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Die Kastanien-Miniermotte setzt ihre Invasion fort

09.07.2003



An Kastanienbäumen zeichnet sich vielerorts wieder ein sehr auffälliger Befall mit der Rosskastanien-Miniermotte ab. Die Blätter befallener Bäume weisen braune Stellen auf, die sich rasch vergrößern. Das verfärbte Laub wird vorzeitig abgeworfen. Gegen den mittlerweile in ganz Deutschland verbreiteten Schädling hilft am besten die Beseitigung des Kastanienlaubes im Herbst.


Die Kastanie ist als Alleebaum in unseren Städten ebenso beliebt wie als Schattenspender in Biergärten oder Parkanlagen. Seit einigen Jahren breitet sich die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella), ein winziger Schmetterling, von Süden her in Deutschland aus. Die Larven des Falters minieren in den Blättern, die in Folge verbräunen und bei starkem Befall ganz verdorren. Der Laubfall beginnt dann schon im August.

Auf einer Fachtagung am 24./ 25. Juni 2003 an der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) in Braunschweig haben Experten über mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Kastanien-Miniermotte beraten.


Da eine chemische Bekämpfung in der Regel nicht in Frage kommt, biologische Verfahren derzeit auch nicht zur Verfügung stehen, bleibt als einzige wirksame Methode die möglichst vollständige Entfernung und Vernichtung des Falllaubes. Auf diese Weise kann die Population gesenkt werden. Man sollte dabei darauf achten, dass kein Laub unter Büschen oder Hecken verbleibt, da bereits wenige Blätter für einen erneuten Befall ausreichen. Ein Tipp für Privatpersonen: Sie können das Laub durchaus kompostieren, sofern Sie sicherstellen, dass es in Ihrem Komposter bis zum nächsten Sommer von einer rund 15 cm dicken Schicht unbefallenem Laub, Grasschnitt oder Ähnlichem bedeckt ist. Die Hoffnung der Experten geht dahin, dass sich im Laufe der Jahre heimische Gegenspieler, zum Beispiel parasitische Insekten, auf den Neueinwanderer einstellen und zur Regulierung der Population beitragen. Interessante Versuche werden auch mit Lockstoffen (Pheromone, Kairomone) durchgeführt, bisher zeichnen sich aber noch keine praxistauglichen Verfahren (z.B. Massenfang mit Lockstoff-Fallen) ab.

Zur Geschichte und Verbreitung: 1984 wurde der Kleinschmetterling zum ersten Mal in der Nähe des Ohrid-Sees in Mazedonien entdeckt (daher der Artname ohridella). Seitdem konnte sich der Schädling in weiten Teilen Mitteleuropas etablieren. Deutschland ist bis hoch nach Schleswig-Holstein besiedelt. Aktuell breitet er sich in Frankreich und sogar in England aus. Eine Ausbreitung bis Skandinavien erscheint möglich. Die Kastanien-Miniermotte befällt im Wesentlichen die weißblühende Rosskastanie. Die nah verwandte rotblühende Kastanie ist deutlich weniger anfällig. Auch an Ahorn wurde die Miniermotte schon beobachtet, allerdings nur in unmittelbarer Nachbarschaft von stark befallenen Kastanien.

Im Rahmen des EU-Projekts "CONTROCAM", das eine Arbeitsgruppe an der TU München koordiniert, wird an einer dauerhaften biologischen Kontrolle des Schädlings geforscht. Nähere Informationen sind im Internet unter der Adresse www.cameraria.de zu erhalten.

Ein Artikel im ForschungsReport 2/2001 stellt die Rosskastanien-Miniermotte vor und zeigt typische Schadbilder. Darüber hinaus hat die BBA mit Unterstützung der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter beim Deutschen Städtetag (GALK) und der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. ein bebildertes Faltblatt herausgegeben, das die Symptome zeigt und helfen kann, einen Befall zu erkennen. Das Faltblatt sowie der ForschungsReport können gegen Einsendung von Rückporto (Flatblatt: 0,55 €; ForschungsReport 0,77 €) bei der Pressestelle der BBA, Messeweg 11/12, 38104 Braunschweig bestellt werden.

Dr. Michael Welling | BMVEL
Weitere Informationen:
http://www.bmvel-forschung.de
http://basis.zadi.de/FORSCHUNGSREPORTRESSORT/DDD/T1_01_1328.pdf
http://www.bba.de/veroeff/popwiss/miniermotte.pdf

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