Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit einer "Selbstverpflichtungserklärung" wollen Industrie und große Lebensmittelketten Mehrweg beerdigen

18.04.2001


... mehr zu:
»Einweg »GFGH »Mehrweg »Mehrwegquote
Brauereien und Getränkehandel
unterstützen mehrheitlich die Pläne des Bundesumweltministeriums


73,5 Prozent der Bundesbürger begrüßen Dosenpfand

Die "Selbstverpflichtung" ist kein taugliches Instrumente, um die
Mehrwegquote für Getränke zu stabilisieren. Dagegen bestätigen das
Umweltbundesamt und der Zuspruch der Bevölkerung die Lenkungswirkung
einer Rücknahme- und Pfandpflicht auf Einweg. "Der vehemente
Widerstand von Großformen des Handels und der Getränkeindustrie ist
ein weiteres Indiz für die das Mehrwegsystem stabilisierende
Wirkung", schließt GFGH-Vorstand Günther Guder, der gemeinsam mit der
Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), den Bundesverbänden der
mittelständischen Privatbrauereien und des Getränke-Einzelhandels an
die Politiker appelliert, die anstehende Novelle der
Verpackungsverordnung zügig zu verabschieden.

Mehrheit des Getränkehandels und der Brauereien für Pflichtpfand

Die heute in Berlin von Teilen des Handels und der Industrie
vorgestellte "Selbstverpflichtungserklärung" zeigt die
Interessenslage weniger großer Lebensmittelketten und industrieller
Getränkeabfüller. Das Gros der bundesdeutschen Brauereien,
Mineralbrunnen, Getränkegroß- und Getränkeeinzelhandel stehen hinter
der Einführung eines Pflichtpfandes und lehnen die
"Selbstverpflichtungserklärung" rundweg ab. Im Einzelnen fordern das
Pflichtpfand:

* 800 von insgesamt 1.200 Brauereien mit insgesamt 60 Prozent der
Beschäftigten in der Brauwirtschaft. 

* 3.600 Betriebe des Getränkefachgroßhandels, über die rund 70%
des gesamten Getränkeabsatzes in Deutschland läuft.

* Die Hälfte des mit dem Vertrieb von Getränken befassten
Einzelhandels in Deutschland (davon 60 % Getränkeabholmärkte und 40%
selbstständige Einzelhändler).

Vorschlag ist "Alter Wein in neuen Schläuchen"

Bereits die 1991 eingeführte Mehrwegquote von 72 Prozent war das
Ergebnis einer Selbstverpflichtung von Industrie und Handel, die in
den letzten Jahren von eben diesen Beteiligten systematisch
torpediert worden ist. Mittlerweile liegt der Mehrweganteil an
Getränken bereits bei rund 66 Prozent. Und der ebenfalls alte
AGVU-Vorschlag einer Kombinationsquote würde Mehrweg- und
Recyclingquoten in einen Topf werfen, der europaweiten Forderung
"Vermeidung vor Verwertung" widersprechen und so jeglichen Schutz des
bewährten Mehrwegsystems gefährden. Das ist "alter Wein in neuen
Schläuchen", so Guder.

Die Initiatoren der Selbstverpflichtungserklärung wollen gar die
Mehrwegquote in einem ersten Schritt um 10 Prozent senken. Neue
Messgröße ist laut diesem Konzept "jährlich 23 Milliarden Liter
Getränke in ökologisch vorteilhaften Verpackungen". Außerdem will die
Industrie über das einfache "Vorlegen eines Nachweises" die
automatische Anerkennung bestimmter Einwegverpackungen als
"ökologisch vorteilhafte Verpackungen" erreichen. Verbunden mit einer
Kombinationsquote von 90 % "Wiederbefüllung bzw. Verwertung" (nach
österreichischem Vorbild) fordert somit die Industrie eine völlige
Handlungsfreiheit. Selbst eine Mehrwegquote von Null Prozent ist mit
dieser Regelung theoretisch möglich (bei einer Recyclingquote von 90
Prozent). Konsequenterweise sieht die Selbstverpflichtungserklärung
keinerlei Sanktionen für den Fall der Nichterfüllung vor. Bei so
vielen "Gestaltungsspielräumen" ist dies auch nicht mehr notwendig.

Repräsentative EMNID-Umfrage: 73,5 % der Verbraucher wollen
Mehrweg

Auch breite Kreise der Bevölkerung befürworten die Rücknahme- und
Pfandpflicht für Einweg. Dies zeigte das Ergebnis einer vom 9. bis
15. März 2001 im Auftrag der DUH und des GFGH durchgeführten
EMNID-Meinungsumfrage unter 3.015 Bundesbürgern. 32,8 % der Befragten
kündigten an, bei einem Dosenpfand von 50 Pfennigen künftig weniger
Getränke in Einweg-Verpackungen zu kaufen. Befragt nach der
grundsätzlichen Akzeptanz eines 50-Pfennig-Pfands auf Getränkedosen
und Einwegflaschen befürworteten drei Viertel der Befragten (73,5 %)
ein Einwegpfand.

Negative Erfahrungen mit Selbstverpflichtungserklärungen und
Wiederverwertungsquoten

Günther Guder, Geschäftsführender Vorstand des GFGH, verwies auf
die in Österreich und Belgien gesammelten negativen Erfahrungen mit
derartigen Selbstverpflichtungserklärungen von Handel und Industrie:
So ist in Österreich die Mehrwegquote allein von 1997 bis 2000 um 14
Prozent gefallen, bei Mineralwasser sogar um 30 Prozent. In Belgien
brach die Mehrwegquote bei Mineralwasser und Softdrinks binnen sieben
Jahre sogar von 70 auf 20 Prozent praktisch völlig zusammen. Außerdem
werde die 1,9 Pfennige ausmachende Gebühr die heute zu beobachtenden
Dumpingpreise von in Einweg abgefüllten Getränken nicht beenden.

Wirtschaftsminister Schwanhold zum "Dosenminister" mutiert 

Als treibende Kraft hinter der Selbstverpflichtungserklärung haben
DUH und GFGH den NRW-Wirtschaftsminister Schwanhold ausgemacht.
Dieser unterhalte sich ausschließlich mit den Großformen der
Industrie und des Handels. "Seit Monaten erhalten wir vom Mittelstand
weder einen Gesprächstermin noch eine Antwort auf unsere Schreiben",
beklagt Guder vom GFGH die Missachtung mittelständischer Interessen,
die ansonsten gerne als Lippenbekenntnisse verkündet würden. Er
forderte Schwanhold auf, sich vom "Dosenminister" zum
Mittelstandsminister zurückzuverwandeln.


ots Originaltext: Deutsche Umwelthilfe e.V. 
Im Internet recherchierbar: http://recherche.newsaktuell.de


Für Rückfragen:

Jürgen Resch, 
Deutsche Umwelthilfe e.V. 
Güttinger Str. 19, 
78315 Radolfzell
Tel. mobil: 0171 3649170
Tel.: 07732/9995-0, 
Fax.: 07732/9995-77, 
E-Mail: info@duh.de

Günther Guder, 
Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels e.V.
Humboldtstr. 7, 
40237 Düsseldorf, 
Tel. mobil: 0172 2424950, 
Tel.: 0211/683938, 
Fax.: 0211/68 36 02,
E-Mail: GFGH_Verbaende@compuserve.com

ots |

Weitere Berichte zu: Einweg GFGH Mehrweg Mehrwegquote

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie