Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ForschungsReport 2/2002 der Internationalen Walfangkommission IWC

02.12.2002


Der neu erschienene ForschungsReport 2/2002 berichtet über die diesjährigen Sitzungen der Internationalen Walfangkommission IWC und über den Stand der Diskussion zwischen Walschützern und Walfangbefürwortern.


Abgetaucht: Wie es mit den Walbeständen weitergeht, hängt nicht zuletzt von den Entscheidungen der Internationalen Walfangkommission ab. (Foto: M. Welling)



Über das Wohl und Wehe der Wale wird jährlich auf den Tagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) debattiert. 49 Mitgliedsstaaten gehören der Kommission derzeit an. Dr. Karl-Hermann Kock, Meeresbiologe an der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, nahm als offizieller Delegierter Deutschlands an dem diesjährigen Meeting teil. Im jetzt erschienenen ForschungsReport 2/2002 schildert er den aktuellen Stand der Diskussion und beschreibt die IWC als Gruppierung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Club von Walfängern etablierte und im Laufe der Zeit zu einem lebhaften Diskussionsforum über das Schützen oder Schießen von Walen entwickelte.

... mehr zu:
»IWC »Wal »Walbestände »Walfangkommission


"Wale - Sanfte Riesen oder Ratten der Meere?" lautet der provozierende Titel des Beitrags von Karl-Hermann Kock. Assoziieren die meisten Menschen in Westeuropa mit dem Wal das Bild von den sanften Riesen, die die Weltmeere durchkreuzen, so werden die Großsäuger in der Walfangnation Japan gerne als Ratten der Meere bezeichnet, die den Fischern den Broterwerb streitig machen. Dementsprechend unterschiedlich waren die Denkwelten, die auf der diesjährigen Tagung der IWC im japanischen Shimonoseki aufeinanderprallten. Walschützer und Walfangbefürworter stehen sich in der Kommission mit verhärteten Fronten gegenüber und ringen in harten Verhandlungen um Mehrheiten für ihre jeweilige Position.

Seit einiger Zeit hat Island, das zwischenzeitlich aus der Walfangkommission ausgetreten war, versucht wieder Mitglied zu werden - allerdings mit dem Vorbehalt, das geltende Moratorium (Verbot) des kommerziellen Walfangs nicht anzuerkennen. Wurde dieser Antrag auf der IWC-Jahrestagung in Shimonoseki noch abgelehnt, so ist jetzt auf einer nachfolgenden IWC-Sondersitzung im Oktober 2002 die Aufnahme Islands trotz Aufrechterhaltung seines Vorbehalts mit knapper Mehrheit beschlossen worden.

Das Walschutzgebiet "Indischer Ozean" wurde für weitere 10 Jahre bestätigt. Dagegen konnte auf der Jahrestagung keine Einigung über eine Fangquote für die Eskimos in Alaska und das Volk der Chukten in Sibirien erzielt werden. Ebenfalls auf der Sondersitzung im Oktober wurde dann aber beschlossen, für diese traditionell vom Walfang lebenden Eingeborenengruppen eine Quote von 280 Grönlandwalen in dem Zeitraum 2003-2008 zu bewilligen. Nach Auffassung des Wissenschaftlichen Kommittees der IWC ist damit keine Gefährdung des Bestandes verbunden.

Deutschland, das erst relativ spät - 1982 - Mitglied der IWC geworden ist, bezieht klar Position für den Schutz der großen Meeressäuger. Bundesministerin Renate Künast, in deren Ressort auch die Fischerei fällt, setzt sich mit Nachdruck für ein Walfangverbot und einen dauerhaften Schutz der Bestände ein. "Wenn es um den Schutz der Walbestände geht, werden wir nicht locker lassen, und ich werde alles daran setzen, bis zur nächsten IWC-Tagung 2003 die Unterstützung weiterer Länder zu gewinnen und inhaltlich voran zu kommen", so Künast. In erster Linie komme es darauf an, wirkungsvolle Kontroll- und Sanktionsmechanismen zu erarbeiten und zu installieren.

Die nächste, 55. Jahrestagung der IWC wird 2003 in Berlin stattfinden - Ausdruck des regen Interesses Deutschlands an der Walforschung. Nach Auffassung Karl-Hermann Kocks müssen dort endlich größere Fortschritte in der Entwicklung eines wissenschaftlich gestützten Management-Modells für die Bewirtschaftung der Walbestände gemacht werden, damit die IWC nicht zu einem zahnlosen Instrument verkommt, das nicht mehr viel für den Walschutz tun kann und in Bedeutungslosigkeit versinkt.

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfa-fisch.de
http://www.iwcoffice.org

Weitere Berichte zu: IWC Wal Walbestände Walfangkommission

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften