Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Autobahn als Umweltlabor

04.05.2001


Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (rechts) eröffnet zusammen

mit Industriepartnern, hier Dr. Klaus Enßlin, Vorstand des

Raumfahrtunternehmens Astrium, den internationalen Kongress für

Satellitennavigation "Mercatorpark" in München.


Brutstätte: Mückenlarven entwickeln sich an der Oberfläche stehender Gewässer.


Internationales Großexperiment zur Belastung durch KFZ-Emissionen an der A 656 unter Federführung des Forschungszentrums Karlsruhe gestartet

An der Bundesautobahn 656 zwischen Mannheim und Heidelberg können die Autofahrer in diesen Tagen ein ungewöhnliches Schauspiel bewundern: An zwei über 50 Meter hohen Krantürmen rechts und links der Straße werden eigenartige Apparaturen in die Höhe gezogen und wieder zu Boden gelassen. Weitere merkwürdige Aufbauten säumen den Weg. Das alles ist Teil eines wissenschaftlichen Großexperiments, mit dessen Hilfe die Schadstoff-Emissionen aus Kraftfahrzeugen bestimmt werden sollen. Im Fokus der Messungen stehen Partikel, die sowohl direkt gesundheitsgefährdend sind als auch auf vielfältige Weise in die Chemie der Atmosphäre eingreifen. Daneben werden eine Vielzahl von Spurengasen und meteorologische Parameter aufgezeichnet. An der Kampagne sind - unter Federführung des Forschungszentrums Karlsruhe - Einrichtungen aus drei Ländern beteiligt.

Kraftfahrzeuge emittieren zahlreiche schädliche Gase wie Stickoxide, Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid, aber auch kleine Partikel. Partikel aus dem Straßenverkehr sind zum größten Teil kleiner als 2,5 Mikrometer (tausendstel Millimeter) und somit stark lungengängig. Solche Kleinstpartikel, zu denen auch der Dieselruß gehört, stehen im Verdacht gesundheitsschädlich zu sein. Daneben sind sie klimawirksam und tragen zum Treibhauseffekt bei.
Die Schadstoffemission von Kraftfahrzeugen wird normalerweise durch Messungen am Prüfstand ermittelt. "Diese Ergebnisse müssen aber nicht unbedingt die tatsächlichen Emissionen des normalen Fahrbetriebs widerspiegeln", erläutert Professor Dr. Franz Fiedler, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung des Forschungszentrums und der Universität Karlsruhe. "So haben wir schon bei einem früheren Experiment erkannt, dass für Kohlenmonoxid die an der Fahrbahn gemessenen Emissionen etwa doppelt so hoch waren, wie wir es aus Prüfstandsmessungen erwartet hätten."
Die genauen Emissionsdaten von Schadstoffen aus Kraftfahrzeugen werden benötigt, um chemische und physikalische Vorgänge in der Atmosphäre genau modellieren und damit die Schadstoffbelastungen für Mensch und Umwelt bestimmen zu können. Nur mit numerischen Simulationen an großen Computern können die komplexen Vorgänge in der Atmosphäre verstanden und flächendeckend dargestellt werden. Inzwischen sind die Modellrechnungen so exakt, dass sich die Auswirkungen von Emissionsminderungsstrategien (z. B. Geschwindigkeitsbeschränkungen, Katalysatoreinbau oder Maßnahmen an Industrieanlagen) vorhersagen lassen. So können unter Umständen sehr teuere Eingriffe in Straßenverkehr und Industrie vorab auf ihre Tauglichkeit untersucht werden. Die Genauigkeit der Modelle hängt aber von der Qualität der Emissionsdaten ab. Hier soll mit der Messkampagne eine solide - unter realen Bedingungen aufgenommene - Datenbasis geschaffen werden.
Neben den Partikeln messen die Wissenschaftler entlang der Autobahn auch die Konzentrationen einer Vielzahl relevanter Spurengase wie Stickstoffverbindungen, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid oder organische Komponenten. Meteorologische Parameter wie Windgeschwindigkeit, Druck und Temperatur werden gleichfalls aufgenommen.
Parallel zu den meteorologischen und chemischen Messungen zeichnet das Institut für Rationelle Energieanwendungen der Universität Stuttgart während der Messkampagne kontinuierlich Geschwindigkeit und Kennzeichen der vorbeifahrenden Fahrzeuge auf. Über das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg werden dann die emissionsrelevanten technischen Daten der vorbeifahrenden Fahrzeuge abgerufen.
Die Messkampagne wird von vielen Instituten aus Deutschland, Dänemark und der Schweiz getragen. Beteiligt sind neben den schon genannten die BASF AG, das Ford Forschungszentrum in Aachen, das Institut für Physikalische Chemie der Universität Wuppertal, das Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg, das Institut für Verfahrenstechnik und Dampfkesselwesen der Universität Stuttgart, das Paul Scherrer Institut aus Villigen/Schweiz, die Außenstelle Langen des Umweltbundesamtes, die Universität Kopenhagen/Dänemark und das Zentrum für Umweltforschung der Universität Frankfurt. Die Kampagne wird unter anderem vom Umweltbundesamt in Berlin finanziert.

Inge Arnold | idw

Weitere Berichte zu: Emission Kohlenmonoxid Kraftfahrzeug Spurengas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Plastik stimuliert Bakterien im Meer
17.04.2018 | Universität Wien

nachricht Wälder beeinflussen den globalen Quecksilber-Kreislauf maßgeblich
13.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics