Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Gentech Pflanzen können den Hunger nicht stillen"

26.08.2002

Unkontrollierte Verschmutzung natürlicher Vegetationen mit synthetischen Genen befürchtet

"Gentech Pflanzen werden den Hunger auf unserem Planeten nicht stillen", erklärt Werner Müller, Ökologe vom Büro für Ökologische Risikoforschung und Consulting. Grund für diese Aussage ist ein Interview mit dem Gentechnik-Befürworter Clive James im Standard-Album von gestern, Sonntag. "Etwa 800 Mio. Menschen leiden an chronischer Unterernährung wovon zirka 24.000 täglich an den Folgen der Unterernährung sterben. Weltweit würden genug Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, um alle Menschen auf dieser Erde satt zu machen", so der Wissenschaftler, der die Fakten der Welternährungsorganisation FAO zitiert. "Hunger ist ein Konflikt zwischen arm und reich und nicht die Frage einer neuen Technologie".

"In den Entwicklungsländern leben drei Viertel jener Familien, die an Armut und chronischem Nahrungsmangel leiden in ländlichen Gebieten. Ihr Lebensunterhalt ist direkt oder indirekt von der Landwirtschaft oder der Fischerei abhängig", so Müller. Armut werde meist durch den Mangel an verfügbarem, qualitativ gutem Land verursacht. "Selbst dort allerdings, wo solches vorhanden ist, führen Mangel an Geld und/oder Know-how für die Produktionssteigerung zu Hunger", schreibt auch die FAO in einem Bericht. Das "Special Programme for Food Security in Low-Income Food-Deficit Countries (SPFS) der FAO verfolgt deshalb das Ziel, Familien in erster Linie durch kleine effiziente Verbesserungen, die sie sich leisten können, zu helfen, die Produktivität zu steigern. Mit diesen einfachen und ökologischen Methoden konnten zB. in Kenia Maiserträge um 40 bis 100 Prozent erhöht werden.

"Technologien wie Pflanzenschutzmittel und Gentechnologie kann sich die arme Bevölkerung nicht leisten", so Müller. "Auch bei gentechnischen Pflanzen ist damit zu rechnen, dass der eingebaute Schutzmechanismus gegen einzelne Schädlinge von diesen nach kurzer Zeit durchbrochen wird, und somit wieder mehr Chemie oder neue Gentech Pflanzen eingesetzt werden müssen. Ein Wettlauf bei dem der Mensch und Umwelt großen Schaden nehmen, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Genetisch veränderte Pflanzen bilden daher keine nachhaltige Lösungsstrategie", so der Forscher.

Ein besonderes Problem sieht Müller in der genetischen Verschmutzung, die neben der globalen chemischen Verschmutzung ebenfalls ein globales Problem werden könnte. Die in die Kulturpflanzen eingebrachten Gene werden für die Pflanze "maßgeschneidert". Es handelt sich um synthetische Genkonstrukte, die in dieser Form in keinem Lebewesen der Erde vorkommen. Insbesondere in den Zentren der genetischen Diversität kreuzen sich Kulturpflanzen mit ihren verwandten Wildformen. "Die These, dass gentechnisch-veränderte Pflanzen durch Auskreuzen keine Schäden verursachen können, weil diese Gene ohne Selektionsvorteil in kurzer Zeit wieder aus der Population verschwinden ist falsch", so der Ökologe. Die Gene bleiben zu 75 Prozent in den Pflanzenpopulationen, auch wenn sie keinen Selektionsvorteil verfügen, wie mehrere unabhängige Modellberechnungen zeigen. "Im Gegensatz zu Pflanzenschutzmittel kennen wir die Halbwertszeit von synthetischen Genen nicht. Wir müssen davon ausgehen, dass diese mehrere hundert bis mehrere tausend Jahre in den natürlichen Vegetation überdauern können. Das bedeutet, dass dieser die genetische Verschmutzung nicht umkehrbar ist", so der Ökologe.

Clive James, Gründer und Vorsitzender des Internationalen Service für den Erwerb agrar-biotechnologischer Anwendungen (ISAAA) meint, dass "Armut die schlimmste Umweltverschmutzung" sei. "Die Übernutzung natürlicher Ressourcen ist sicherlich ein wichtiger Faktor für die Beeinträchtigung der Umwelt", entgegnet Müller. Jedoch sei das rechte Maß im Auge zu behalten. 25 Prozent der Weltbevölkerung verbrauchen 75 Prozent der Rohstoffe und Energie. Die Umweltverschmutzung werde aber in erster Linie durch den Energieverbrauch und dem damit verbunden Güterkonsum angeheizt, so der Ökologe.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.fao.org/
http://www.gene.ch/
http://www.isaaa.org/

Weitere Berichte zu: Gen Umweltverschmutzung Unterernährung Verschmutzung Ökologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa
16.01.2017 | Universität Wien

nachricht Kann das "Greening" grüner werden?
11.01.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie

Vom Feld in die Schule: Aktuelle Forschung zu moderner Landwirtschaft für den Unterricht

23.01.2017 | Bildung Wissenschaft

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten