Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Boom bei Pflanzenmedizin bedroht Heilpflanzen

08.01.2004


Zwei Drittel der Phytopharmaka werden in freier Wildbahn geerntet



Der Heilpflanzenmarkt ist nicht nur in den USA und in Europa zu einem Multimillionen Dollar Markt angewachsen. Nach jüngsten Untersuchungen droht zahlreichen wertvollen Pflanzen wegen zu intensiver Ernte das Ende. Nach Aussagen von Wissenschaftler droht bis zu einem Fünftel aller Pflanzen ein solches Ende, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist in seiner jüngsten Online-Ausgabe.



Für einen Großteil der Erdbevölkerung sind pflanzliche Wirkstoffe die einzigen Medikamente, die zur Verfügung stehen. In einigen Staaten sind bis zu 80 Prozent der Einwohner auf diese Heilmittel angewiesen. Etwa zwei Drittel der rund 50.000 Heilpflanzen werden in freier Wildbahn geerntet, nur ein Bruchteil wird in Hausgärten oder am Feld gezogen. Nach ersten Schätzungen von Experten sind zwischen 4.000 und 10.000 dieser Pflanzen quasi vom Aussterben bedroht. Alan Hamilton, Pflanzenexperte der Umweltorganisation WWF, sieht das Problem des Schwundes vor allem in der Marktexplosion in Europa und in den USA. Um zehn Prozent jährlich ist der Bedarf an Heilpflanzen und Produkten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Der Weltmarkt wird auf jährlich etwa 16 Mrd. Euro geschätzt.

Dramatisch wird das Aussterben der Pflanzen dann werden, wenn Menschen in armen Ländern wie Indien und China nicht mehr auf die nachwachsenden traditionellen Heilpflanzen zurückgreifen können. Hamilton, der Mitglied der World Conservation Union Specialist Group for Medical Plants ist, warnt in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Biodiversity and Conservation vor den weitreichenden Folgen. Darüber hinaus hat der Forscher eine Richtlinie über das nachhaltige Ernten von Heilpflanzern verfasst, die kommende Woche von der Umweltorganisation Plantlife veröffentlicht wird.

Am schlimmsten betroffen sind nach Angaben des Forschers einige Pflanzen, die in Ostasien heimisch sind und deren Wirkstoffe in der Ersten Welt bei Hauterkrankungen oder in der Krebsmedizin Verwendung finden. Die Umweltaktivisten werfen den Pharmaunternehmen vor, diese Pflanzen vielfach und ohne Rücksicht auf Verluste zu ernten. "Das Problem der Heilpflanzen ist seit vielen Jahren bekannt", so Martin Harper, Experte bei Plantlife. Die meisten der europäischen Hersteller kümmern sich wenig bis gar nicht um Nachhaltigkeit bei der Ernte der Heilmittel. Eines der schlimmsten Beispiele ist die afrikanische Kirsche (Prunus africana), deren Rinde in der Prostatabehandlung Verwendung findet. Rücksichtsloses Ernten hat die Pflanze ausgerottet.

Plantlife fordert, dass die Pharmaindustrie mehr Geld dafür verwenden soll, solche Heilpflanzen zu kultivieren und in eigenen Gärten anzubauen. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch die Unwissenheit der Konsumenten. Auch hier sehen die Umweltschützer dringend erforderlichen Nachholbedarf.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newscientist.com
http://www.wwf.org
http://www.plantlife.org.uk

Weitere Berichte zu: Heilmittel Heilpflanzen Umweltorganisation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics