Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CO2-Emissionshandel verändert Umweltrecht

25.08.2003


In Brüssel steht die EU-Richtlinie zum Emissionshandel kurz vor der Verabschiedung. Parallel dazu beginnen in Deutschland in diesen Wochen die konkreten Vorbereitungen auf den Emissionshandel: Die Immissionsschutzbehörden erfragen bei den Betrieben die Emissionsmengen der letzen 3 Jahre.



Die Erhebung der Daten stützt sich auf die 11.Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz ("Emissionserklärungsverordnung"). Alle Betreiber von Anlagen, die nach dieser Verordnung berichtspflichtig sind, werden in den nächsten Wochen von ihrer Immissionsschutzbehörde angeschrieben. Betroffen sind vor allem Feuerungsanlagen über 20 MW, aber auch Mineralölraffinerien, Kokereien, Keramik- und Ziegel-Brennereien oder Zellstofffabriken. Die Firmen werden gebeten, die Daten ihrer Emissionserklärung für das Jahr 2000 um die Werte für 2001 und 2002 zu ergänzen. Die Bundesregierung braucht diese Daten, um abschätzen zu können, in welchem Umfang sie den Unternehmen in Deutschland Emissionsberechtigungen, so genannte Zertifikate, zukommen lassen muss. Dieser Verteilungsschlüssel für Zertifikate soll in einem "nationalen Allokationsplan" festgelegt werden, den die Bundesregierung bis Ende März 2004 vorlegen muss.



Der kritische Punkt bei diesem Erfassungszeitraum von 2000 bis 2002 liegt darin, dass er einen konjunkturellen Abschwung markiert. Viele Unternehmen haben in dieser Zeit weniger produziert als in den Jahren davor - und damit auch weniger CO2-Emissionen verursacht. Wenn sie nun für die Jahre 2005 - 2007 Zertifikate zugeteilt bekommen, die ihren Emissionsmengen von 2000 bis 2002 entsprechen, könnte das bei einem gesamtwirtschaftlichen Aufschwung knapp werden. Dieser Problematik ist sich natürlich auch die Bundesregierung bewusst. Mit welchem Mechanismus dies allerdings abgefedert werden soll, ist zur Zeit noch unklar.

Ein weiterer Punkt, der jetzt von den Unternehmen angegangen werden muss, ist die Anerkennung von "early action", also von Emissionsminderungen in der Dekade 1990 - 2000. Wenn ein Unternehmen hier Leistungen vorweisen kann, so lassen sich diese eingesparten Mengen Kohlendioxyd in den Emissions-handel einbringen. Dies kann für das Unternehmen sehr lukrativ sein, wie Dr. Pascal Bader vom Ministerium für Umwelt und Verkehr in Baden-Württemberg auf dem DEKRA Forum "Trends im Umweltschutz" im Mai 2003 in Stuttgart betonte: "Wie können sich Unternehmen auf den Emissionshandel vorbereiten? Auf jeden Fall Emissionen erfassen, denn alles, was sie in der Vergangenheit geleistet haben, kann bares Geld bedeuten und wenn sie die Emissionen für die Vergangenheit nicht zurückverfolgen können, verfällt ihnen womöglich diese Reduktionsmaßnahme". Allerdings muss die Anrechnung von "early action" bei der zuständigen Immissionsschutzbehörde beantragt und auch entsprechend belegt werden. Dieser Beleg kann z.B. durch ein Gutachten der DEKRA Umwelt erbracht werden.

Im Januar 2005 wird dann der Emissionshandel in Europa beginnen. Dieses Verfahren eines marktwirtschaftlichen Mechanismus zur Verminderung von Umweltbelastungen kommt einer Revolution im deutschen Umweltrecht gleich. Da aber weder auf Seiten der Behörden, noch auf Seiten der Unternehmen nennenswerte Erfahrungen mit diesem Instrument vorliegen, stellt es alle Akteure vor große Herausforderungen. Um so wichtiger ist eine rechtzeitige und sorgfältige Vorbereitung im Unternehmen. Zum einen sollte geklärt werden, wie der Umgang mit den Zertifikaten unternehmensintern abläuft - von der Verwaltung bis hin zur bilanztechnischen Erfassung, da die Zertifikate einen geldwerten Vorteil darstellen. Zum anderen sollte jedes Unternehmen eine Strategie entwickeln, wann Zertifikate zugekauft/verkauft werden, wann interne Emissionsminderungsmaßnahmen durchgeführt werden, etc. Auch hier kann ein externer Berater der DEKRA Umwelt eine große Hilfe sein und Minderungs-optionen im Bereich der Anlagentechnik oder der Infrastruktur identifizieren oder beim Aufbau eines Managementsystems unterstützen.

Am Ende des jeweiligen Handelsjahres erstellt das Unternehmen einen Bericht über seine CO2-Emissionen. Dieser Bericht ist vor der Einreichung bei der Behörde von einer unabhängigen Stelle zu validieren (sind alle Emissionsquellen im Betrieb erfasst, sind die Angaben glaubwürdig, etc.). Über die Zulassung solcher Validierer gibt es noch einige Unklarheiten, einiges deutet allerdings darauf hin, dass Umweltgutachter oder ISO 14000-Prüfer diese Qualifikation ohne große Schwierigkeiten erwerben werden können.

Auch wenn es zum Emissionshandel im Detail noch viele offene Fragen gibt, eines gilt als sicher: dass er Anfang 2005 europaweit starten wird. Daher sind alle betroffenen Unternehmen gut beraten, sich gründlich mit diesem neuen Instrument zu befassen und eine individuelle Strategie aufzustellen. Die unabhängigen Experten der DEKRA Umwelt können dabei wertvolle, fachkundige Unterstützung leisten.

Weitere Informationen:

DEKRA Umwelt GmbH
Jochen Dettke
Handwerkstr.15, 70565 Stuttgart
Tel. 0711 - 7861-2703, Fax -2627
Email: jochen.dettke@dekra.com

Jochen Dettke | DEKRA Umwelt GmbH
Weitere Informationen:
http://www.dekra.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie