Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaschutz: Im Reich der Mitte tickt eine Zeitbombe

04.02.2003


Chinas wirtschaftliche Aufholjagd könnte fatale Folgen für das Weltklima haben: Wird der steigende Energiebedarf weiterhin in erster Linie mit Steinkohle gedeckt, droht der global klimawirksame CO2-Ausstoß in die Höhe zu schnellen. Nationale und internationale Entscheidungsträger sind gefordert.



China ist ein Land der Superlative, nicht nur hinsichtlich Bevölkerung und Fläche, sondern auch was die wirtschaftliche Dynamik und den Energieverbrauch betrifft. Weltweit liegt China bei der Energienachfrage auf Platz zwei hinter den USA. Der Primärenergieverbrauch hat sich von 1980 bis 2002 verdoppelt und wird weiter zunehmen. Der wichtigste Energieträger ist Steinkohle - deren Verwertung unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes besonders problematisch ist. Für den globalen Klimaschutz wirft der hohe Energieverbrauch gewaltige Probleme auf: Allein im Jahr 2000 wurden in China 3 Mrd. t des Treibhausgases CO2 emittiert, bis 2020 könnte der Ausstoß auf 5,5 Mrd. t steigen.



Ökosteuer für China?

Dabei hat wirtschaftliches Wachstum für das Entwicklungsland China wesentlich höhere Priorität als der Umweltschutz. Auch nach der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls im Jahr 2002 wird China in absehbarer Zeit international wohl keine Verpflichtungen zur Emissionsreduktion eingehen. National werden jedoch verschiedene Instrumente diskutiert; der letzte Fünfjahresplan (2001 bis 2005) nennt die Einführung von Umweltabgaben. Um Wachstumsziele und Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden, dürften entsprechende Abgaben allerdings relativ moderat ausfallen - und damit kaum Verbesserungen für den Klimaschutz bringen, Nach einer Modellrechnung des RWI könnte eine Steuer, die den Kohlepreis jährlich um 2,5 Prozent erhöht, die CO2-Emissionen Chinas bis zum Jahr 2020 gerade einmal um etwa 4 Prozent (240 Mill. t) reduzieren. Der im Gegensatz zum CO2 vor allem regional bedeutsame SO2-Ausstoß (Schwefeldioxid) ginge ebenfalls um rund 4 Prozent (1,9 Mill. t) zurück. Im Vergleich zum gesamten Emissionsvolumen wäre das ein recht bescheidener Beitrag zum Klimaschutz.

Kyoto könnte auch in Ländern wirken, die keine konkreten Verpflichtungen eingegangen sind

Zusätzliche Potenziale könnten durch die direkte Förderung alternativer Energien wie Wind-, Solarenergie oder Wasserkraft erschlossen werden. Ihr Einsatz würde den hohen spezifischen Energieverbrauch der chinesischen Wirtschaft senken. Während in Deutschland etwa 170 kg Steinkohleeinheiten (SKE) je 1000 $ des BIP anfallen und in den USA 350 kg SKE, liegt der Wert in der VR China derzeit bei 1240 kg SKE. Allerdings ist kaum damit zu rechnen, dass die chinesische Wirtschaft selbst die entsprechenden Investitionen vornehmen wird. Einen Ausweg bietet der auf der dritten Vertragsstaatenkonferenz zur Klimarahmenkonvention in Kyoto 1997 beschlossene, aber noch nicht umgesetzte Clean Development Mechanism. Danach können Industriestaaten ihren eingegangenen Klimaschutz-Ver­pflichtungen seit Ende 2000 nicht nur durch Emissionsreduktion im eigenen Land nachkommen, sondern auch, indem sie Projekte in Entwicklungsländern fördern. So kann der Klimaschutz auch in Staaten vorangetrieben werden, die bisher nicht in internationale Klimaschutzvereinbarungen eingebunden sind.

Wichtig ist, in China das Interesse an einer internationalen Kooperation im Klimaschutz weiter zu erhöhen. Dabei könnte Deutschland nicht nur durch technische Ausrüstung und Know-how helfen. Auch im Rahmen der bereits bestehenden technischen Zusammenarbeit werden der chinesischen Regierung und Industrie die Mechanismen der internationalen Klimapolitik näher gebracht. So kann Deutschland dazu beitragen, noch bestehende institutionelle Barrieren abzubauen. Wie weit der Clean Development Mechanism in China tatsächlich umgesetzt wird, muss allerdings noch überprüft werden.

Joachim Schmidt | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise