg-Getränkeverpackungen zugenommen: Die DUH stellte am Montag zwei neue Studien des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie über den derzeitigen Anteil der Einweg-Getränkeverpackungen im Hausmüll und öffentlichen Restmüll-Abfallbehältern vor. Diese belegen einen dringenden Handlungsbedarf des Gesetzgebers: "Mit insgesamt drei bis vier Milliarden Stück landet momentan jede dritte Getränkedose und Einwegflasche ordnungswidrig in der Landschaft bzw. in privaten und öffentlichen Restmüllbehältern. Hätte Christo 1995 anstelle der kunstvollen Verhüllung den Reichstag mit den jährlich fehlgeworfenen Getränkedosen und Flaschen verdeckt, wäre ein 200 Meter hoher Müllberg entstanden", so Resch.

Inzwischen gibt auch die Industrie in internen Schriftsätzen offen zu, dass sie von einer Lenkungswirkung des Dosenpfandes hin zu mehr Mehrweg ausgeht: In der der DUH vorliegenden Klageschrift von 16 Unternehmen auf "Erlass einer Einstweiligen Anordnung gegen die Bundesregierung" zum Pflichtpfand rechnen die klagenden Handelsunternehmen (Kläger u. a. die auf Einweg setzenden Einzelhandelsketten ALDI, Rewe, Plus) mit einem Umsatzrückgang bei den betroffenen Einweg-Warengruppen von ca. 15 %. Die Getränkehersteller (u. a. Bitburger und Karlsberger Brauerei) rechnen im Einwegsegment sogar mit "Absatz- und Umsatzverlusten, die zwischen 20 bis 50 Prozent beziffert werden".

Hintergrundinformation zur symbolischen Einführung des Dosenpfandes in Berlin:

Mit der symbolischen Einführung des Dosenpfandes vom 18. bis 22. Juni 2001 möchte die Deutsche Umwelthilfe die Wirksamkeit des Dosenpfandes für die Sauberkeit unserer Städte demonstrieren. "Derzeit gibt es keinen Anreiz, Getränkebüchsen ordnungsgemäß zu entsorgen. Dosen verunzieren Grünanlagen, Bahngleise und Straßenränder. Durch die Einführung eines Dosenpfandes wird es gelingen, unsere Innenstädte dauerhaft von Getränkeverpackungen zu befreien. Niemand schmeißt zukünftig Geld aus dem Fenster", so Resch.

Der Aufruf zur Dosensammlung richtet sich ganz besonders an Schulklassen und Jugendgruppen. Diese sollen mithelfen, Berlin sauber zu halten. Im Rahmen der Dosensammelaktion sind verschiedene Aktionen und Wettbewerbe geplant, so wird die originellste Beförderungsform für Dosen (Dosenschlange am Fahrrad, wie viele Dosen passen in einen Kinderwagen etc.) prämiert. Außerdem werden unter den fleißigsten Sammlern täglich Konzertkarten verlost. Auf großformatigen Plakatwänden wird gezeigt, wie Berlin vor Einführung des Dosenpfandes aussieht. Fünf Tage nach Start der Aktion, am 22. Juni 2001, wird auf einer zweiten Plakatwand das "saubere Berlin" fünf Tage nach Einführung des Dosenpfandes gezeigt.

Hintergrundinformationen zu den Gutachten des Witzenhausen-Institutes

Das Witzenhausen-Institut führt seit Jahren Restmüllanalysen im Auftrag von kommmunalen Gebietskörperschaften durch. Sowohl die Methodik als auch die Belastbarkeit der Ergebnisse haben dazu geführt, dass das Institut besonders bei den Kommunen und vielen Landesumweltministerien hohes Ansehen genießt. Im Auftrag der DUH hat das Institut im Mai und Juni 2001 zwei Untersuchungen zum aktuellen Anteil der zukünftig pfandpflichtigen Einweggetränkeverpackungen im Restmüll vorgenommen.

Die erste Studie überprüfte und quantifizierte die Menge Getränkeverpackungen, die anstelle in den Sammlungen des Dualen Systems im privaten Hausmüll zur Deponierung oder Verbrennung anfiel, wobei ein Flächenlandkreis in den alten Bundesländern und eine kreisfreie Stadt in den neuen Bundesländern untersucht wurden. Im Mittel belief sich die Summe der vorgefundenen pfandpflichtigen Verpackungen im Landkreis auf 110 Stück, in der Stadt auf 403 Stück pro Tonne. Die Ergebnisse wurden maßgeblich durch unterschiedliche Stadt/Land-Strukturen, Konsumverhalten, Siedlungs-, Bebauungs- und Sozialstrukturen bestimmt. Hochgerechnet ergäbe sich danach eine über den Hausmüll entsorgte Einweg-Getränkeverpackungsmenge von 1,5 Mrd. (Landkreis) bzw 5,6 Mrd. Stück (kreisfreie Stadt) pro Jahr.

Dies bedeutet:

  • Vom derzeitigen Gesamtaufkommen pro Jahr von 11 Mrd. Stück Einweggetränkeverpackungen landen zwischen 14 % (Landkreis) und 51 % (Stadt) im Restmüll statt im Recycling.

  • Diese Stückzahlen entsprechen bei einem zukünftigen Pfandwert von 0,50 DM einem volkswirtschaftlichen Gesamtpotenzial von zwischen 0,75 Mrd. (Kreis) und 2,8 Mrd. DM (Stadt). Durch die Einführung einer Pfandpflicht wird daher ein erheblicher Rückgang dieser Mengen im Hausmüll und eine drastische Zunahme der recycelten Menge erfolgen.

  • Für beide Untersuchungsgebiete ergibt sich ein theoretisches Einsparpotenzial von annähernd einer Mülltonnenleerung (Kreis) bzw. drei Leerungen (Stadt) pro Einwohner und Jahr, verbunden mit einer entsprechenden Schonung von Deponiekapzitäten.

Die zweite Studie wurde in einer Großstadt in Hessen durchgeführt und analysierte den Anteil von "fehlgeworfenen" Einweg-Getränkeverpackungen in öffentlichen Abfallbehältern. In den untersuchten 241 Abfallbehältern fanden sich 1.200 zukünftig pfandpflichtige Getränkeverpackungen mit einem Gesamtgewicht von 92,6 kg. Dies entspricht einem Anteil von 38 Gewichtsprozenten im Innenstadtbereich sowie 16,6 Gewichtsprozenten in den Parkanlagen.

Dies bedeutet:

  • In der Innenstadt kommen 4.661 Stück Getränkeverpackungen auf eine Tonne Abfall in städtischen Abfallbehältern, 61 % davon sind Getränkedosen.

  • Damit liegen die über öffentliche Abfallbehälter entsorgten, zukünftig pfandpflichtigen Verpackungsanteile um das 11 bis 40-fache höher als die in der ersten Studie ermittelten Anteile im häuslichen Restmüll!

  • Die Lenkungswirkung des Dosenpfands wird noch drastischer zu einer Verringerung der Getränkeverpackungsanteile in öffentlichen Bereichen führen.

Die ausführlichen Studien sind über die Deutsche Umwelthilfe in Radolfzell erhältlich.

Jürgen Resch | ots

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