Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abwasser in Badequalität

07.05.2003


Ein Team der Fachhochschule Gießen-Friedberg betreibt gemeinsam mit der Firma Weise Water Systems eine Bio-Membran-Kläranlage, die Abwasser in Badegewässerqualität produziert.


Ulrich Weise, Geschäftsführender Gesellschafter des beteiligten Unternehmens, erläutert den Diplomandinnen aus El Salvador Astrid Umana und Marta Escoto sowie Projektingenieur Harald Happel und Prof. Dr. Markus Röhricht ein Membranmodul



In konventionellen Kläranlagen werden Schadstoffe durch die mechanisch-biologische Reinigung weitgehend entfernt. Krankheitserreger, Bakterien und Parasiten können das Werk jedoch passieren und gelangen somit in den Vorfluter (Fluß oder See). Unterhalb des Ablaufs kann deshalb in einem Gewässer aus hygienischen Gründen nicht gebadet werden. Anders sieht dies bei einer Bio-Membran-Kläranlage aus. Die von der Firma Weise (Langgöns-Oberkleen) entwickelten und produzierten Platten-Membranfilter vom Typ "MicroClear" halten Bakterien sicher zurück. Die Porenweite der verwendeten Membranfilter ist mit ca. 0,05 Mikrometer (µm) deutlich geringer als die Größe von Bakterien (ca. 1-2 µm). Der Ablauf aus einer solchen Anlage ist deshalb für Badezwecke hygienisch unbedenklich.



Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes optimieren Prof. Dr. Markus Röhricht und Harald Happel als Projektingenieur zusammen mit Unternehmer Ulrich Weise die Membranfilter in der Versuchsanlage. Sie besteht aus einem sieben Kubikmeter großen Tank, in dem mechanisch vorgeklärtes Abwasser des Klärwerks Gießen eingeleitet wird. Wie auf einer konventionellen Anlage bauen hier Mikroorganismen die Schadstoffe ab. Die Trennung des gereinigten Abwassers erfolgt bei herkömmlicher Methode im Nachklärbecken durch Sedimentation. Bei der Bio-Membran-Anlage werden die Mikroorganismen jedoch durch eine Membran zurückgehalten. Sie gewährleistet im Gegensatz zum Nachklärbecken einen fast vollständigen Rückhalt von Bakterien. Die Membranfilter sind im Tank eingetaucht, und das biologisch gereinigte Abwasser wird per Unterdruck durch die Membran gesaugt.

Ein Verstopfen der Membranporen, das Hauptproblem bei diesem Verfahren, wird vor allem durch Belüften der Membranmodule verhindert. Aufsteigende Luftblasen reißen an der Membran haftende Schmutzstoffe mit. Zusätzlich erfolgt in bestimmten Zeitabständen eine kurze Pause, in der teilweise Wasser rückwärts durch das Membranmodul fließt und so Partikel von der Membranoberfläche entfernt werden.

Noch sind die Investitionskosten und der Energieverbrauch einer Bio-Membran-Anlage etwas höher als bei der konventionellen Klärung. Die Firma Weise Water Systems versucht deshalb durch Automatisierung und neue Fertigungstechnologien die Kosten der Membranfilter weiter zu senken. Die Forscher vom Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie der FH Gießen-Friedberg konzentrieren sich auf die Betriebsoptimierung und Senkung des Energieverbrauchs.

Fachleute sehen im Bio-Membran-Verfahren ein großes Zukunftspotential, da ein derartig gereinigtes Abwasser sehr gut für die Bewässerung oder als Brauchwasser (z.B. Toilettenspülung) wiederverwendet werden kann. Ein solches Abwasserrecycling ist insbesondere in trockenen Gebieten sinnvoll. In Zukunft ist auch die Erweiterung bestehender Kläranlagen durch eine Membranstufe denkbar.

Ansprechpartner:

Ulrich Weise
Weise Water Systems
Steinbruchstraße 6b
35428 Langgöns
Tel. 06447 - 886555

Erhard Jakobs | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-giessen.de

Weitere Berichte zu: Abwasser Bakterien Membran Membranfilter Water

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Das Schweigen der Hummeln
15.11.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Nachhaltige Wasseraufbereitung löst Algenprobleme
26.10.2017 | SCHOTT AG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte