Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ölwechsel im Hafen rettet Vögel

16.02.2004


WWF fordert: Reedereien müssen Öl fachgerecht an Land entsorgen


In den vergangenen Tagen wurden fast 1.000 verölte Vögel an den Stränden der Nordseeküste und der nordfriesischen Inseln angespült



Jedes Jahr gelangen nach Schätzungen des WWF durch Schiffsunfälle und illegale Einleitungen von Maschinenöl mehr als 100.000 Tonnen Öl in die Nordsee. Meist mit katastrophalen Folgen für die Umwelt: So wurden in den vergangenen Tagen fast 1.000 verölte Vögel an den Stränden der Nordseeküste und der nordfriesischen Inseln angespült. Untersuchungen durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) legen nahe, dass sich die Tiere in einem Ölteppich im offenen Meer verschmutzt haben, der durch die Reinigung eines Schiffstanks verursacht wurde. Der WWF fordert die Reedereien dazu auf, ihr Öl sachgemäß in den deutschen Häfen entsorgen zu lassen. Die hierfür entstehenden Kosten werden weitestgehend durch die ohnehin von den Reedereien zu entrichtende Hafenliegegebühr zurückerstattet. Nach Ansicht des WWF besteht zwar Hoffnung, den Verursacher des aktuellen Vogelsterbens im Nachhinein zu überführen, doch sei die zu erwartende Strafe viel zu gering, als dass ein Abschreckungseffekt entstehe.

... mehr zu:
»Gefieder »Ölteppich


„Die Reedereien können sich nicht hinter der Behauptung verstecken, dass die fachgerechte Ölentsorgung an Land zu teuer sei. Wer weiterhin Öl in die Nordsee einleitet, muss härter als bislang üblich bestraft werden“, fordert Alfred Schumm, Leiter des Fachbereichs Meere und Küsten beim WWF Deutschland. Statistiken des BSH zeigen, dass das Risiko überführt zu werden, sehr gering ist. In 2001 wurden nur in 0,65 Prozent der gemeldeten Ölverschmutzungen Geldstrafen verhängt, die im Schnitt unter 5.000 Euro lagen. Nach Ansicht des WWF sind diese Summen dem Sonderstatus der Nordsee als besonders schützenswertes Gebiet unangemessen. Das MARPOL-Abkommen legt seit 1999 fest, dass in der Nordsee bereits die geringste Einleitung von Öl strafbar ist. Neben der Ölentsorgung an Land und härteren Strafen für Ölsünder fordert der WWF, die Überwachung der Meere grenzüberschreitend zu verstärken. „Wir brauchen eine internationale Ölpolizei für die gesamte Nordsee“, so Schumm. „Die bisherigen Überwachungsflüge der Marine reichen nicht aus, um Vorfälle wie das aktuelle Vogelsterben an der Nordsee zu verhindern.“

Schiffsmotoren werden meist mit Schweröl angetrieben. Dabei fallen ölige Rückstände an, die entweder an Land entsorgt oder in einem speziellen Ofen an Bord verbrannt werden müssen. Doch oft sind diese Öfen defekt, und die Reedereien ziehen der kontrollierten Entsorgung an Land die für sie scheinbar einfachere Einleitung ins offene Meer vor. Brennstoffrückstände sind in mehr als 90 Prozent aller Fälle die Ursache für die tödlichen Ölteppiche in der Nordsee. Bereits eine Tonne Öl kann innerhalb weniger Stunden eine zehn Fußballfelder große Wasserfläche bedecken. Die Verschmutzung ist lang anhaltend, denn Öl baut sich nur sehr langsam ab. An der Meeresoberfläche bildet sich durch das Salzwasser rasch eine zähflüssige Emulsion, die nur sehr schwer abgetragen werden kann, da sie Pumpen und Saugeinrichtungen verklebt. Vor allem Vögel tappen bei Ölteppichen leicht in die Falle: Für Trottellummen, Eider- und Trauerenten sieht die verschmutzte Wasseroberfläche aus wie eine Flachwasserzone. Beim Versuch darin zu landen und nach Nahrung zu tauchen, verklebt das Gefieder und verliert seine Antiwasser-Beschichtung. Die Vögel sterben an Unterkühlung, ertrinken oder verhungern. Besonders fatal wirkt sich der Putzinstinkt der Tiere aus: Beim Versuch, das Gefieder von dem schwarzen „Klebstoff“ zu befreien, gelangt das Öl in den Magen - die Tiere vergiften sich selbst.

Jenni Glaser | WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Gefieder Ölteppich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie