Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zwischen Aufregung und Gelassenheit

15.01.2003


Gentechnisch veränderter Raps kann in begrenztem Umfang auf benachbarte Felder und auf verwandte Wildpflanzen auskreuzen. Damit bestätigt ein kürzlich veröffentlichter englischer Bericht ähnliche Ergebnisse anderer Studien.


Enge Nachbarschaft. Liegen Felder mit GVO- und konventionellem Raps unmittelbar nebeneinander, ist mit gegenseitigen Auskreuzungen zu rechnen.


Ausfallraps. In einem Weizenfeld stehen Rapspflanzen. Rapssamen aus dem Vorjahr haben im Boden überdauert.



Ausgewertet wurden Freisetzungsversuche mit verschiedenen gentechnisch veränderten Rapspflanzen in England zwischen 1994 und 2000.

Der neue, gegen Ende 2002 veröffentlichte Bericht präsentiert die Ergebnisse einer sechs Jahre andauernden Untersuchung des National Institute of Agricultural Botany (NIAB) in Cambridge über das Auskreuzungsverhalten verschiedener GVO- Rapspflanzen. Einbezogen war Raps mit gentechnisch vermittelter Herbizidtoleranz und veränderter Fettsäurezusammensetzung (High Laurat- Raps) sowie männlich steriler Raps. Über sechs Jahre wurde bei Feldversuchen an mehreren Standorten gemessen, wie weit sich die Gene von GVO-Raps in benachbarte konventionelle Felder ausbreiten, ob die neuen Gene auf Wildpflanzen übertragen werden können und ob sich die Fitness und damit das Durchsetzungsvermögen der GVO-Pflanzen im Vergleich zu den konventionellen Pflanzen verändert hat.

Nachbarfelder. Die Auswertung der Versuche zeigte, dass bei einem großflächigen Anbau von GVO-Raps mit einer Einkreuzung in benachbarte konventionelle Felder zu rechnen ist. Zwar sank die Einkreuzungsrate mit der Entfernung deutlich, doch vereinzelt konnte GVO-Raps selbst in einem 200 Meter entfernten konventionellen Rapsfeld nachgewiesen werden. Der GVO-Anteil betrug dort über 0,5 Prozent. In der Regel lag die Einkreuzungsrate mit ca. 0,1 Prozent bei einem Abstand von 70 Metern deutlich darunter.

Fitness. Die Studie fand keine Hinweise, dass sich GVO-Raps in der Umwelt besser durchsetzen kann als herkömmliche Raps-Pflanzen. Das neu eingeführte Gen verbessert nicht die Unkrauteigenschaften der Pflanzen, die es besitzen oder über eine Auskreuzung erhalten haben. Dafür spricht auch, dass keine wild lebenden GVO-Rapspflanzen gefunden wurden, die mehr als ein Jahr überlebt hatten. In dieser Hinsicht gab es keine Unterschiede zwischen dem Herbizidresistenz-Gen und dem Gen, das die veränderte Fettsäurezusammensetzung vermittelt.

Reaktionen: Von "erwartet" bis "Beweis für Verunreinigung" Die Ergebnisse des NIAB-Reports wurden in der britischen Öffentlichkeit sehr unterschiedlich bewertet. Angesichts der von ihnen gemessenen Auskreuzungsraten raten die Autoren, die bei Anbau und Saatguterzeugung üblichen Isolationsabstände zu vergrößern. Damit könnten die gesetzlichen Vorschriften für Schwellenwerte von GVO-Beimischungen in konventionellen Produkten eingehalten werden.

Nicht überrascht zeigte sich die für transgene Pflanzen zuständige britische Genehmigungsbehörde. Die Ergebnisse des Reports bewegten sich "innerhalb der Erwartungen". Bei der Risikobewertung ginge man ohnehin von einer bestimmten Auskreuzungsrate aus. Allein die Tatsache, dass es zu Auskreuzungen kommt, bedeute nicht automatisch eine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Dagegen forderte der Umweltverband Friends of the Earth mehr Sicherheitsforschung und vorerst den Verzicht auf den kommerziellen Anbau von GVO-Pflanzen in Großbritannien. Es bestehen weiterhin große Wissenslücken über Auskreuzung, so der Verband. Die Studie belege erneut die Schwierigkeiten einer Koexistenz der verschiedenen Anbausysteme. Bei einem kommerziellen Anbau von GVO-Pflanzen sei eine "Verunreinigung" unvermeidlich. Dieses könne besonders den Ökoanbau massiv gefährden.

pressestelle | biosicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de

Weitere Berichte zu: Anbau Auskreuzung GVO-Pflanzen GVO-Raps Gen Rap

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Die Zerschneidung der Tropenwälder steigert den Ausstoß von Treibhausgasen um weiteres Drittel
30.03.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen