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Neue Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung

25.04.2001


Eine neuartige Falle für den in Apfelplantagen gefürchteten Apfelwicklerhaben drei Schüler an der Fachhochschule Ravensburg-Weingartenentwickelt. Ob die Aromafalle auch tatsächlich funktioniert, wollen dieJungforscher in den nächsten Wochen auf einer Apfelplantage im oberschwäbischenBavendorf herausfinden. Wenn die Antwort "ja" lautet, dann habenJudith Wagner, Reinhard Wahl und Christian Jäger eine neue Methode derbiologischen Schädlingsbekämpfung entwickelt.

Drei Monate lang forschten die drei 19-Jährigen jeden Freitagnachmittag im Labor für Verfahrenstechnik an der Weingartener FH. Unter Anleitung von Professor Dr. Johannes Fritsch - und außerhalb seiner Lehrtätigkeit - konzentrierten sie mit Hilfe modernster Membrantechnik die Aromastoffe aus Äpfeln auf, mit dem Ziel, möglichst intensive "Power-Aromen" zu erhalten. Analysiert wurden die Aromastoffe gemeinsam mit Martin Ritzkowski, einem Mitarbeiter am Kompetenzzentrum für Obstbau Bodensee in Bavendorf, einer ehemaligen Einrichtung der Universität Hohenheim.

Eigentlich ging es in dem Projekt zwischen Fachhochschule und Edith-Stein-Schule Ravensburg zunächst um etwas anderes, nämlich die gezielte Geschmacksverbesserung eines Apfelsaftkonzentrats. Bei der sogenannten Pervaporation werden Membranen eingesetzt, die in der Lage sind, bestimmte in den Fruchtsäften befindliche Aroma- und Geschmacksstoffe gezielt abzutrennen und in hoher Konzentration zu gewinnen. Die sollten dann den Konzentraten zugesetzt werden, wenn diese für die Apfelsaftherstellung wieder verdünnt werden.

Den "guten Geschmack" mit Hilfe von Membranen zu gewinnen, ist keine einfache Angelegenheit, sondern ein innovatives und schwieriges Verfahren. "Experimentieren heißt auch, Fehlschläge hinzunehmen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen ", hat Christian Jäger erfahren und seinem Oberstudienrat Roland Paul mit dieser Erkenntnis eine Freude gemacht. Eines der Ziele des Forschungsprojekts heißt: "Erkennen, dass wissenschaftliches Arbeiten mühsam ist und mit viel Frustrationen verbunden sein kann". Die Rolle von Professor Fritsch, einer anerkannten Kapazität auf dem Gebiet der Membrantrenntechnik, war es, den Schülern zu zeigen: "Wie forscht man überhaupt? Nach welcher Methodik geht man vor? Wie plant man die Experimente und wie wertet man sie aus?" Endlich war es aber doch geschafft: Die drei 19-jährigen hatten verschiedene, hochkonzentrierte Apfel-Aromen hergestellt.

Zu diesem Zeitpunkt, entwickelte die Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Schule und dem Kompetenzzentrum für Obstbau eine Dynamik, die niemand hatte vorhersehen können, wie Roland Paul freudenstrahlend berichtet. Die Schüler bissen sich an der Frage fest, was man mit einem Aromastoff alles machen kann. Doch die Ernüchterung folgte, wie Judith Wagner bekennt: "Wir waren mit unseren Ideen meist nicht die ersten." Ob eine Verwendung in Fruchtsäften, als Duftkomponente in Tongefäßen oder als Zusatz zu Backpulvern, Teebeuteln, Joghurts, Eiscremes, Marmeladen und Putzmitteln - alles schon auf dem Markt.

Dann hatten die drei Forscher die Idee mit der Aromafalle. Bekannt sind Fallen, die mit einem Sexuallockstoff gefüllt sind und männliche Falter anziehen. Fallen für weibliche Apfelwickler gibt es aber noch nicht. Um die weiblichen Raupen zu fangen, werden Leim- oder Pappringe um die Baumstämme gelegt. Diese sollen verhindern, dass die Raupe den Stamm hoch kriecht, die Fruchtansätze oder die Äpfel erreicht und ihre Eier hineinlegt. Diese Methode hat jedoch ihre Nachteile. Sie ist gleichermaßen umständlich wie teuer, denn jeder einzelnen Baumstamm muss ummantelt werden.

Wenn die weiblichen Apfelwickler die Äpfel mit Hilfe des Geruchssinns orten können, dann, so die Idee der Schüler, müsste eine Aromafalle sie noch besser anlocken und sie damit daran hindern, ihre Eier auf den Früchten abzulegen. Auf einer Apfelplantage in Bavendorf sind die drei Forscher derzeit dabei, das auszutesten. Sie hoffen, dass das an der Fachhochschule produzierte, hochkonzentrierte "Power-Aroma" so intensiv duftet, dass die weiblichen Apfelwickler begeistert die Falle ansteuern. Um das endgültig zu klären, werden Judith Wagner, Reinhard Wahl und Christian Jäger viel Zeit investieren müssen. Sie müssen auflisten, wie viele Apfelwickler in die Falle gegangen sind und damit den Beweis erbringen, dass das konzentrierte Aroma attraktiv genug ist, die Schädlinge von den Äpfeln fernzuhalten. Weil damit ein neuer Weg bei der Bekämpfung des Apfelwicklers beschritten würde, werden die Untersuchungen auch von den Fachleuten des Kompetenzzentrums mit Interesse verfolgt.

Dipl.-Journ. Tove Simpfendörfer | idw

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