Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seehund-Seuche breitet sich weiter aus

13.09.2002


Die seit Anfang Mai dieses Jahres zunächst in Dänemark, später auch in Schweden, Norwegen und in den Niederlanden grassierende Seehund-Seuche, die Ende Juli auch Deutschland erreichte (vgl. BMU-Pressemitteilung 175/02 vom 30.07.2002), breitet sich weiter aus und hat jetzt nahezu alle Anrainerstaaten der Nordsee und das Kattegatt erfasst. Schätzungsweise mehr als
10 000 Seehunde, davon über 2000 an der deutschen Nordseeküste, fielen ihr bislang zum Opfer. Vor Beginn der Epidemie wurde der Bestand in der Nordsee auf rund 30 000 Tiere, im Wattenmeer auf rund 20 000 Tiere geschätzt.

Nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin ist nicht mehr auszuschließen, dass die Seehund-Seuche ein vergleichbares Ausmaß erreicht wie 1988, als mehr als die Hälfte aller Tiere in der Nordsee verendeten. "Die Hoffnung, dass der vor Ausbruch der Seuche von Fachleuten als gut bezeichnete Allgemeinzustand der Seehunde dazu führen würde, dass dem Staupe-Virus pdv  jetzt weniger Tiere zum Opfer fallen, scheint sich nicht zu erfüllen. Trotz der seit den 80er Jahren deutlich verbesserten Lebensbedingungen für die Seehunde, die für eine große und gesunde Population gesorgt haben, ist bereits ein Drittel der Gesamtpopulation der Nordsee verendet", sagte Jürgen Trittin.

Die zuständigen Behörden der Bundesländer hatten unmittelbar nach dem Übergreifen der Seuche auf deutsche Gewässer Sofortmassnahmen, u.a. zur Überwachung der Küste sowie zur unverzüglichen Bergung möglicher weiterer toter Tiere, ergriffen. Bereits nach den ersten Meldungen aus Dänemark wurden Notfallpläne erarbeitet.  Akute Gefahren für Mensch und Umwelt bestehen nach wie vor nicht. Auf den Menschen ist das Staupevirus nicht übertragbar. Hunde und möglicherweise auch Katzen können zwar infiziert werden, erkranken aber nicht. Jedoch sollte zu toten oder erkrankten Seehunden Abstand gehalten und die Fundstelle umgehend den zuständigen Behörden gemeldet werden.

Nach Auffassung der Mehrzahl der Wissenschaftler hat das Auftreten der Seehund-Epidemie natürliche Ursachen und ist Bestandteil des Naturgeschehens. Vorbeugende Impfungen oder eine medikamentöse Behandlung erkrankter Tiere sind nicht möglich.
Die Erfahrungen von 1988 zeigen aber, dass sich die Population nach Abklingen der Epidemie rasch wieder erholt. Leider sei es so, dass offenbar nur noch sehr wenige Seehunde über entsprechende Abwehrkörper gegen das Staupevirus verfügen. "Für eine endgültige Einschätzung zu den Ursachen und möglichen begünstigenden Faktoren ist es meiner Ansicht nach noch zu früh. Dazu sollte der Verlauf der Seuche zunächst von Fachleuten weiter beobachtet und diskutiert werden. Sind für nähere Untersuchungen Forschungsprojekte notwendig, sollten sie - auch international - koordiniert werden", sagte Trittin.

Auch auf internationaler Ebene wurden das Auftreten der Seehund-Seuche und ihre Folgen bereits thematisiert. Im Rahmen der trilateralen Wattenmeerkooperation und des seit 1991 zwischen den Wattenmeerstaaten Deutschland, Dänemark und den Niederlanden bestehenden Seehund-Abkommens hat bereits am 6. Juni dieses Jahres ein Expertentreffen stattgefunden, um den Umgang mit erkrankten Seehunden, erforderliche wissenschaftliche Untersuchungen sowie mögliche Auswirkungen auf den "Seehund-Management-Plan" zu erörtern. Entsprechende Vorschläge wurden der trilateralen Wattenmeerkooperation vorgelegt.

Michael Schroeren | BMU Pressedienst

Weitere Berichte zu: Nordsee Seehund Seehund-Seuche Seuche

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Hochmodernes Forschungsflugzeug fliegt zurzeit über Europa
17.07.2017 | Universität Bremen

nachricht Baumgrenze wird nicht allein durch das Klima bestimmt
03.07.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten