Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stromversorgung bleibt das Sorgenkind im Klimaschutz

23.09.2003


Die Chemieindustrie und der Bergbau gehören zu den Gewinnern, wenn im Jahr 2005 der Handel mit Emissionsrechten startet. Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einer Studie, in der die wirtschaftlichen Folgen des neuen Klimaschutzinstrumentes auf die deutsche Industrie unter die Lupe genommen werden. Die Studie, die jetzt von Öko-Institut, DIW und ECOFYS vorgelegt wurde, zeigt, dass der EU-weite Emissionshandel erhebliche finanzielle Vorteile für die Mehrzahl der industriellen Sektoren in Deutschland bringt. „Um die Klimaschutzziele der Industrie zu erreichen, ist der Emissionshandel das wirksamste und zugleich kostengünstigste Instrument“, betont Regine Günther vom WWF Deutschland. Die Leiterin des WWF-Klimareferats bezifferte die jährlichen Kostenvorteile des Emissionshandels gegenüber anderen Instrumenten wie der Selbstverpflichtungserklärung der deutschen Wirtschaft auf bis zu 550 Millionen Euro. Gleichzeitig werde durch die Einführung des neuen Systems Schluss gemacht mit Vollzugsdefiziten traditioneller Instrumente.


Die öffentliche Stromerzeugung ist mit 56 Prozent aller Emissionen der im Emissionshandel erfassten Industrien das Sorgenkind beim Klimaschutz.



Die Industrie hat zugesagt, ihren Kohlendioxidausstoß bis 2012 um jährlich 45 Millionen Tonnen unter das Niveau von 1990 senken. Dann sollen aus den Schloten der Kraftwerke und Fabriken nur noch 423 Mio. Tonnen Kohlendioxid in die Luft geblasen werden. Eine Vielzahl von Branchen will sich den zugesagten Minderungszielen entziehen. Hinter den Kulissen wird zwischen den einzelnen Unternehmen bereits heftig um diesen „Emissionskuchen“ gekämpft. Es geht um die Frage, wer wie viel emittieren darf. Die Entscheidung hierüber liegt bei der Bundesregierung. Sie muss bis zum Frühjahr 2004 in Brüssel einen so genannten Nationalen Allokationsplan vorlegen, in dem die Emissionsrechte zugeteilt werden. Danach soll das neue System in einer Pilotphase von 2005 bis 2007 anlaufen.



Von dieser Ausgangssituation geht die Studie aus. Die Wissenschaftler stellen verschiedene Modellrechnungen an, bei denen die Emissionsrechte unterschiedlich verteilt werden. Weil die Unternehmen sich jeweils für die kostengünstigste Klimaschutzmaßnahme entscheiden können, profitiert die deutsche Industrie insgesamt von dem neuen System. Die Unternehmen können im Einzelfall entscheiden, ob es für sie lohnender ist, anstehende Modernisierungen an ihren Anlagen vorzunehmen oder die übernommenen Klimaschutzverpflichtungen durch den Einkauf von Zertifikaten zu erbringen. Die Studie zeigt, dass es sich für einige Unternehmen sogar doppelt lohnt, weil sie Emissionsrechte verkaufen können. Vorteile zeichnen sich auch für Sektoren ab, die sich lange gegen die Einführung gewehrt haben wie die Chemieindustrie und den Bergbau. Sie können aller Voraussicht nach Emissionsrechte verkaufen, weil die Branchen ihren Kohlendioxidausstoß bereits erheblich unter ihre Zielmarge verringern konnten

Die Studie belegt darüber hinaus, dass die öffentliche Stromerzeugung mit 56 Prozent aller Emissionen der im Emissionshandel erfassten Industrien das Sorgenkind beim Klimaschutz ist. „Die öffentlichen Stromerzeuger konnten ihren CO2-Ausstoß seit 1990 nur um magere fünf Prozent reduzieren“, bemängelt Regine Günther. Eines der größten Probleme für den Sektor sei der sehr hohe Anteil an Kohle und die steigende Stromnachfrage. „Um sich für die Zukunft fit zu machen, müssen die Stromversorger auf CO2-arme Energien wie Gas oder auf Erneuerbare Energien umsteigen“.

Entscheidend wird sein, die Emissionen gerecht zu verteilen. „Wir müssen sicherstellen, dass alle Unternehmen ehrgeizige Ziele verfolgen“, hebt Dr. Felix Matthes vom Öko-Institut hervor. Der Leiter des Forschungsprojektes betont: „Die Kosten dürfen keinesfalls auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Deshalb sind allenfalls wenige Ausnahmeregelungen akzeptabel. Der Atomausstieg ist kein Grund, die verabschiedeten Klimaschutzziele nach zu verhandeln.“ Nur ein einfaches gerechtes System mit höchst möglicher Transparenz, könne die öffentliche Akzeptanz für das neue Klimaschutzinstrument sichern.

| WWF
Weitere Informationen:
http://www.wwf.de

Weitere Berichte zu: Emissionshandel Emissionsrecht Klimaschutz Stromversorgung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungen

Posterblitz und neue Planeten

25.09.2017 | Veranstaltungen

Hochschule Karlsruhe richtet internationale Konferenz mit Schwerpunkt Informatik aus

25.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Legionellen? Nein danke!

25.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Hochvolt-Lösungen für die nächste Fahrzeuggeneration!

25.09.2017 | Seminare Workshops

Seminar zum 3D-Drucken am Direct Manufacturing Center am

25.09.2017 | Seminare Workshops