Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bremsen ist umweltschädigend

11.12.2002


Schwermetallverbindungen aus Bremsabrieb im Schwebstaub nachgewiesen



Die häufig zu lesende Parole: "Bremsen für die Umwelt" scheint sich nun sogar in doppelter Hinsicht als irreführend zu erweisen. Schon immer hätte es präziser heißen müssen: "Verzicht auf unnötige Beschleunigung für die Umwelt", weil nur das Benzin spart und Abgase vermindert. Nach Erkenntnissen von Gerd Weckwerth vom Institut für Mineralogie und Geochemie der Universität zu Köln kommt das Abbremsen von Kraftfahrzeugen jetzt sogar unmittelbar in den Verruf umweltschädigend zu sein. Demnach verbleibt gesundheitsschädlicher, zu Teilen sogar krebserregender Brems-abrieb weit länger als bisher gedacht als Schwebstaub in der Luft und wird dadurch auch entfernt von Verkehrswegen noch eingeatmet oder über Nahrungsmittel aufgenommen.

... mehr zu:
»Antimon »Bremsabrieb »Bremse »Schwebstaub


Nach Auffassung von Dr. Weckwerth ist für diese traurige Erkenntnis in unterschiedlicher Weise das dem Arsen verwandte Schwermetall Antimon verantwortlich. So ist der Nachweis von Bremsabrieb nur deswegen so gut möglich, weil das in der Mehrzahl aller Bremsen als Festschmierstoff zwischen 1 bis 5 Prozent eingesetzte Antimon auf der Erdoberfläche sonst äußerst selten ist. Das erlaubt es, dass bereits Promille-Anteile an Bremsabrieb im grobkörnigen Schwebstaub dazu führen, dass Antimon darin stärker als alle anderen Schwermetalle angereichert wird und sich diese Herkunft über Bremsbelag-typische mittlere Konzentrationsverhältnisse nachweisen läßt.

Mehrtägige Messungen des Instituts an zwölf verschiedenen Meßstationen in Köln und Umgebung zeigen nach Aussage Dr. Weckwerths auch abseits von Verkehrswegen unerwartet hohe und unverwechselbare Anteile von Bremsabrieb. Dieser verteilen sich demnach vor allem bei trockenem Wetter über den gesamten Kölner Ballungsraum. Obwohl seit Nutzung in Bremsen die Antimon-Gehalte im städtischen Schwebstaub meist höher lägen, als die des toxisch ähnlich zu bewertenden Arsen, fände Antimon bei Umweltkontrollen wegen seiner geringeren natürlichen Häufigkeit weit weniger Beachtung und fehlten entsprechend kontrollierte Grenzwerte. Hinzu kommt, dass ein größerer Teil des in Bremsbelägen verwendeten Antimontrisulfids beim Bremsen vor der Emission noch in das als krebserregend eingestufte Antimontrioxid umgewandelt wird. Auch hierzu fehlten bisher genauere Untersuchungen, speziell über denkbare Vermeidungsstrategien.

Da das Bremsen zunächst ganz unmittelbar lebenswichtig sein kann, genügt es nicht, nur auf eine der selteneren Antimon-freien Bremsen umzusteigen, wie das Magazin Ökotest Anfang des Jahres vorgeschlagen hatte. Die meisten dieser Bremsen weisen nach Aussage von Fachleuten technische Nachteile und Risiken auf (wie z.B. höhere Neigung zum Quietschen oder Überhitzen) und die Umwelteignung der statt dessen als Festschmierstoffe eingesetzten Materialien seien meist noch weniger bekannt. Nur mit einer gemeinsamen Optimierung technisch, wirtschaftlicher und ökologischer Faktoren können solche Antimon-Emissionen so schnell und effektiv wie möglich vermieden werden. Für ein genau auf dieses Ziel ausgerichteten gemeinsamen Forschungsprojekts habe Dr. Weckwerths zwar den größten deutschen Bremsbelaghersteller gewinnen können, doch fehle es nach Dr. Weckwerths Angaben bisher an öffentlichem Interesse, da der hier dringend notwendige Forschungsbedarf noch zu wenig bekannt sei.

Rückfragen steht Ihnen Dr. Gerd Weckwerth unter den Telefonnummern 0221/470-6112, 0221/470-3241, 0221/470-5616, der Faxnummer 0221/470-5199 und der E-Mail-Adresse weckwerth@min.uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html

Weitere Berichte zu: Antimon Bremsabrieb Bremse Schwebstaub

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise