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Lebensraumkorridore zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und lebenswerten Landschaft: Chance für Mensch und Natur

27.11.2002


Die zunehmende Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrsflächen (129 Hektar / Tag; Stand 2000) stellt ein großes Problem dar.



"Auch Jäger, Grundeigentümer wie Land- und Forstwirte, die gemeinsam am Erhalt einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt sowie an deren nachhaltigen Nutzung interessiert sind, müssen vermehrt den sparsamen Umgang mit der begrenzten Ressource Landschaft einfordern. Dabei soll der Mensch mit seinen Bedürfnissen nicht ausgesperrt werden. Wir brauchen vielmehr vernünftige Lösungen, die unterschiedliche Interessenlagen vereinbaren", sagte DJV-Präsident Constantin Freiherr Heereman.



Die mit der Nutzung von Natur und Landschaft verbundenen Auswirkungen, wie Zerschneidung, Verlärmung, Schadstoffeintrag betreffen sowohl "große Säuger", wie Rothirsch oder Wildschwein, als auch Kleinsttiere oder sogar Pflanzen. Die zunehmende Zerschneidung der Landschaften führt zur Isolation der Lebensräume, geringerer Stressresistenz der Individuen und damit zur genetischen Verarmung. Aber auch für den Menschen sinkt so die Attraktivität von Naturerlebnisräumen mit schönen Landschaften und Erholungsmöglichkeiten.

Ziel der Veranstaltung ist es daher, mit Experten unterschiedlicher Richtungen zu diskutieren, wie einerseits der örtliche und überörtliche Lebensraumverbund, andererseits eine lebenswerte Landschaft in Deutschland zukunftsfähig und nachhaltig entwickelt werden können. Dafür sind vorhandene planerischsteuernde Instrumente umzusetzen, so z.B. durch konsequente Landschaftsplanung. Zugleich müssen ökonomische Instrumente zur nachhaltigen Flächenhaushaltspolitik noch intensiver entwickelt und genutzt werden.

"Die Stärkung gemeinsamer Interessen, wie sie DJV und BfN auch durch diese Tagung anstreben, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Naturschutz muss in der gesamten Bevölkerung als Querschnittsaufgabe begriffen werden. In diesem Sinne sind Konzepte zur Entwicklung und Erhaltung von Lebensraumkorridoren zu erarbeiten - für Natur und Mensch gleichermaßen," so das Fazit des BfN-Präsidenten, Professor Dr. Hartmut Vogtmann.

Zum Hintergrund:

An der Notwendigkeit des Lebensraumverbundes für Natur und Mensch besteht kein Zweifel. Bisher war aber kaum bekannt, wie sehr selbst kleine Tiere (z.B Laufkäfer oder Heuschreckenarten) in unserer von Verkehrswegen zerschnittenen Landschaft von funktionierenden Verbundkorridoren abhängig sind. Die Anforderungen der "Kleinen" an die Qualität der Lebensbänder sind oft sogar noch größer als die von Säugetieren. Doch erst bei gemeinsamer Betrachtung erschließt sich das Zusammenspiel der Natur: denn Arten wie Rothirsch und Wildschwein transportieren mit Fell bzw. Klauen Insekten (beispielsweise Heuschrecken) und Pflanzensamen über viele Kilometer und Hindernisse, und sie schaffen neue Lebensräume. Erst wenn die heimischen Säuger wieder Wanderungen aufnehmen können, wird die Isolation verbliebener Populationen aufgebrochen und verwaiste Gebiete können von den naturraumtypischen Arten wieder besiedelt werden.

Neu für Deutschland ist auch der in den Niederlanden entwickelte Gedanke, dass Naturkorridore Standortvorteil und Zukunftsinvestitionen für wirtschaftliche Unternehmungen bieten. Modernes Arbeiten und Wohnen, mit der Möglichkeit in naher Umgebung attraktive Landschaften besuchen zu können, steigert die Lebensqualität. Die Gelegenheit, wenig gestört von zerschneidenden Elementen zu wandern, Rad zu fahren oder Wildtiere erleben zu können, hat neben den damit unmittelbar verbundenen positiven Wirkungen auf den Menschen den Vorteil, dass solche Gebiete auch für die Ansiedlung von Unternehmen attraktiv bleiben.

Die Instrumente des Naturschutzes Landschaftsplanung und naturschutzrechtliche Eingriffsregelung haben deshalb in Zukunft eine strategisch herausragende Aufgabe. Zum einen müssen tragfähige Konzepte der Lebensraumkorridore für Natur und Mensch auf Grundlage der Landschaftsplanung entwickelt, planerisch implementiert und innerhalb einer nachhaltigen Landschaftsentwicklung umgesetzt werden. Zum anderen gilt es, Eingriffsfolgen, z.B. durch funktionsfähige Querungsbauwerke über zerschneidende Straßen, kreativ zu bewältigen.

Informationen:

Pressestelle des Bundesamtes für Naturschutz
Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Telefon: 0228-8491-280
Fax: -299
Email: presse@bfn.de

Pressestelle des Deutschen Jagdschutz-Verbandes
Johannes-Henry-Str. 26
53113 Bonn
Telefon: 0228-9490-620
Fax: -625
Email: pressestelle@jagdschutzverband.de

Franz August Emde | idw

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