Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Weidende Hirsche statt rollender Panzer" - ForschungsReport des Instituts für Agrartechnik Bornim (ATB)

02.12.2002


Die Beweidung mit Wildtieren stellt eine interessante Möglichkeit zur Pflege von von Offenlandschaften dar. (Foto: ATB)


Truppenübungsplätze sind für den Naturschutz von außerordentlicher Bedeutung. Die offenen Flächen und zumeist nährstoffarmen Böden bilden einen idealen Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Doch diese Flächen erhalten sich nach Aufgabe der militärischen Nutzung nicht einfach von allein. Innerhalb eines Verbundprojektes hat eine Arbeitsgruppe aus dem Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) in Potsdam untersucht, welche Pflegemaßnahmen sich aus ökonomischer Sicht anbieten, um die landschaftsökologische Substanz dieser Offenlandflächen zu erhalten. In der neuen Ausgabe des ForschungsReports stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor.

... mehr zu:
»ATB »Agrartechnik »Beweidung »Bornim

Die potenziell in Frage kommende Fläche ist enorm: Rund 200.000 Hektar sind in den letzten zehn Jahren in Deutschland aus der militärischen Nutzung entlassen worden, weitere Liegenschaften stehen zur Überführung in zivile Nutzung an. Darunter befinden sich häufig Biotope, die andernorts weitgehend verschwunden sind: offene Sandflächen, Trockenrasen oder Zwergstrauchheiden. Sorgten in der Vergangenheit Kettenfahrzeuge wie Panzer und ähnliches Gerät für die Offenhaltung der Flächen, so müssen nach Abzug des Militärs andere Maßnahmen ergriffen werden, um eine Verbuschung des Geländes zu verhindern. In einem vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Projekt erarbeiten das Institut für Agrartechnik Bornim (ATB), die Universitäten Cottbus, Potsdam und Freiburg sowie das Naturkundemuseum Görlitz gemeinsam ein umfassendes Konzept zum Offenland-Management.

Die möglichen Pflegemaßnahmen sind vielfältig: Neben der maschinellen Bodenbearbeitung bietet sich auch die Beweidung mit verschiedenen Tieren an. Am verbreitetsten ist bislang die Schafbeweidung. Die laufenden Kosten sind hier allerdings relativ hoch und die Leistungen, etwa durch den Verkauf von Fleisch oder Wolle, gering. Denn aufgrund der kargen Vegetation kann meist nur mit genügsamen Extensivrassen gearbeitet werden, deren Lebendmassezunahme gering und deren Wolle von schlechter Qualität ist. Laut Berechnungen des ATB ist mit Kosten von 175-385 Euro pro Hektar zu rechnen, dem stehen nur 13-36 Euro Markteinnahmen gegenüber. Eine Schafbeweidung muss also mit relativ hohen Fördermitteln bezuschusst werden. Günstiger sieht die Beweidung mit robusten Rinderrassen oder eine weitgehend ungesteuerte Beweidung mit Wildtieren - Hirschen oder Mufflons - aus. Ziel dieses Ansatzes ist nicht das statische Konservieren eines bestimmten Zustandes, sondern die ungleichmäßige Rücknahme der Vegetationsentwicklung auf wechselnden Teilflächen, sodass Offenbiotope innerhalb der Areale an immer neuen Stellen entstehen. Ein beispielhaft untersuchtes, 164 Hektar umfassendes Wildfreigehege auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Glau (Brandenburg), das mit Rot- und Damhirschen, Mufflons und Islandpferden bewirtschaftet wird, kann unter günstigen Umständen in den nächsten Jahren sogar die Rentabilitätsschwelle erreichen. Die laufenden Kosten sollen durch Eintrittsgelder der Besucher, Spenden und künftig auch durch Einnahmen aus dem Verkauf von Wildbret gedeckt werden.


Auf Heideflächen bietet sich als Offenhaltungsmaßnahme das regelmäßige Mähen und Räumen an. Zwar sind diese Maßnahmen mit rund 300 Euro pro Hektar relativ teuer, der Verkauf des Aufwuchses kann aber die Kosten annähernd decken. Vergleichsweise preiswert ist mit 25-175 Euro/ha das Mulchen, bei dem der Aufwuchs in einem Arbeitsgang gemäht und zerkleinert wird und auf den Flächen verbleibt. Speziell für Calluna-Heiden ist das Abplaggen - also das Abtragen der obersten Rohhumus- und Wurzelschicht - eine Pflegemaßnahme, um einer Nährstoffanreicherung und Überalterung entgegenzuwirken. Die Kosten können hierfür allerdings bis zu 5.000 Euro/ha betragen.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.offenland.de.
http://www.atb-potsdam.de
http://www.bmvel-forschung.de

Weitere Berichte zu: ATB Agrartechnik Beweidung Bornim

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie