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Umweltforscher messen Schadstoffe in Flussschlämmen

22.08.2002


Ein Expertenteam des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle, bestehend aus Analytikern, Gewässerforschern und Ökotoxikologen, hat begonnen, Schlamm- und Wasserproben entlang von Elbe und Mulde zu nehmen. Beprobt werden bevorzugt Überschwemmungsbereiche in der Nähe von Wohngebieten. Im Rahmen der angelaufenen Messkampagne wird ein breites Spektrum an Schadstoffen erfasst, die an feinkörnige Schlammpartikel gebunden sind. Erste Ergebnisse aus dem Bitterfelder Raum liegen ab 28. August vor.

Von Pirna elbeabwärts bis Magdeburg werden in Abständen von 30 Kilometern Schlammproben vor und hinter den Deichen genommen, um Aussagen zu möglichen Nutzungseinschränkungen für flussnahe Flächen und zum Umgang mit dem Schlamm machen zu können. Beprobt werden u.a. Spiel- und Sportplätze, die überflutet waren, aber auch Auenwiesen, auf denen Vieh gehalten wird. Vermutet wird, dass Schwermetalle und andere Schadstoffe flussabwärts gespült worden sind, die zum einen aus den Flusssedimenten remobilisiert wurden und zum anderen aus chemischen Betrieben in Tschechien stammen. Durch die Überflutung der Kanalisation und von Klärwerken sind coli-Bakterien und pathogene Keime mit dem Hochwasser transportiert worden. Außerdem zeigten die Fernsehbilder Ölfilme auf den Fluten, die von geborstenen Tanks stammen.
Im Oberlauf der Mulde ist mit Schwermetallen, Arsen, Cadmium und Radionukliden aus den Erzgewinnungsrückständen im südlichen Sachsen zu rechnen. Zwischen Bitterfeld und der Muldemündung bei Roßlau werden Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs), Tri-Butyl-Zinn, Dioxine und andere organische Schadstoffe aus Altlasten der chemischen Industrie erwartet.
Bestimmt werden die Gesamtgehalte der genannten Schadstoffe und ihr toxikologisches und gentoxisches Potenzial. Aufbauend auf den Ergebnissen werden später auch Strategien und Technologien zur Sanierung bzw. Entsorgung von belasteten Schlämmen und Böden empfohlen.
Ergänzende Untersuchungen sind geplant zu den Innenraumbelastungen in Häusern, die überflutet waren. Hierzu werden Passivsammler ausgebracht, die Schadstoffe und Schimmelsporen in der Raumluft einfangen.
Die Untersuchungspunkte konnten gezielt gewählt werden, weil das UFZ beide Flusssysteme seit Jahren untersucht und umfangreiches Datenmaterial zu vielen Umwelt-Parametern besitzt. Der Vergleich mit der Situation vor der Flut ermöglicht detaillierte Aussagen zu deren Auswirkungen.
Wenn in wenigen Wochen eine Übersicht der Ergebnisse vorliegt, wird es möglich sein, die Bevölkerung fundiert zu informieren und zur Versachlichung der Diskussion über mögliche Gefahren beizutragen.

Susanne Hufe | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/

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