Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dorsch-Fangstopp gefährdet Seevögel

17.02.2004



Beute der Fischer sichert Überleben von Vögeln

... mehr zu:
»Beute »Fischbestand »Nahrung »Seevögel

Eine Forscherin Simone Pfeiffer der Friedrich-Schiller-Universität von Jena hat die Auswirkungen des Fangstopps von Dorschen im Atlantik untersucht und ist zum Schluss gekommen, dass davon auch die Seevögel betroffen sind: Viele der Tiere haben sich an den Menschen und seine Tätigkeit gewöhnt und ernähren sich vom Beifang der von Fischereischiffen ins Meer geworfen wird. Der plötzliche Fangstopp könnte die Bestände seltener Vögel gefährden, berichtet die Forscherin in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature.

Die Ökologin hat von 1986 bis 2002 unter der Leitung des Wissenschaftlers Robert W. Furness von der Universität Glasgow die Populationen von Vögeln auf der Shetland-Insel Foula untersucht. Die deutsche Forscherin hatte sich neben einem internationalen Forscherteam auf die Untersuchung der Großen Raubmöwe, der so genannten Skua, spezialisiert. "Fischer machen mehr Beute, als ihnen bewusst ist. Denn ihre Fangmenge beeinflusst auch das Fressverhalten der Seevögel", erklärt die Expertin. Skuas haben sich darauf eingestellt, einen Teil ihrer Nahrung direkt bei den Fischfangschiffen abzuholen, denn dort werden zu kleine oder unbrauchbare Fische als Beifang direkt ins Meer zurückgeworfen. "Diese vom Menschen quasi servierten Fische haben die Möwen als leichte Beute ausgemacht und als festen Bestandteil auf ihren Speiseplan gesetzt", erklärt Pfeiffer. Dabei konnte die Forscherin, die der Arbeitsgruppe Polar- und Ornitho-Ökologie angehört, beobachten, dass der Anteil der von den Möwen selbst gefangenen Fische deutlich zurückgegangen ist. Die Ergebnisse der Forscherin stützen sich auf die Analysen von Gewöllen, dem unverdauten Teil der Nahrung, den der Vogel regelmäßig wieder ausspuckt.


Ausgangspunkt für den Artikel im Wissenschaftsmagazin war der Vorschlag des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) vom 20. Oktober 2003, in der Nordsee vorübergehend den Kabeljau-Fang einzustellen. Der Rat wollte mit seiner Entscheidung natürlich den Fischbestand schützen und damit die Zukunft der Fischerei sichern. Doch das Forscherteam konnte aufgrund der langjährigen Datensammlung nachweisen, dass ein solches absolutes Fangverbot drastische Auswirkungen auf den Bestand mancher Seevogelarten haben wird. Große Vögel werden auf andere Nahrungsquellen wie etwa auf kleinere Seevögel ausweichen. "Wenn die Nahrung der Skuas nur um fünf Prozent mehr Seevögel enthält, bedeutet dies, dass rund 2.000 Dreizehenmöwen sterben müssen, die dann von den Skuas gefressen werden", erklärt Pfeiffer. Die Experten raten dazu, die Fischfangquote nur langsam zu senken. "Eine Steuerung der Populationsgröße durch ein Verändern der Fangquote ist allerdings nicht möglich", meint Pfeiffer, da zu viele Faktoren einen Einfluss ausüben würden. Die Forscherin plädiert jedoch dafür, solche Langzeitstudien zur Populationsdynamik weiter fortzusetzen, denn nur so ließen sich die weit reichenden Beziehungen im marinen Nahrungsnetz und damit die unmittelbare Verbindung zum Menschen als Nutzer der Fischbestände entschlüsseln.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Beute Fischbestand Nahrung Seevögel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie