Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenschutz: Weitere 110 Wirkstoffe werden vom Markt genommen

10.07.2003


Bis Dezember 2003 werden weitere 110 in Pflanzenschutzmitteln - einschließlich Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden - verwendete Wirkstoffe im Rahmen des neuen Ansatzes der Europäischen Kommission zur Bewertung von Wirkstoffen in Pflanzenschutzmitteln vom Markt genommen. Diese 110 Wirkstoffe kommen zu den 320 Wirkstoffen hinzu, die bereits bis Juli 2003 vom Markt genommen werden müssen.


Das für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Kommissionsmitglied David Byrne sagte dazu: "Ziel dieser Entfernung bestimmter Wirkstoffe vom Markt ist es zu gewährleisten, dass die verwendeten Erzeugnisse sicher für die Umwelt und den Menschen sind. Der Abschluss des Harmonisierungsprozesses für Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln ist ein wichtiger Schritt hin zu einem einheitlichen Verbraucherschutz in der EU."

Das derzeitige Konzept verpflichtet die Hersteller, ihre Pflanzenschutzmittel zu "verteidigen" indem sie beweisen, dass diese die geforderten Sicherheitsstandards erfüllen. Die meisten der Erzeugnisse werden vom Markt genommen, weil die Hersteller diese aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen nicht verteidigen wollen. Um dies zu tun, mussten die Hersteller sich verpflichten, den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit vollständige Unterlagen zu übermitteln. Wirkstoffe dürfen weiter verwendet werden, bis die Bewertungen abgeschlossen sind und eine Entscheidung über den Sicherheitsstatus des betreffenden Erzeugnisses getroffen wurde.


Ausgehend von diesem neuen Ansatz wurde bereits im Juli 2002 entschieden, 320 Wirkstoffe im Juli 2003 vom Markt zu nehmen. Die Kommission hat nun vorgeschlagen, weitere 110 Wirkstoffe bis Dezember 2003 folgen zu lassen.

In einigen Mitgliedstaaten wird es vorläufige Ausnahmeregelungen für "wichtige Verwendungen" geben. Dies bezieht sich auf Erzeugnisse, die vom Hersteller nicht verteidigt werden, für die es jedoch keine einfach verfügbare Alternative für die betreffenden Kulturen gibt, und bei denen keine Sicherheitsbedenken gegen eine weitere beschränkte und zeitlich begrenzte Verwendung bestehen.
Nimmt man die 320 bereits vom Markt genommenen Wirkstoffe, die 110 weiteren sowie die etwa 20 einzeln bewerteten Wirkstoffe zusammen, die mit negativem Ergebnis geprüft wurden, so hat die Kommission nunmehr entschieden etwa 450 Wirkstoffe vom Markt zu nehmen. Dies bedeutet, dass im Jahr 2003 mehr als 50% der Wirkstoffe, die 1993 auf dem Markt waren, verschwunden sein werden. Die Kommission beabsichtigt, alle Wirkstoffe, für die Unterlagen eingereicht wurden, vor Ende 2008 zu prüfen, so dass die Harmonisierung der in Pflanzenschutzmitteln in der EU erlaubten Wirkstoffe bis dahin abgeschlossen werden kann.

Anwender sollten Zulassungsstatus prüfen

Anwender sowie Groß- und Einzelhändler von Pflanzenschutzmitteln werden sich darüber klar sein müssen, ob die Erzeugnisse, die sie anwenden oder verkaufen, in Kürze aus dem Handel genommen werden, damit sie nicht auf Lagerbeständen sitzen bleiben, die nicht weiter verwendet werden dürfen. Die Betroffenen sollten Kontakt mit ihrer nationalen Behörde aufnehmen um den Zulassungsstatus der verschiedenen Erzeugnisse zu erfragen.

Hintergrund: Richtlinie 91/414

Die Richtlinie 91/414 über die Zulassung, Verwendung und Kontrolle von Pflanzenschutzmitteln - Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden usw. - wurde 1991 verabschiedet. Damit wurde auf EU-Ebene ein harmonisiertes Zulassungssystem für die Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln geschaffen. Die Mitgliedstaaten können die Verwendung von Erzeugnissen, die solche von der EU zugelassenen Wirkstoffe enthalten, für ihr eigenes Hoheitsgebiet genehmigen. Gemäß den Regeln von 1991 müssen Wirkstoffe für eine Zulassung zunächst mit positivem Ergebnis einer Sicherheitsbewertung unterzogen werden, für die die Hersteller entsprechende Daten vorlegen müssen.

Bei Erlass der Richtlinie 91/414/EWG des Rates im Jahr 1991 waren mehr als 850 solcher Wirkstoffe zur Verwendung in den Mitgliedstaaten zugelassen.

Die Kommission hebt hervor, dass es bereits Maßnahmen gibt um sicherzustellen, dass die derzeit verwendeten Wirkstoffe im Hinblick auf eine Überschreitung der Rückstandshöchstwerte überwacht werden. Dies ermöglicht den Mitgliedstaaten, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die sichere Verwendung der Pflanzenschutzmittel zu gewährleisten und ein Gesundheitsrisiko auszuschließen.

| agrar.de
Weitere Informationen:
http://www.agrar.de

Weitere Berichte zu: Erzeugnisse Pflanzenschutzmittel Richtlinie Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen
05.12.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie