Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltfolgen des Flugverkehrs werden von Fluggesellschaften nicht bezahlt

01.11.2002


Umweltbundesamt beziffert so genannte "externe Kosten" des Flugverkehrs


Lärm, Luftschadstoffe, Treibhausgase: Die Belastungen für Mensch und Umwelt durch den Flugverkehr verursachen erhebliche Kosten. Diese so genannten externen Kosten sind aber bislang nicht in den Ticketpreisen enthalten, sie werden von der Allgemeinheit getragen.


Aus Sicht des Umweltschutzes müssen die externen Kosten des Fliegens endlich berücksichtigt und wirtschaftliche Anreize verstärkt werden, um die Umweltbelastungen des Flugverkehrs zu verringern. Dazu gehören Abgaben auf die ausgestoßenen Schadstoffe, emissionsbezogene Landegebühren und die Abschaffung der Steuerprivilegien des Flugverkehrs.

Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) haben Forscher des niederländischen "Centre for Energy Conservation and Environmental Technology" (CE) die vom Flugverkehr ausgehenden Belastungen für Mensch und Umwelt für verschiedene Strecken und Flugzeuggrößen in Euro beziffert. Die externen Kosten für einen 500-Kilometer-Flug - zum Beispiel von München nach Berlin - mit einem durchschnittlichen 100-sitzigen Flugzeug liegen bei voller Auslastung bei rund 10 Euro pro Passagier. Bei einem Langstreckenflug über 6.000 Kilometer - zum Beispiel zwischen Frankfurt und Chicago - verursacht ein durchschnittliches 400-sitziges Flugzeug bei voller Belegung externe Kosten in Höhe von 43 Euro pro Fluggast.


"Das Fliegen wird aufgrund des harten Wettbewerbs zwischen den Fluggesellschaften immer billiger. Damit verbunden sind allerdings wachsende Belastungen für die Umwelt und den Menschen. Statt diese vom Flugverkehr ausgehenden Kosten verursachergerecht anzulasten, genießt der Flugverkehr erhebliche Steuervergünstigungen, etwa die Mineralölsteuerbefreiung für Kerosin und die Umsatzsteuerbefreiung für internationale Flüge. Diese Subventionen kosten die Steuerzahler jährlich rund sieben Milliarden Euro", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Prof. Dr. Andreas Troge. "Die Festlegung der neuen Koalitionsvereinbarung, Flüge ins EU-Ausland nicht länger von der Mehrwertsteuer zu befreien, ist daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung."

In dem Forschungsprojekt "Externe Kosten des Flugverkehrs" wurden diejenigen Kosten berechnet, die weder von den Fluggesellschaften noch von den Passagieren getragen werden und folglich nicht in den Ticketpreisen enthalten sind. Dies um-fasst die beim Starten und Landen auftretenden Belastungen durch Lärm und Schadstoffe genauso wie der vom Flugverkehr ausgehende Beitrag zum Treibhauseffekt. Dieser hat bereits heute einen Anteil von etwa dreieinhalb Prozent - mit steigender Tendenz.

In der Studie werden für vier nach Größe unterschiedliche Flugzeugkategorien (50, 100, 200 und 400 Sitze) und für vier verschiedene Distanzen von 200 bis 6.000 km jeweils die beim Starten und Landen sowie die beim Reiseflug verursachten externen Kosten berechnet. Dabei wurde ermittelt, dass bei kurzen Flügen die durch Lärm und lokalen Schadstoffausstoß verursachten Schäden dominieren. Bei längeren Strecken wird der Effekt auf das Klima dagegen bedeutsamer. In Zahlen ausgedrückt: Für einen 200-km-Flug machen die lokalen Wirkungen etwa 80 % an den berechneten externen Kosten aus. Für einen Flug von 6.000 km dominiert hingegen der Beitrag zum Treibhauseffekt mit etwa 90 % die externen Kosten.

Ulrike Bauer | idw
Weitere Informationen:
http://www.blauer-engel.de

Weitere Berichte zu: Fluggesellschaft Flugverkehr Passagier Schadstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Wie gefährlich ist Reifenabrieb?
19.02.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Verbreitung von Fischeiern durch Wasservögel – nur ein Mythos?
19.02.2018 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics