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Kleie filtert Chlorkohlenwasserstoffe und Arsen aus Abwässern

11.10.2002


Mit Kleie, die beim Mahlen von Getreide anfällt, können die krebserregenden und organschädigenden Substanzen Arsen und Hexachlorcyclohexane (HCHs) aus Industrieabwässern gefiltert werden


Kleine Kleie mit großer Wirkung: Forschern vom Fraunhofer IGB ist es gelungen, mit Bioadsorbern aus Kleie krebserregende Substanzen in Industrieabwässern bis weit unter die gesetzlichen Grenzwerte zu senken



Fraunhofer-Forscher haben gemeinsam mit der GUTec mbH eine mobile Anlage mit Bioadsorbern aus Kleie entwickelt. Sie verringert Arsen und HCH im Wasser bis weit unter die gesetzlichen Grenzwerte.



Kleine Kleie mit großer Wirkung: Forschern vom Fraunhofer IGB ist es gelungen, mit Bioadsorbern aus Kleie krebserregende Substanzen in Industrieabwässern bis weit unter die gesetzlichen Grenzwerte zu senken.

Verbindungen des Arsens und Hexachlorcyclohexane (HCHs) sind früher vor allem bei der Herstellung von Schädlingsbekämpfungsmitteln angefallen. Seit den 80er Jahren sind HCH-haltige Schädlingsbekäm-pfungsmittel hierzulande verboten. Arsen wird bis heute in der Halbleiter- und Glasindustrie eingesetzt und belastet vielerorts Wasser und Boden. Da HCHs und Arsen zu den krebserregenden und organschädigenden Stoffen zählen, gelten strengste Grenzwerte für ihr Vorkommen in Wasser, Boden und Luft. Sickerwässer aus Deponien und von alten Produktionsstandorten überschreiten diese Grenzwerte oftmals erheblich. Die Produzenten können deshalb HCH- oder Arsen-belastete Abwässer nicht ohne Vorbehandlung entsorgen.

Das Fraunhofer Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) hat zusammen mit der GUTec mbH eine mobile HCH- und Arsen-Sanierungsanlage für ein großes Chemieunternehmen entwickelt. Sie kombiniert ein elektrochemisches Verfahren mit Bioadsorbern aus chemisch modifizierter Kleie. "Kleie bekommt man für wenige Euro pro Zentner in Getreidemühlen. Wir modifizieren sie chemisch und nutzen ihre hydrophoben Eigenschaften, so dass sie die Giftstoffe binden kann", berichtet Dr. Manfred Kühn vom Fraunhofer IGB.

Mit Hilfe der neu entwickelten Anlage lässt sich Arsen fast vollständig bis auf 0,004 Milligramm pro Liter binden, Hexachlorcyclohexane bis auf 0,13 Mikrogramm pro Liter. Die gesetzlichen Grenzwerte dieser Schadstoffe für die Entsorgung des Abwassers werden damit bei weitem unterschritten. Um die Bioadsorber mehrfach zu verwenden, kann man das Arsen und die Hexachlorcyclohexane desorbieren. Kostengünstiger ist die Entsorgung durch Verbrennen oder Kompostieren.

Verfahrenstechnisch ist die Anlage höchst flexibel: Sie ist mit 2,5 Metern Länge, 1,3 Metern Breite und zwei Metern Höhe an verschiedenen Orten einsetzbar. Betreiben kann man die Anlage sowohl vollautomatisch kontinuierlich als auch im Batch-Modus.

Im halbtechnischen Maßstab ist die Arsen- und HCH-Sanierungsanlage bei unserem Auftraggeber bereits in Betrieb. Weitere Anlagen mit Bioadsorbern, die aus der Zusammenarbeit des Fraunhofer IGB und der GUTec mbh stammen, werden seit einigen Jahren erfolgreich zur Entfernung von Schwermetallen wie Kupfer, Blei, Cadmium, Zink und Chrom eingesetzt.

Henrike Henschen | idw
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de

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