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Die Wollige Napfschildlaus breitet sich weiter in Deutschland aus

17.07.2003


Bekämpfung nicht möglich


Dr. Thomas Schröder von der Biologischen Bundesanstalt untersuchte in Braunschweig die Verbreitung der Wolligen Napfschildlaus
(Foto: W. Wohlers, BBA)


Der Baumstamm ist übersät mit Weibchen und den in Wachswolle gehüllten Eiern der Wolligen Napfschildlaus (Foto: T. Schröder, BBA)



Die Wollige Napfschildlaus breitet sich weiter in Deutschland aus. Seit ihrem ersten Auftreten 1989 in Köln/Bonn hat sie im Süden München, im Norden Kiel und im Osten Berlin erreicht. Diese nur einen halben Zentimeter große Schildlaus mit dem drolligen Namen kann Äste und Baumstämme mit ihrer weißen, wachsartigen Wolle völlig überziehen und dadurch unansehnlich machen. Sie stört aber vor allem durch ihren klebrigen, zuckerhaltigen Kot, wenn er auf parkende Autos fällt, ähnlich wie bei der Lindenzierlaus.

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Von einer chemischen Bekämpfung rät die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig generell ab. Große Bäume könnten im innerstädtischen Bereich unmöglich mit Insektenbekämpfungsmitteln behandelt werden. Zwar gibt es Parasiten und Räuber, die die Wollige Napfschildlaus fressen, aber zurzeit können diese die neue Schildlaus nicht unter Kontrolle halten. Ob bestimmte Marienkäferarten wirklich helfen, wenn sie in großen Mengen gezüchtet und freigelassen werden, muss erst noch getestet werden.

Die Wollige Napfschildlaus trat in Europa vor 40 Jahren das erste Mal in England auf. Völlig unbekannt ist, wo sie eigentlich herkommt. Sie befällt viele verschiedene Baumarten und Sträucher, unter anderem Linde, Ahorn und die Rosskastanie. Ein Weibchen kann bis zu 3000 Eier legen. Da Männchen nicht notwendig sind, kann durch eine einzige Schildlaus wie aus dem Nichts in kurzer Zeit ein großer Befall auftreten.

Die Schildläuse leben im Sommer an den Blättern. Vor dem Blattfall im Herbst kriechen sie auf die Äste, um dort den Winter zu verbringen. Im Frühjahr krabbeln sie zum Eierlegen auf Stämme und dicke Äste. Die Weibchen legen Ende April ihre Eier, die in Eisäcke aus weißem Wachs eingehüllt werden. Sie sterben dann und bedecken das Eigelege mit ihrem braunen Körper, der wie ein Napf oder Schild aussieht, daher der Name. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven verbreiten sich auf dem ganzen Baum oder werden mit dem Wind in die Umgebung verfrachtet. Achtung beim Baumschnitt: Geschnittene und befallene Äste sollten nur im geschlossenen LKW transportiert werden, da die Laus sonst verschleppt wird, warnt die Biologische Bundesanstalt.

Durch die Wollige Napfschildlaus sterben die Bäume nicht ab. Auf dem zuckerhaltigen Kot wachsen jedoch Russtaupilze, die die Blattoberfläche schwarz verfärben und kaum Sonnenlicht durchlassen, so dass die Bäume nicht gut gedeihen. Die Blätter fallen aber nicht ab. Der lateinische Name der Wolligen Napfschildlaus ist Pulvinaria regalis. Eine nahe verwandte Art ist die Wollige Rebenschildlaus Pulvinaria vitis, die vor allem an Birken auftritt, aber auch viele andere Bäume, Sträucher und Vitis- das heißt Weinarten befällt. Diese Schildlaus wird von den einheimischen Nützlingen so stark dezimiert, dass sie kaum auffällt. Ob bei der Wolligen Napfschildlaus ein solches biologisches Gleichgewicht später einmal zu einem kaum bemerkbaren Befall führen wird ist zu hoffen.

Dr. P. W. Wohlers | BBLF
Weitere Informationen:
http://www.bba.de/mitteil/presse/030717.htm

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