Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Universität Hannover forscht nach Hochwasserursachen

25.04.2003


Internationale Forschungskooperation mit dem amerikanischen Geologen Prof. Nicholas Pinter am Institut für Bodenkunde
Von "Jahrhundertflut" war die Rede, als Elbe, Müglitz und Mulde im vergangenen Jahr über die Ufer traten und Milliardenschäden verursachten. Klimaänderungen, Flussbegradigungen oder Versiegelung der Landschaft standen als Ursachen im Vordergrund der Berichterstattung. Das Institut für Bodenkunde an der Universität Hannover erforscht ein anderes, bislang wenig beachtetes Umweltproblem: die Folgen der intensivierten Landwirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges.



Die Forschergruppe um Prof. Rienk van der Ploeg, Dr. Peter Schweigert und den amerikanischen Hochwasserexperten Prof. Nicholas Pinter von der Southern Illinois University in Carbondale beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie gut unsere Äcker noch als Wasserspeicher taugen. "Rübenrodemaschinen mit dem Gewicht eines Kampfpanzers führen zu erheblichen Schäden durch Verdichtung", so die Geowissenschaftler. Die Auswertung von Agrarstatistiken zeigt zudem, dass seit den 50er Jahren die Dränung und intensive Bearbeitung der Böden massiv zugenommen hat. Die Folgen: Die Gefügestabilität der Böden ist stark vermindert; bei Stark- oder Dauerregen verschlämmen, versiegeln und verkrusten sie schneller als früher. Statt zu versickern, sucht sich das Wasser den Weg in die Flüsse.

Abhilfe könnte das in den USA entwickelte sogenannte Mulchsaatverfahren schaffen, das die Forscher vom Institut für Bodenkunde empfehlen. Ernterückstände wie Getreidestroh werden nach der Ernte nicht mehr untergepflügt, sonder nur flach oder überhaupt nicht eingearbeitet. Diese Art der Bodenbearbeitung lockert zusammen mit den Ernterückständen die Struktur der Äcker, vermindert den Oberflächenabfluss des Wassers und spart Treibstoff. Da in Deutschland für landwirtschaftlich genutzten Treibstoff keine Mineralölsteuer gezahlt wird und so Sparanreize wegfallen, befürworten die Geowissenschaftler auch hier ein Umdenken in der Agrarpolitik: zum Beispiel durch ein angemessenes Subventions- und Steuersystem, das mehr Geld für eine umweltgerechte Landwirtschaft zur Verfügung stellt.
Außerdem sollte nach Ansicht der Forschergruppe das Gewicht von Landmaschinen deutlich begrenzt werden.

Als besonders fruchtbar beurteilt das Institut für Bodenkunde die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Kollegen. "Prof. Pinter hat unter anderem beim Mississippi-Hochwasser 1993 Ursachen erforscht und Lösungsmöglichkeiten entwickelt. Er empfiehlt einen Rückbau der Buhnen, die die Befahrbarkeit des Flusses verbessern sollen, aber die Hochwassergefahr erhöhen", so Dr. Peter Schweigert, "Umweltprobleme dieser Art können auf lange Sicht nur durch internationale Kooperationen erkannt und global gelöst werden."

Das Institut für Bodenkunde untersucht seit Jahren die landnutzungsbedingten Hochwasserursachen besonders an Rhein und Elbe, aber auch an Leine und Neiße.

Dr. Stefanie Beier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Berichte zu: Bodenkunde Hochwasserursachen Äcker

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE