Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökologische Evaluierung der Bioabfallverwertung

03.12.2002


Im Rahmen einer Tagung bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurden die Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Bioabfallverwertung vorgestellt. Präsentiert wurden die Ergebnisse zur vergleichenden Bewertung der unterschiedlichen Verwertungsansätze für die Bandbreite an Bioabfällen aus ökologischer Sicht.



Ende November 2002 präsentierten Mitarbeiter des ifeu-Institutes Heidelberg Ergebnisse eines Forschungsprojektes über die umweltverträgliche Verwertung von Bioabfällen im Rahmen einer eintägigen Tagung im Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Die Forschungsergebnisse sind auch im Rahmen der Publikationsreihe der DBU "Initiativen zum Umweltschutz" als Band 52 (ISBN 3-503-07047-8) erschienen.



Gemäß den Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes stellt sich für jeden Abfallbesitzer und -erzeuger die Frage, welche der zahlreichen Entsorgungsoptionen für die Vielzahl an Bioabfällen sich als die besser umweltverträgliche Lösung darstellt. Für eine repräsentative Auswahl aus dem gesamten Abfallspektrum wurden alle relevanten Entsorgungsalternativen auch außerhalb der klassischen Abfallwirtschaft recherchiert, bilanziert und mit Hilfe von Ökobilanzen in ihren Umweltwirkungen bewertet.

Für Bioabfälle aus Haushalten bestanden diese in allen unterschiedlichen Ansätze der Kompostierung (Frisch- und Fertigkompost in offenen oder geschlossenen Systemen), der Vergärung inklusive der Möglichkeiten der Co-Fermentation in Güllefermentern oder Faulbehältern von Kläranlagen sowie der Eigenkompostierung. Die Diskussion über die abfallwirtschaftliche und ökologische Sinnfälligkeit der Biotonne ist über all die Jahre nicht verstummt, derartige Bioabfälle lassen sich zudem zwangsläufig nicht vollständig erfassen. Der Verbleib des Bioabfalls in der Restmülltonne und die thermische Behandlung in einer modernen Müllverbrennungsanlage wurde deshalb als weitere Entsorgungsoption in die vergleichende Bewertung aufgenommen.

Für weitere Abfälle wie unbelastete Hölzer oder Abfälle aus der Lebensmittelindustrie wurden darüber hinaus Einsatzmöglichkeiten in der Landwirtschaft (Dünge- oder Futtermittel) aber auch wie im Falle des Apfeltresters die Herstellung von Pektin diskutiert. Nicht zuletzt seit der BSE-Krise müssen für tierische Fette Verwertungsansätze außerhalb der Landwirtschaft gesucht werden. Die Vergärung wurde für diese Abfälle neuen Verwertungsansätzen wie der Herstellung von Kühlschmierstoffen und Treibstoffen gegenübergestellt. Auch die Verfütterung von Speiseabfällen (mit hohem technischen und hygienischen Standard) wurde mit klassischen Entsorgungsalternativen verglichen.

Als Ergebnis zeigte sich, dass bestehende Verwertungswege außerhalb der Abfallwirtschaft auch aus ökologischer Sicht zu recht bestehen, beispielsweise bei Apfeltrester zur Pektinherstellung oder in der Verwendung als Futtermittel oder bei tierischen Fetten bei der Erzeugung von Treib- oder Kühlschmierstoffen. Die klassische Eigenverwertung dieser Stoffe durch das Ausbringen auf Flächen ist dann ökologisch vorteilhaft, wenn dieses bedarfsgerecht erfolgt und das gesamte Nutzenpotenzial der Abfälle gefragt ist (Pflanzennährstoffe und organische Masse), was gerade bei Hausgärten und der Eigenverwertung von Bioabfallkomposten nur in Ausnahmefällen möglich sein dürfte.

Die stofflichen Eigenschaften (Schadstoff- und Nährstoffgehalte) des einzelnen Abfalls bestimmen das abfallwirtschaftliche und ökologische Potenzial. Die Verwertungsverfahren, die auf diese Potenziale am Besten abgestimmt sind (Emissionsminderung und Nutzungspotenzial), haben aus ökologischer Sicht relative Vorteile. Ziel muss eine möglichst vollständige Nutzung möglichst aller Abfalleigenschaften sein.

Eine getrennte Erfassung von Bioabfällen aus Haushalten ist immer dann sinnvoll, wenn an den Verwertungsanlagen emissionsmindernde Maßnahmen (insbesondere gegenüber Ammoniak und Lachgas) ergriffen werden und die erzeugten Komposte entsprechend ihres hohen Potenzials (v.a. Fertigkompost) verwertet werden. Ist dies nicht der Fall und dominiert bei den Komposten eher der Entsorgungsgedanke, schwinden die Vorteile einer Abfallverwertung. Die Ergebnisse für eine Mitbehandlung in Müllverbrennungsanlagen zeigen, dass Anschluss- und Erfassungsquoten der Bioabfallerfassung immer im Lichte der Vermarktungsmöglichkeiten der erzeugten Komposte festgelegt werden sollten. Hochwertige Vermarktungsmöglichkeiten für Komposte sind jedoch gerade auch außerhalb der Landwirtschaft weit über das derzeitige Maß hinaus gegeben. Sie gilt es verstärkt von den Komposterzeugern aktiv zu erschließen.

Die Verbrennung von Biomasse zeigt sich dann als ökologisch sinnvoll, wenn die Abfälle einen entsprechend hohen Heizwert aufweisen und dieser nicht nur zur Erzeugung von Strom sondern auch von Wärme genutzt wird. Auch bei diesen Anlagen ist auf emissionsmindernde Maßnahmen zu achten, es treten ansonsten hohe spezifische Emissionen an Feinstäuben oder ggf. an organischen Schadstoffen auf. Ist nicht beides gegeben, schwinden die Vorteile einer energetischen gegenüber einer stofflichen Nutzung deutlich.

Eine Vergärung von Abfallstoffen kann durchaus sinnvoll sein, dies vor allem in Bioabfallvergärungsanlagen, da für die kompostierten Gärreste als Behandlungsrückstände gegenüber der Mitbehandlung in Güllefermentern oder Faulbehältern von Kläranlagen höherwertigere Verwertungsmöglichkeiten offen stehen.

Eine Verfütterung geeigneter Abfallstoffe in der Landwirtschaft erweist sich aus ökologischer Sicht als günstig, da sich damit hohe Aufwendungen im landwirtschaftlichen Futtermittelanbau substituieren lassen. Die entsprechende Verwertung von Speiseabfällen zeigt, dass dies auch einen hohen Aufwand zur Hygienisierung rechtfertigen kann.

Der Schadstoffeintrag in Böden ist ein bedeutender Umwelteffekt der Nutzung von biologischen Abfallstoffen. Auf eine entsprechende Schadstoffarmut der Abfallstoffe ist deshalb zu achten. Da die auf Flächen ausgebrachte Masse sich aus den Nährstoffgehalten der Abfallstoffe ergibt, sollten Grenzwerte bezogen auf die Nährstoffgehalte d.h. als spez. Schadstoffbelastungen festgelegt werden. Dabei darf der Nutzen humusbildender Substanzen nicht vernachlässigt werden. Wie die vergleichende Bewertung der Verwertungsoptionen zeigte, ist der Aspekt Schadstoffeintrag in Böden nur ein - wenn auch relevanter - Umweltaspekt unter vielen. Über die ökologische Sinnfälligkeit von Verwertungsansätzen entscheiden andere Umweltaspekte (bspw. durch Ammoniakemissionen) mit.

Kontakt:
ifeu-Institut Heidelberg,
Florian Knappe, Regine Vogt
Wilckensstraße 3
69120 Heidelberg
florian.knappe@ifeu.de;
regine.vogt@ifeu.de
bzw. Tel. 06221 - 476726

Ellen Frings | idw

Weitere Berichte zu: Abfall Abfallstoff Bioabfallverwertung Bioabfällen Komposte Vergärung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Fernerkundung für den Naturschutz
17.08.2017 | Hochschule München

nachricht "Brauchen wir das?" Auf dem Weg zu einer umweltgerechten Bedarfsprüfung von Infrastrukturprojekten
09.08.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie