Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zurück in die Schlange: Firma unterzieht Einkaufswagen einer Runderneuerung

07.02.2003


Metallveredelungswerke Sulz (Baden-Württemberg) wollen ausgemusterte Einkaufswagen umweltschonend recyceln – DBU-Förderung 75.000 Euro


Drahtkorb des Einkaufswagens nach dem Recyclingprozess mit neuer Zink- und Lackschicht.



20 Millionen Einkaufswagen werden zurzeit durch deutsche Supermärkte geschoben. Ihre verzinkten Oberflächen sind dabei tagtäglich großen Belastungen ausgesetzt, so dass die maximale Lebensdauer eines Einkaufswagens zehn Jahre beträgt. „Jährlich werden mindestens zwei Millionen Wagen ausgemustert und durch fabrikneue Exemplare ersetzt. Dies bedeutet jährlich 25.000 Tonnen Stahlschrott und 200 Tonnen Zink, die entsorgt werden müssen“, erläuterte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Die herkömmliche Verschrottung und Einschmelzung sei energieaufwändig und durch die als Rostschutz aufgetragenen teilweise Chrom6-haltigen Beschichtungen zudem gesundheitsgefährdend. Im neuen Verfahren der Metallveredelungswerke Sulz (Baden-Württemberg) werde nur Chrom3 in Verbindung mit einem unbedenklichen Schutzlack verwendet – ein Detail, das durch das bevorstehende Verbot der Chrom6-Beschichtungen an Bedeutung gewinne. Später solle auf chromhaltige Schutzschichten ganz verzichtet und ein völlig unbedenklicher Schutzlack verwendet werden. Auch wirtschaftlich lohne sich die Runderneuerung: „Ein recycelter Einkaufswagen soll nicht mehr als 50 Prozent eines neuen kosten“, so Brickwedde.



Das Verfahren des Recyclings

Die Idee der Metallveredelungswerke Sulz: Nach der Entfernung der Plastikgriffe und Räder setze man die Stahlkörbe in einem elektrochemischen Tauchbad zunächst unter Strom. In diesem ersten Schritt des innovativen Verfahrens funktioniere der Einkaufswagen als Pluspol (Anode), das Zink löse sich in einer alkalischen (laugehaltigen) Lösung (Elektrolyt) ohne Rückstände vom Stahl. Die Oberfläche würde nach einer Spülung im selben Bad erneut unter Strom gesetzt. Hier sei der gereinigte Stahlkorb der Minuspol (Kathode). Das in der Lösung befindliche Zink lagere sich in einer nun geschlossenen Schicht erneut am Metallkorb an. Danach werde in einem herkömmlichen Verfahren mittels eines sauren Zinkelektrolyten eine dünne Zinkschicht aufgebracht, die optisch einer neuen Beschichtung entspricht. Der runderneuerte Einkaufswagen werde anschließend mit einer noch zu entwickelnden Lack- oder Kunststoffschicht überzogen, die die bisher angewandten Chrombeschichtungen ersetze. So sei der Wagen auf umweltfreundliche Weise vor Rost geschützt.

Vermeidung giftiger Abwässer

Die Umweltentlastung liege neben einer fast 100-prozentigen Kreislaufführung der Verzinkung und dem Ersetzen gesundheitsgefährdender Beschichtungen vor allem in der Vermeidung giftiger Abfallschlämme und Abwässer, die beim herkömmlichen Verfahren in großer Menge anfallen. Für die Vermarktung der Entwicklungsergebnisse habe man mit der wega Vertriebsgesellschaft aus Villingen-Schwenningen einen kompetenten Partner mit direktem Zugang zum Zielmarkt gewonnen.

Versuche und Analysen

Was einfach klingt, muss in der Praxis noch durch diverse Versuche entwickelt werden. Vor allem die Abstimmung der einzelnen Verfahrensschritte bedarf einer genauen Analyse. „Diese Art der Umkehrelektrolyse ist für ein solches Produktverfahren bisher noch nicht getestet worden, das wirtschaftliche Risiko liegt daher auf Seiten des Unternehmens. Die Metallveredelungswerke Sulz zeigen hier, dass der Pioniergeist für den Umweltschutz im Mittelstand ungebrochen ist“, hob Brickwedde hervor.

Nicole Frommeyer | DBU

Weitere Berichte zu: Beschichtung Einkaufswagen Runderneuerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Tausende Holztäfelchen simulieren Plastikmüll
23.02.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

nachricht Mehr wärmeliebende Tiere und Pflanzen durch Klimawandel
20.02.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie