Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arsen und Spitzentechnik

30.03.2004


UFZ-Wissenschaftler entwickeln ein Sanierungsverfahren für eine Arsen-Altlast in Brandenburg


Restloch IV Annahütte



Am 5. April 2004 starten Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) ein Pilotprojekt mit dem Ziel, ein genehmigungsfähiges technisches Sanierungskonzept für einen kleinen, beinahe idyllisch anmutenden See bei Annahütte (Brandenburg) mit dem wenig klangvollen Namen Restloch IV zu entwickeln. Doch die Idylle trügt: Das Überbleibsel des Braunkohletagebaus ist gefüllt mit 88.000 Kubikmetern arsenhaltigem Wasser, dem Chemiker und Ingenieure des UFZ zu Leibe rücken wollen.



Arsen ist in Gesteinen, Böden und Wässern als Spurenelement weit verbreitet. Dominierend für die natürlichen Vorkommen sind Sauerstoff- oder auch Schwefelverbindungen des Arsens. Arsen ist in Form des Arsenik aber auch seit Jahrhunderten als hochwirksames Gift bekannt. In Oberflächengewässern sind natürliche Arsenkonzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Liter nicht ungewöhnlich. Höhere Konzentrationen in Wässern jedoch weisen - wie im Fall Restloch IV Annahütte mit bis zu 0,9 Milligramm pro Liter Gesamtarsengehalt - auf menschliches Zutun hin: Von 1934 bis 1944 wurde im Tagebau Heye 1, Südfeld, Braunkohle abgebaut. Nach der Stilllegung hat sich das Restloch natürlich gefüllt, dazu kam das Abwasser aus der nahe gelegenen Bleiglashütte. Beim Läutern, bei der Glasentfärbung oder der Her-stellung von Bleigläsern werden Arsenverbindungen als Zusatzstoffe eingesetzt. Bis Anfang der 1990er Jahre wurden die extrem sauren, schwermetall-, fluorid- und vor allem arsenhaltigen Abwässer unbehandelt in das Restloch IV eingeleitet.

Bereits im Jahr 2002 legte das UFZ im Auftrag der LMBV ein erstes Konzept dafür vor, wie die bislang unbekannten Arsenverbindungen aus dem Wasser des Restloches IV beseitigt werden könnten. Daraufhin erteilte die LMBV dem UFZ den Auftrag, Maßnahmen zur Ar-seneliminierung zu erkunden, der drei Arbeitspakete beinhaltet. Das erste ist erfolgreich abge-schlossen worden. Die Magdeburger und Leipziger Wissenschaftler konnten in der zur Verfü-gung stehenden sehr kurzen Zeit mit Laborversuchen demonstrieren, dass es prinzipiell möglich ist, die Arsenspezies mit einfachen Sorptionsreaktionen - also Aufnahme durch einen anderen festen Stoff - auf weniger als 0,1 Milligramm je Liter zu reduzieren. Das ist jener Grenzwert für die Gesamtarsenkonzentration, der es erlaubt, das Wasser in den Vorfluter, die Pößnitz, einzuleiten. Bei den umfangreichen Laborexperimenten wurde eine Vielzahl unterschiedlicher Sorptionsmaterialien getestet und nachgewiesen, dass herkömmliche Methoden zur Arsenentfernung nicht anwendbar sind. Als geeignet erwies sich ein spezielles Sorptionsmaterial mit sehr hoher Aufnahmekapazität, wie es kommerziell in großen Chargen zur Wasserreinigung angebotenen wird. Die Arsenkonzentration konnte sogar auf weniger als 0,01 Milligramm je Liter reduziert werden.

Dass diese Methode auch technisch machbar ist, sollen die Versuche der zweiten Projektphase zeigen. Dazu wird am 5. April 2004 ein Container direkt am Restloch IV aufgestellt. Mit dem Einsatz von einem Kilogramm Sorptionsmaterial und einem Säulendurchsatz von 60 Litern Wasser je Stunde soll bis Ende Juli 2004 das Verfahren getestet und optimiert werden, so dass das UFZ der LMBV im August (dritte Projektphase) ein genehmigungsfähiges technisches Sanierungsverfahren vorschlagen kann.

Ökonomisch günstig wäre das Verfahren nach ersten Hochrechnungen eines Ingenieurbüros auch - die Kosten je Kubikmeter Wasser würden voraussichtlich unter den Preisen einer nor-malen Abwasseraufbereitung liegen, was unter anderem auf die kommerzielle Verfügbarkeit des Sorptionsmaterials und die hohen Aufnahmekapazitäten für die Arsenverbindungen zurückzu-führen ist.

Die Sanierung des Restlochs IV selbst liegt dann weiter in den Händen der LMBV im Auftrag des Landes Brandenburg und des Bundes. Sie kann im IV. Quartal 2005 beginnen und soll 2007 abgeschlossen sein.


Fachlicher Ansprechpartner UFZ:
Dr. Wolf von Tümpling, Telefon: 0391/8109-300, e-mail: wolf.vontuempling@ufz.de

Ansprechpartner LMBV:
Volker Krause, 03573/84-14095, e-mail: v.krause@lmbv.de

Doris Böhme | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de

Weitere Berichte zu: Arsen Arsenverbindungen LMBV Sorptionsmaterial UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heilpflanze Arnika ist in Norddeutschland genetisch arm dran

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Drei Generationen an Sternen unter einem Dach

27.07.2017 | Physik Astronomie

Kieler Projekt „FucoSan – Gesundheit aus dem Meer“ erhält 2,2 Millionen Euro

27.07.2017 | Förderungen Preise