Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Sicherheit für Atommüllendlager

04.03.2003


Wissenschaftler der Universität Hannover verbessern Multibarrierenkonzept für die Endlagerung radioaktiver Abfälle

Es gibt wohl kaum ein Thema, dass so kontrovers und emotional diskutiert wird wie die Kernenergie. Befürworter loben sie als Energielieferant ohne CO2-Emissionen, Gegner warnen vor unkalkulierbaren Sicherheitsrisiken und dem noch immer nicht vollständig gelösten Problem der Endlagerung der radioaktiven Abfälle. Zum einen ist noch kein Standort gefunden - das Umweltministerium hat die Erkundung der Salzstöcke in Gorleben eingestellt und will anhand von Kriterien, die der unabhängige Arbeitskreis Endlager aufgestellt hat, eine neue Standortsuche beginnen. Zum zweiten gibt es technische Probleme: Wie können radioaktive Abfälle in einem Endlager so gesichert werden, dass auch bei langer Zerfallsdauer Mensch und Umwelt nicht gefährdet werden?

Das Zentrum für Strahlenschutz und Radioökologie (ZSR) der Universität Hannover hat eine Methode entwickelt, mit der das so genannte Multibarrierenkonzept für Atommüll sicherer gemacht werden kann. "Die hochradioaktiven Abfälle sollen nach diesem Konzept durch unterschiedliche Barrieren gesichert werden", erläutert Dr. Beate Riebe, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZSR. So wird das strahlende Material zunächst in Glas eingeschmolzen, in einen Metallbehälter verpackt (technische Barrieren) und mit Ton ummantelt (geotechnische Barriere). Als letzte geologische Barriere dient dann das Wirtsgestein, in dem der Abfall eingelagert wird. Das ZSR arbeitet daran, den Tonmantel zu verbessern. "Denn sollten die Behälter undicht werden, soll der Ton die radioaktiven Substanzen zurückhalten oder ihre Ausbreitung stark verzögern", erklärt Dr. Riebe. Dabei ist es den Forschern gelungen, eines der Hauptprobleme des Tonmantels zu lösen: Unbehandelter Ton ist zwar eine gute Barriere für die positiv geladenen Kationen im Abfall, nicht aber für negativ geladene Anionen, wie einige langlebige Isotope von Jod, Selen oder Technetium. "Dabei hat Iod-129 beispielsweise eine Halbwertszeit von 15,7 Millionen Jahren, das heißt nach dieser Zeit ist noch die Hälfte der ursprünglichen Menge vorhanden", betont Dr. Riebe. Im ZSR haben die Wissenschaftler nun anorganische Kationen aus dem Ton entfernt und stattdessen bestimmte organische Kationen hinzugefügt. "Der Ton kann dann beide Ionenarten, Kationen und Anionen festhalten."

Der so veränderte Ton wird derzeit daraufhin geprüft, ob er diese Fähigkeiten auch unter Endlagerbedingungen erfüllt - neben den erhöhten Temperaturen und der Strahlung muss er beispielsweise auch Wasser- bzw. Laugeneinbrüche aushalten können.

Karin Oppermann | Universität Hannover

Weitere Berichte zu: Abfall Barriere Kationen ZSR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie