Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Müll, der Dampf und die Autoproduktion / Wie Ford Abfall aus Köln

30.05.2001



Wie man Müll sinnvoll verwerten kann, beweist eine Kooperation, die die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft Köln mbH (AVG) und die Ford-Werke AG für den Standort Köln-Niehl eingegangen sind. Ford bezieht Dampf von der zur AVG gehörenden Restmüllverbrennungsanlage (RMVA), der bei der thermischen Abfallverwertung erzeugt wird und über eine rund 800 Meter lange Rohrleitung auf das Ford-Werksgelände gelangt. Ford nutzt diese Wärmeenergie unter anderem für die Lackierung der in Köln-Niehl produzierten Modelle Fiesta und Puma. In der Lackierung eines Ford Fiesta/Puma steckt der Heizwert von rund 100 Kilogramm Abfall der Kölnerinnen und Kölner.

Ford hat im vergangenen Jahr am Standort Köln insgesamt 350.000 MWh Heizwärme bezogen, davon etwa 200.000 MWh von der RMVA. Der restliche Wärmebedarf wurde vom Kraftwerk Köln-Merkenich der Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke Köln AG (GEW) geliefert. Der größte Teil der Wärme, den Ford in Köln jährlich verbraucht, wird für die Beheizung der Werkhallen benötigt. Rund 20 Prozent (70.000 MWh) verwendet Ford in seinen Produktionsprozessen, vor allem für die Fahrzeug-Lackierung, bei der konstante Wärme unter anderem für drei Prozessschritte wichtig ist:

  • Eine saubere Grundlage ist Voraussetzung für die glänzende Optik: Im Tauchentfettungsbecken werden die Rohkarosserien zunächst von Fetten und Metallspänen befreit. Die Emulsion in diesem 273 Kubikmeter fassenden Becken wird mit der von der RMVA gelieferten Wärme auf konstant 60 Grad Celsius gehalten.
  • Die anschließende Phosphatierung der Rohkarosserien im Tauchbecken sorgt für die optimale Haftung der im nächsten Arbeitsgang anstehenden Tauchlackbeschichtung, aber auch für die optimale Haftung des Decklacks. Außerdem ist die Phosphatierung ein zusätzlicher Korrosionsschutz. Das 331 Kubikmeter große Tauch-Phosphatierungs-Becken wird mit der Wärme aus der RMVA auf konstant 52 Grad Celsius gehalten.
  • Darüber hinaus wird mit der in der RMVA erzeugten Wärme die Zuluft in den Lackspritzkabinen auf 23 bis 24 Grad Celsius gehalten - bei einer Luftfeuchtigkeit von konstant 65 Prozent. Dies garantiert eine gleichbleibend hohe Lackqualität.

Im Werk Köln-Niehl wurden im Jahr 2000 fast 170.000 Fiesta und 24.000 Puma produziert, zusammen also über 190.000 Fahrzeuge. Bezogen auf diese Stückzahlen sind dies 19.000 t Abfall der Kölner Bürgerinnen und Bürger, aus dem die RMVA bei der thermischen Verwertung Dampf erzeugt und dem Kölner Ford-Werk für die Lackierung der Karosserien geliefert hat.

Ford hatte die benötigte Wärmeenergie in der Vergangenheit durch die Verbrennung vor allem von Kohle und Öl in eigenen Heizwerken erzeugt. Bereits in den 60er Jahren wurde jedoch ein Teil dieser nur begrenzt zur Verfügung stehenden Energieträger durch die energetische Verwertung der im Werk anfallenden Verpackungsmaterialien und Schlämme ersetzt, anstatt diese Abfälle - wie damals üblich - auf der Deponie enden zu lassen. Die Verpackungsmaterialien blieben im wesentlichen bei der Lieferung von Einbauteilen übrig, während die Schlämme aus unterschiedlichen Produktionsprozessen und aus der Abwasserbehandlung stammten.

In den folgenden Jahren hat Ford gemeinsam mit seinen Zulieferern ein standardisiertes und hocheffektives Bring- und Holsystem für Verpackungen entwickelt. Als Folge wurden die Einwegverpackungen nach und nach fast vollständig abgeschafft, so dass der Ford-eigenen Verbrennungsanlage bald schlicht "die Nahrung fehlte". Ebenso wurde im Zuge eines konsequenten Umweltschutzes die Menge der Schlämme drastisch vermindert; auch diese Anlage stellte ihren Betrieb letztlich ein.

Als dann 1998 die RMVA ihren Betrieb aufnahm, bot es sich für Ford an, die Abwärme aus der thermischen Abfallverwertung zu nutzen. Und zwar nicht zuletzt, weil Ford damit seiner seit jeher ernst genommenen Verantwortung für die Umwelt erneut gerecht werden konnte. Denn dank der Wärmelieferungen von der RMVA konnte Ford auch seine bis dahin noch bestehenden Heizwerke bis auf eine Stand-by-Anlage im Kesselhaus P 2 stilllegen. Für die Umwelt bedeutet das eine spürbare Entlastung: So werden seitdem jedes Jahr 76.000 t Kohle und 10.000 t Öl eingespart und die entsprechenden Emissionen vermieden

Ansprechpartner bei redaktionellen Rückfragen:

Isfried Hennen,
Telefon: (02 21) 90-17512,

... mehr zu:
»RMVA

email: ihennen1@ford.com

Isfried Hennen | ots

Weitere Berichte zu: RMVA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Konzept der Universität Rostock zur Ölhavarie-Bekämpfung erfolgreich auf der Warnow erprobt
07.12.2017 | Universität Rostock

nachricht Aquakultur: Neues Verfahren spürt Umweltbelastungen durch Lachsfarmen schneller auf
05.12.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik