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Verwertung gefährlicher Abfälle im Straßenbau und auf Hausmülldeponien

22.03.2004


Wie lange sind Boden und Grundwasser vor Schadstoffen sicher? /


Neue Studie des Öko-Instituts e.V. warnt vor Risiken


Schon seit langem suchen "findige" Geschäftsleute nach Wegen, die umweltgerechte, aber teure Entsorgung von giftigen Abfällen zu umgehen. So geschieht es häufig, dass sie die Abfälle behandeln und dann auf dafür ungeeigneten Deponien oder im Landschafts- oder Straßenbau "verwerten". Doch wie sicher ist diese Methode auf lange Sicht? Welche Risiken bringt sie mit sich? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine neue Studie des Öko-Instituts e.V., die das Darmstädter Büro im Auftrag von fünf deutschen Betreibern von Versatzbergwerken bearbeitet hat. Dabei stellen die Wissenschaftler die Verwertung behandelter Abfälle über Tage dem Versatz unter Tage vergleichend gegenüber. Das wichtigste Ergebnis der Untersuchung: Aus ökologischer Sicht ist es besser, die Abfälle als Versatz in Salzlagerstätten unter Tage zu bringen. "Wer behandelte Abfälle als Baustoff auf Hausmülldeponien verwendet oder im Landschafts- und Straßenbau einsetzt, geht aus Umweltsicht ein großes Risiko ein", warnt Günter Dehoust, Abfall-Experte im Öko-Institut e.V. "Es besteht die Gefahr, dass langfristig Schadstoffe in den Boden und das Grundwasser eindringen", sagt er.

Die Frage nach einer umweltgerechten Entsorgung gefährlicher mineralischer Abfälle erhält zunehmendes Gewicht, da ab dem Jahr 2005 keine unbehandelten Siedlungsabfälle mehr auf Hausmülldeponien abgelagert werden dürfen. Doch für die Ausgestaltung dieser Deponien sind große Mengen mineralischer Baustoffe erforderlich, die in ausreichender Menge und Qualität den Deponiebetreibern zu teuer sind. Um die Hausmülldeponien zu verfüllen, wird vermehrt auf die nach wie vor sehr umstrittene Alternative zurückgegriffen, gefährliche mineralische Abfälle zu verfestigen und dann auf die Deponien aufzubringen. Noch bedenklicher ist die "Verwertung" dieser gefährlichen Abfälle im Landschafts- und Straßenbau.


Denn durch die Behandlung und Verfestigung wird nur für einen kaum zu bestimmenden Zeitraum erreicht, dass weniger Schadstoffe aus diesen Abfällen freigesetzt werden. Ein Nachweis über die langfristige Sicherheit kann für diesen "Verwertungsschritt" derzeit nicht geführt werden. Anders sieht die Situation aus, wenn Abfälle in Bergwerke im Salzgestein gebracht werden, also in eine mehrere Millionen Jahre alte geologische Formation. Dort muss nach strengen Vorgaben nachgewiesen werden, dass die Abfälle vollständig von der Biosphäre abgeschlossen bleiben. Diese vom Ansatz her unterschiedliche Sicherheitsphilosophie veranlasste fünf deutsche Betreiber von Versatzbergwerken auch, beim Öko-Institut e.V. Darmstadt die Studie in Auftrag zu geben.

Weitere Ergebnisse der Studie: Schon durch die Verwertung von verfestigten und teilstabilisierten gefährlichen Abfällen innerhalb der Abdichtungssysteme obertägiger Deponien ist nicht sichergestellt, dass Schadstoffe langfristig unter Verschluss bleiben. Die allgemeine Verwendung beispielsweise im Tiefbau und in der Landschaftsgestaltung weist ein nochmals wesentlich höheres Umweltrisiko auf. Aus Sicht der Experten im Öko-Institut e.V. lassen sich nach derzeitigem Kenntnisstand weder mit Verfestigungsverfahren noch mit sonstigen Behandlungsverfahren Schadstoffe langfristig sicher in Abfällen einbinden. Stattdessen müssten die gefährlichen Inhaltsstoffe nachhaltig zerstört oder chemisch in unbedenkliche Stoffe umgewandelt werden.

Die Wissenschafter empfehlen deshalb bei dem problematischen Umgang mit schadstoffbelasteten Abfällen über Tage:

·eine konsequente Umsetzung der Deponieverordnung, die heute schon die Entsorgung gefährlicher Abfälle auf Hausmüll- und Bauschuttdeponien untersagt, auch wenn sie vorher verfestigt wurden sowie

·eine entsprechende Anpassung der Vorgaben, die von der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) für die Anforderungen an die stoffliche Verwertung mineralischer Abfälle verabschiedet worden sind.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Anzahl der genehmigten und in Betrieb befindlichen Behandlungs- und Verfestigungsanlagen in letzter Zeit merklich zugenommen hat. Dies gilt besonders für die östlichen Bundesländer. "Es ist zu befürchten, dass der Anteil an gefährlichen Abfällen, der in solchen Anlagen behandelt und anschließend im Landschafts , Straßen- und Deponiebau verwendet wird, weiter zunimmt", sagt Peter Küppers, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Öko-Institut Darmstadt. Denn je gefährlicher die Abfälle und damit je teurer deren ordnungsgemäße Entsorgung, um so höher sind die finanziellen Einsparmöglichkeiten beim Einsatz einfacher und billiger Entsorgungsverfahren.

Diese Problematik wurde auch vom Bundesumweltministerium erkannt. Dort ist eine Verordnung über die Verwertung von Abfällen auf Deponien über Tage in Arbeit. Wichtig ist jetzt zusätzlich auch, die Verwertung von mineralischen Abfällen außerhalb von gesicherten Deponien neu zu regeln, um den langfristigen Schutz der Umwelt sicherzustellen.

Ansprechpartner:

·Günter Dehoust, g.dehoust@oeko.de, Telefon 06151/81 91-38

·Peter Küppers, p.kueppers@oeko.de, Telefon 06151/81 91-29

Die im Auftrag von Grube Teutschenthal Sicherungs GmbH & CO. KG, Glückauf Sondershausen Entwicklungs- und Sicherungs GmbH, K + S Entsorgung GmbH, NDH Entsorgungsbetreiber GmbH und Umwelt, Entsorgung und Verwertung GmbH erstellte Studie "Obertägige Verwertung immobilisierter Abfälle versus Versatz von Abfällen in Bergwerken - Vergleichende ökologische Bewertung unter besonderer Berücksichtigung der Langzeitsicherheit" ist unter http://www.oeko.de/oekodoc/205/2004-010-de.pdf kostenlos abzurufen.

Das Öko-Institut e.V. ist das führende Umweltforschungsinstitut im Bereich der angewandten Ökologie. Es erstellt wissenschaftliche Gutachten und berät PolitikerInnen, Umweltverbände, Institutionen und Unternehmen. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/oekodoc/205/2004-010-de.pdf

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