Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

EU-Umweltaktionsplan

06.02.2004


Der Plan soll Umwelttechnologien mit Potenzialen für Innovation, Wachstum und nachhaltige Entwicklung fördern



Die Europäische Kommission hat heute einen ehrgeizigen Aktionsplan verabschiedet, mit dem die Entwicklung und weitere Verbreitung von Umwelttechnologien unterstützt werden soll. Viele neue Umwelttechnologien haben ein großes Potenzial zur Verbesserung der Umwelt und gleichzeitig der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Das Spektrum der Umwelttechnologien reicht von Recyclingsystemen für Abwasser in industriellen Prozessen über energiesparende Fahrzeugmotoren, die weniger Kraftstoff verbrauchen, bis hin zu Bodensanierungsverfahren. Nach wie vor bestehen jedoch viele Hindernisse wie z.B. der komplexe Charakter der Umstellung von traditionellen auf neue Technologien und ein unzureichender Zugang zu Kapital. Der Aktionsplan soll dazu beitragen, diese Hindernisse durch eine konzertierte europäische Anstrengung zu überwinden, um das Potenzial der Umwelttechnologien maximal nutzbar zu machen. Er wird es der EU außerdem erleichtern, ihre Ziele im Bereich nachhaltige Entwicklung kostenwirksam zu erreichen. Der Plan müsste es der EU auch ermöglichen, sich eine anerkannte Führungsposition auf dem Gebiet der Umwelttechnologien zu sichern. Zu den wichtigsten Aktionen gehören die Schaffung von Technologieplattformen mit den jeweiligen Interessengruppen in Bereichen wie Wasserstoff- und Brennstoffzellen, Photovoltaik, Wasserversorgung und Sanitärtechnologien, Festlegung von Zielen für die Umweltleistung von Produkten und Dienstleistungen, und optimale Nutzung von Mitteln sowie öffentlichen und privaten Beschaffungsverfahren.



Umweltkommissarin Margot Wallström begrüßte die Verabschiedung der Mitteilung1 und erklärte dazu: "Dieser Aktionsplan ist ein pragmatisches Instrument, um die gemeinsamen Herausforderungen der nachhaltigen Entwicklung und des Umweltschutzes anzupacken und gleichzeitig Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu fördern. Eine Reihe guter Beispiele in Europa beweisen, dass Umwelttechnologien hierzu ein geeignetes Mittel sind. Einige europäische Länder haben zum Beispiel vor zwanzig Jahren erstmalig in Windkrafttechnologien investiert und sind heute Führer auf dem Weltmarkt und exportieren Windkraftturbinentechnologie im Wert von Milliarden Euro. Viele Menschen haben brilliante Ideen für neue Umweltschutztechnologien. Oft genug fehlen ihnen die Mittel zur Umsetzung ihrer Ideen, oder – selbst wenn dies nicht das Problem ist - die Technologien können sich aufgrund konservativer Einstellungen und wenig rezeptiver Marktsysteme nicht etablieren. Mit dem Aktionsplan möchten wir diese Einstellungen ändern und die Hindernisse für die Umwelttechnologien aus dem Weg räumen."

1“Stimulation von Technologien für nachhaltige Entwicklung: Ein Aktionsplan für Umwelttechnologie in der Europäischen Union”, KOM(2004) 38

Forschungskommissar Philippe Busquin fügte hinzu: “Europa gehört weltweit zu den Führern bei der Entwicklung von Umwelttechnologien in Bereichen wie Photovoltaik Windenergie und Wasserkraftwerke sowie Minderung der Umweltverschmutzung durch besseres Abfallmanagement. Aber wir müssen auch die Entwicklung anderer wichtiger Umwelttechnologien unterstützen. Sie haben ein großes Potenzial für Wachstum und Beschäftigung. Natürlich müssen wir dazu unsere F&E-Anstrengungen verstärken, indem wir die Wirkung der europäischen Forschung durch bessere Koordinierung und die Schaffung von Synergien sowie durch Aufstockung der F&E-Ausgaben auf bis zu 3% des BIP der EU bis zum Jahre 2010 maximal steigern. Die Schaffung europäischer Technologieplattformen in einigen ausgewählten Bereichen der Umwelttechnologie sind für die Erreichung dieses ehrgeizigen Zieles von zentraler Bedeutung.”

Der Aktionsplan

Der Plan enthält elf vorrangige Maßnahmen für die Kommission, nationale und regionale Regierungen, Industrie und andere Interessengruppen, die dazu beitragen sollen, die Entwicklung und Etablierung von Umwelttechnologien zu erleichtern. Sie umfassen:

- die Schaffung von 3 Technologieplattformen, die Wissenschaftler, Industrie, Finanzinstitutionen, Entscheidungsträger und andere relevante Beteiligte zusammenbringen sollen, um eine langfristige Vision für den Forschungsbedarf und künftige Marktentwicklungen in diesem Bereich zu entwickeln; die Technologieplattformen in den Bereichen Wasserstoff- und Brennstoffzellen und Photovoltaik sollen bereits Anfang 2004 eingerichtet werden. Eine ähnliche Plattform im Bereich Wasserversorgung und Sanitärtechnologien ist für Anfang 2005 geplant

- Formulierung und Vereinbarung ehrgeiziger Ziele für die Umweltleistung der wichtigsten Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Dies wird ihre Akzeptanz bei Unternehmen und Verbrauchern verbessern, wie z.B. die Erfahrungen mit der Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Kühlschränken gezeigt haben, und

- Mobilisierung finanzieller Instrumente sowohl innerhalb wie außerhalb der EU, um die Risiken von Investitionen in Umwelttechnologien besser zu verteilen, wobei Klimaänderung, Energie und kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Schwerpunkt bilden sollen. Die Europäische Investitionsbank, die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie die Finanzierungsmechanismen des Kyoto-Protokolls (Clean Development und Joint Implementation) sollten hier eine Rolle spielen.

Die vollständige Liste der Maßnahmen kann auf der in dieser Pressemitteilung angegebenen Webseite abgerufen werden.

Warum müssen Umwelttechnologien gefördert werden?

Die Förderung des Wirtschaftswachstums ist für die EU ein zentrales Anliegen, ebenso wie ein möglichst hohes Maß an Umweltschutz. Daher müssen Wirtschaftswachstum und negative Umweltauswirkungen entkoppelt werden. Umwelttechnologien können hierbei helfen: sie unterstützen technologische Innovation und können noch dazu die europäische Wettbewerbsfähigkeit steigern, potenzielle Märkte erschließen und neue hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. So können z.B. Energieeinsparungen in industriellen Prozessen oder die Entwicklung neuer “sauberer” Fahrzeuge zur Bekämpfung der Klimaänderung beitragen und gleichzeitig die Gesamtkosten für Verbraucher und Gesellschaft senken.

Was sind “Umwelttechnologien”?

Diese lassen sich beschreiben als “alle Technologien, deren Nutzung weniger umweltbelastend ist als die der einschlägigen Alternativen”. Sie umfassen Technologien zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung (z.B. Reduzierung der Luftverschmutzung, Abfallmanagement), weniger umweltbelastende und ressourcenintensive Produkte und Dienstleistungen (z.B. Brennstoffzellen) und Strategien zur effizienteren Nutzung der Ressourcen (z.B. Wasserversorgung, energiesparende Technologien). Andere umweltfreundlichere Technologien sind prozessintegrierte Verfahren in allen Bereichen sowie Techniken zur Bodensanierung. Diese Technologien können also bei allen Wirtschaftstätigkeiten und in allen Wirtschaftsbereichen dazu beitragen, Kosten zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, indem sie Energie- und Ressourcenverbrauch senken und damit zu weniger Emissionen und Abfällen führen.

Hindernisse für Umwelttechnologien

Die Entwicklung und weitere Verbreitung von Umwelttechnologien wird auf verschiedene Weise behindert, z.B.:

- durch wirtschaftliche Hindernisse, diese reichen von Marktpreisen, die nicht den externen Kosten von Produkten und Dienstleistungen (z.B. Gesundheitskosten aufgrund der Luftverschmutzung in Städten) entsprechen, bis hin zu den als riskant empfundenen (und daher höheren) Investitionskosten für Umwelttechnologien, sowie Umfang der Erstinvestition oder Komplexität der Umstellung von traditionellen auf Umwelttechnologien;

- auch Vorschriften und Normen können innovationshemmend wirken, wenn sie unklar oder zu detailliert sind, während gute Rechtsvorschriften Umwelttechnologien fördern können;

- zu geringe Forschungsanstrengungen in Verbindung mit einem schlecht funktionierenden Forschungssystem in den europäischen Ländern sowie Mängel bei Information und Ausbildung;

- unzureichende Verfügbarkeit von Risikokapital für den Schritt vom Zeichenbrett zur konkreten Produktion;

- mangelnde Marktnachfrage beim öffentlichen Sektor sowie bei Verbrauchern.

Zwar lassen sich viele dieser Hindernisse auf nationaler oder regionaler Ebene zumindest teilweise abbauen, doch wird eine konzertierte europäische Anstrengung und die Umsetzung der Maßnahmen des Aktionsplans zu besseren Ergebnissen führen. Der Binnenmarkt bietet aufgrund seiner Größe bessere Möglichkeiten für Umwelttechnologien als kleinere nationale Märkte. Auch besteht eine Vielzahl von europäischen Finanzierungsmechanismen für Forschung, Demonstrationsprojekte und für die Unterstützung der Entwicklung, die auch für Umwelttechnologien genutzt werden könnten.

Der Weg zu den Umwelttechnologien

Grundlage der Förderung von Umwelttechnologien ist das Ziel der EU, bis zum Jahr 2010 “zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt” zu werden, das auf dem Gipfel von Lissabon im Jahr 2000 formuliert wurde. Auf dem Europäischen Rat von Göteborg im Jahr 2001 wurde darauf hingewiesen, dass die Umwelttechnologien einen bedeutenden Beitrag zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung leisten können. Die Kommission veröffentlichte später einen Bericht, der diese Analyse bestätigte, und in dem vorgeschlagen wurde, mit intensiver Beteiligung der betroffenen Interessengruppen einen Aktionsplan auszuarbeiten, um die Hindernisse für Entwicklung und Etablierung von Umwelttechnologien auszuräumen.

Die nächsten Schritte

Die Kommission wird unverzüglich mit der Umsetzung dieses Aktionsplans beginnen und z.B. Technologieplattformen und Netze von Validierungszentren einrichten. Auf der Frühjahrstagung des Rates im März 2004 soll diese Mitteilung außerdem erörtert werden. Die Kommission wird die Umsetzung des Aktionsplans überwachen und erstmalig im Jahre 2006 darüber Bericht erstatten. Sie wird ferner ein Europäisches Gremium für Umwelttechnologie einrichten, um die verschiedenen Interessengruppen in Europa in diesen Aktionsplan einzubinden und den Informationsaustausch zu verbessern, eine wechselseitige Stimulation zwischen den verschiedenen Initiativen zu ermöglichen und die Kommission bei der Umsetzung des ETAP zu unterstützen. Beim Informationsaustausch über bewährte Praktiken, der Definition von Indikatoren für die Messung des Fortschritts, der Bewertung durch Fachkollegen und der Festlegung von Leitlinien und Zeitplänen für den Aktionsplan sollten die Mitgliedstaaten intensiv einbezogen werden.

| OlarInfo.de
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/environment/etap/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor
23.05.2018 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

nachricht Wenn Korallen Plastik fressen
23.05.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics