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Verkommt die Nordsee zur Kiesgrube?

03.02.2004


Gemeinsame Pressemitteilung:
Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), DEEPWAVE, Deutscher Naturschutzring (DNR), Hohe Tied, Internationaler Tierschutz-Fond (IFAW)

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Eine neue Gefahr bedroht das Leben im Meer: Kiesabbau. Riesige Maschinen saugen in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee jährlich über drei Millionen Kubikmeter Sand und Kies vom Meeresboden. Sie vernichten wertvollen Lebensraum, Speisekammer und Kinderstube zahlreicher Arten weit über die Abbauflächen hinaus.

Nun gibt es Streit um neue Abbaugebiete und eine weitere Million Kubikmeter bis zum Jahr 2051 westlich von Sylt, "noch dazu nicht weit entfernt vom ersten bekannten Schweinswal-Aufzuchtgebiet", so Ralf Sonntag (IFAW). Durch die Sand- und Kiesentnahme wird der Meeresboden bis zur Tiefe von 2,60 Metern entfernt. Umweltverbände befürchten, dass sich der Meeresgrund von diesem Raubbau nicht mehr erholt und das Ökosystem Meer schwer leidet. "Der Kies am Meeresboden wirkt wie eine Kläranlage für belastetes Wasser", sagt der Experte Gisbert Jäger (Hohe Tied), "wollten wir diese Reinigungswirkung mit Maschinen erzielen, müssten wir jährlich 500 Millionen Euro aufwenden."

Sand und Kies sind begehrte Rohstoffe für den Küstenschutz und die Bauindustrie, zumal leichter erschließbare Festland-Reserven zu Ende gehen. Die Baumkurren-Fischerei pflügt jährlich im Durchschnitt sieben Mal den gesamten Nordseeboden um und zerstört dabei die Lebensgemeinschaften am Meeresgrund. "Schlimmer aber ist es, wenn Sand und Kies abgebaut werden", so Petra Deimer (GSM). "Dann werden beispielsweise auch Sandaale abgesaugt. Sie sind die Nahrungsbasis für Schweinswale, Robben, Seevögel und viele Fischarten". Auch Fischfang und Krabbenfischerei werden darunter zu leiden haben. "Dazu wirbelt die Kiesgewinnung sogenannte Trübungsfahnen auf" so der Meeresbiologe Onno Groß (Deepwave), "die Sauerstoff zehren und abgesetzte Schad- und Giftstoffe erneut mobilisieren." Naturschützer beklagen, dass der brutale Rohstoffabbau dem Projekt "Natura 2000" zuwiderläuft, einem Netz von Schutzgebieten der Europäischen Union. Wie soll Naturschutz funktionieren, wenn eine so wichtige Basis wie der Meeresboden mit Schleppkopf- und Stechrohrbaggern abgetragen wird?

Pressekontakt:
Weitere Informationen: Petra Deimer, GSM Tel. 04106 4712
Dr. Onno Groß, DEEPWAVE, Tel. 0179 598 6969

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