Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung auf dem Prüfstand

23.06.2003


Marode Netze verschlingen Milliarden / Fraunhofer-ISI schlägt zwei leistungsfähige Alternativen vor / Planung für die nächsten 100 Jahre



Alternativen der Kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung AKWA2100


Deutschlands Abwasserkanäle sind in einem miserablen Zustand. Für Betrieb, Instandhaltung und Neubau müssen in den nächsten 15 Jahren jährlich cirka zwölf Milliarden Euro aufgebracht werden. Im Auftrag der WestLB-Stiftung Zukunft NRW sucht das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, zusammen mit Partnern aus Kommunen, Wasserverbänden, Unternehmen und Forschungseinrichtungen nach Alternativen der kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Die Wasserinfrastruktur in Deutschland wurde nicht als Gesamtsystem geplant, sondern ist in über 100 Jahren gewachsen. Entsprechend schlecht ist der Zustand der Abwasserkanäle in zahlreichen Kommunen. "Wenn die Kosten für Reparaturen und Sanierung zunehmen, sollte man wie bei einem alten Auto darüber nachdenken, ob man weiterhin in das alte System investiert oder ob ein neues langfristig nicht sinnvoller wäre", empfiehlt Dr. Harald Hiessl, Projektleiter am Fraunhofer-ISI. "Wir tun immer noch so, als käme bei uns das Wasser einfach aus dem Wasserhahn. Und danach verschwindet es im Abfluss, nach dem Motto `aus den Augen, aus dem Sinn´."


Der tägliche Wasserbedarf eines Bundesbürgers beträgt derzeit rund 128 Liter. Davon benötigt er nur etwa zwei bis drei Liter zum Trinken und zur Nahrungszubereitung. Der eigentlich positive rückläufige Wasserverbrauch der Haushalte durch sparsamen Umgang mit Wasser hat vielerorts dazu geführt, dass die im Abwasser enthaltenen Feststoffe nicht mehr bis zur Kläranlage geschwemmt werden, sondern sich im Kanalnetz ablagern und zu Betriebsstörungen führen.

Im Projekt AKWA 2100 untersuchten das Fraunhofer-ISI und seine Partner alternative Wasserinfrastruktursysteme am Beispiel der nordrhein-westfälischen Kommunen Dortmund-Asseln und Selm-Bork. Dortmund-Asseln steht für eine dicht bebaute, innerstädtische Lage, Selm-Bork für eine ländliche Siedlungsstruktur mit einem dichten Ortskern. Für jede Kommune entwickelten die Forscher zwei langfristige Szenarien, welche sie mit einem Szenario Weiter so! verglichen, das einer Fortschreibung der heutigen zentralen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung entspricht.

- Im ersten Alternativ-Szenario, Kommunaler Wasserkreislauf genannt, wird den Haushalten und dem Gewerbe über ein separates Brauchwassernetz aufbereitetes Abwasser zur Verfügung gestellt. Das Brauchwasser eignet sich zum Wäschewaschen, zum Bewässern von Gärten, zum Spülen von Toiletten oder Kanälen sowie als Kühlwasser für Industrie und Gewerbe.

- Im zweiten Szenario mit dem Namen Kleinräumige Stoffkreisläufe ver-zichten die Wissenschaftler weit gehend auf die kostenintensiven Netze. Das Trinkwasser wird dezentral aus Regenwasser aufbereitet und das Abwasser nach einer ebenfalls dezentralen Aufbereitung wieder verwendet.

Das Konzept Kleinräumige Stoffkreisläufe erwies sich als das Nachhaltigste, ist aber im Vergleich zum Szenario Weiter so! 5 bis 15 Prozent teurer. Auch das Szenario Kommunale Wasserkreisläufe schneidet ökologisch besser ab als das Szenario Weiter so!, liegt aber unter reinen Kostenaspekten um etwa 20 Prozent höher.

Projektleiter Hiessl bevorzugt trotz der geringfügig höheren Kosten das Konzept Kleinräumige Stoffkreisläufe. Ausschlaggebend für ihn ist neben den Nachhaltigkeitsvorteilen die Exportierbarkeit: "Unsere derzeitige Wasserinfrastruktur ist wegen ihres hohen Wasserbedarfs kaum für den Export geeignet. Wenn die deutsche Wasserwirtschaft international Anschluss halten will, muss sie ökologisch durchdachte und leistungsfähige Konzepte entwickeln und im eigenen Land unter Beweis stellen", fordert Hiessl.

Die detaillierte Beschreibung und Bewertung der Szenarien ist in dem Buch "Alternativen der kommunalen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung: AKWA 2100" zusammengefasst. Es ist im Heidelberger Physica-Verlag als Band 53 der Schriftenreihe "Technik, Wirtschaft und Politik" des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erschienen.

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.


Für Fragen zur Studie:
Dr. Harald Hiessl
Telefon: (0721) 6809 115
E-Mail: h.hiessl@isi.fraunhofer.de

Bernd Müller | Fraunhofer-ISI
Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/2003de/pri10/pri10.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index
21.08.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie