Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltenes Botox-Toxin bedroht Große Seen

23.10.2002


Bio-Invasoren aus Ballastwassertanks von Schiffen könnten Ursache sein



Nach Angaben von Wissenschaftlern des New York State Department of Environment Conservation Labors sind im Leichnam von Vögeln und Fischen am Lake Erie seltene Botox-Toxine des Stammes E gefunden worden. In kleinen Mengen ist das Nervengift schon vorher im Lake Erie bekannt gewesen. Im September hat ein massenhaftes Fisch- und Vogelsterben eingesetzt, das tausenden Tieren das Leben gekostet hat, berichtet die New York Times. Wissenschaftler fürchten, dass mit dem Einsetzen der Wanderung der Vogelarten das Gift über weite Teile des Kontinents verbreitet werden könnte.

... mehr zu:
»Botox-Toxin »Botox-Typ »Gift »Toxin


Biologen an der Ostküste der USA halten in den kommenden sechs Wochen den Atem an, denn dann werden Tausende von migratorisch lebenden Haubentauchern und Enten auf dem Weg von der Arktis zum Golf von Mexiko bei den Großen Seen Station machen. Mehr als 8.000 Haubentaucher sind am Lake Erie an Botox-Toxin verendet. "Die Tiere sind aufgrund ihres immer kleiner werdenden Lebensraumes ohnehin vom Aussterben bedroht", so Grace McLaughlin, Spezialistin für Wildtier-Krankheiten am National Wildlife Health Center in Madison, Wisconsin. Das Botox-Gift der Type C, das auch für Wildtiere gefährlich ist, tritt von Zeit zu Zeit in Gewässern auf und hatte im Stalton Sea in Kalifornien zu einem Sterben von hunderten Vogelarten geführt. Dabei handelt es sich um eine seltene Art des Bakteriums Clostridium botulinum, das beim Austrocknen von Gewässern über wirbellose Tiere an Vögel übertragen wird. "Es ist sehr selten, dass in freier Wildbahn ein anderes Botox-Toxin auftritt", so Ward Stone, Direktor des New York State Department of Environment Conservation Labors. Das seltene Botox-Typ E ist auch deshalb unüblich, weil es in Fisch konzentriert ist und damit ein größeres Spektrum an Wildtieren betrifft als Typ C. Was genau zur Katastrophe am Lake Erie geführt hat, ist für die Forscher immer noch ein Rätsel.

Die Wissenschaftler befürchten, dass Invasoren das Gift in den See mitgebracht haben. In Verdacht stehen drei Spezies: eine Grundel und zwei Muschel-Arten. Alle drei sind mit Ballastwasser-Tanks von Frachtschiffen vom Kaspischen und Schwarzen Meer in die Großen Seen gelangt. Die Muscheln sind im Lake Erie seit rund zehn Jahren bekannt, der Fisch erst seit vier Jahren. Zeitlich falle das mit dem Auftreten der ersten Botox-Fälle zusammen, erklären die Forscher. Die beiden Muscheln sind nur fingergroß und filtern das Seewasser, um so zu ihrer Nahrung zu kommen. Paradoxerweise ist das Wasser im See auch sehr klar geworden. Auch das, so vermuten die Forscher, soll auf Botulismus zurückzuführen sein. Klares Seewasser kann Sonnenlicht tiefer eindringen lassen und das Wachstum von Wasserpflanzen beschleunigen. Botulismus blüht in dieser Sauerstoff-entziehenden Umgebung, die unterstützend auf faulendes Pflanzenmaterial wirkt. Das Toxin wird über Fische an Vögel weitergegeben.

Das Botox-Toxin ist eines der gefährlichsten Gifte. Botox A und B treten bei schlecht verpackten oder abgelaufenen Konservendosen auf und sind für Menschen tödlich. Das Gift verhindert die Übertragung von Nervenimpulsen an Muskeln. Vögel, die mit dem Gift in Berührung kommen, können nicht mehr fliegen, Fische verlieren die Fähigkeit zu schwimmen. Die Botox-Typen C und D sind für den Menschen nicht so gefährlich. Dennoch haben die Gesundheitsbehörden Fischer davor gewarnt, Fische, die beim Angeln nicht um ihr Leben kämpfen oder an der Oberfläche treiben, zu verzehren. Durch Kochen wird das Toxin zwar unschädlich, Räuchern zerstört die Toxizität aber nicht.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nytimes.com

Weitere Berichte zu: Botox-Toxin Botox-Typ Gift Toxin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive