Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundesamt für Naturschutz: GEO-Tag der Artenvielfalt auf der Insel Vilm mit erstaunlichen Ergebnissen

22.08.2002


  • 2098 Tier- und Pflanzenarten wurden festgestellt
  • Totalreservat Vilm ist eine Perle unter den deutschen Schutzgebieten

 Der 4. Geo-Tag der Artenvielfalt, den die Zeitschrift GEO gemeinsam mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) an der Außenstelle des BfN auf der Insel Vilm im Biosphärenreservat Südost-Rügen durchführte, brachte erstaunliche Ergebnisse. So wurden in den drei Untersuchungsgebieten Vilm, Goor und Bodden auf der Insel Rügen die beachtliche Zahl von 2098 Tier- und Pflanzenarten festgestellt. Sie verteilen sich in der Mehrzahl auf die Landgebiete Insel Vilm (1312 Arten) und Goor (1142 Arten), gegenüber 121 Arten - vor allem Algen, Krebstiere und Fische - im Boddengewässer der Ostsee. Am artenreichsten vertreten ist die Gruppe der Insekten mit insgesamt 975 Arten, gefolgt von den Farn- und Blütenpflanzen mit 414 gefundenen Arten.
Besonders interessant für die Wissenschaftler ist, dass es zwischen den beiden Landgebieten Vilm und Goor - trotz vieler Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten - bei etlichen Organismen-Gruppen nur eine relativ kleine Schnittmenge gemeinsamer Arten gibt: 150 von 975 bei den Insekten, nur 13 von 186 bei den Spinnentieren und 173 von 414 bei den Farn- und Blütenpflanzen! Dies weist darauf hin, dass die beiden Gebiete unterschiedliche Lebensräume aufweisen und vergleichbare Lebensräume unterschiedlich mit Arten ausgestattet sind. Von daher haben alle drei untersuchten Gebiete ihre besondere Eigenart und Bedeutung:

  • Vilm als streng geschütztes Kerngebiet mit alten, ungenutzten Waldbeständen, intakten Stränden und Steilufern und vor allem als Zone vom Menschen ungestörter natürlicher Prozesse wie Laubwald- und Küstendynamik, natürliche Waldsukzession; hier fanden sich z.B. unter den Alt- und Totholzkäfern (insgesamt 49 Arten) eine ganze Reihe sehr spektakulärer und seltener Arten.
  • Goor mit speziellen Moor- und Brackwasser-Standorten und Vorkommen seltener Arten. Dass in der entwicklungsgeschichtlich jungen Ostsee die Evolution noch voll im Gange ist, nämlich die Anpassung von Pflanzen- und Tierarten an die Brackwasserbedingungen vor allem im Flachwasserbereich der Küsten, zeigt sich z.B. am Vorkommen des nacheiszeitlich endemischen Ostsee-Vergissmeinnichts.
  • Der Bodden und seine Seegraswiesen als Laich- und Aufzuchtgebiet für Fischarten der Ost- und Nordsee sowie als Überwinterungsgebiet für zahlreiche Wasservogelarten. So hat der Rügensche Hering im Greifswalder Bodden sein größtes Laichgebiet in der Ostsee. Der Bodden ist wegen der jungen Entstehungszeit noch vergleichsweise artenarm und ein Gebiet, in dem Artenvielfalt sich noch entwickeln wird.

Die Schwerpunktveranstaltung zum 4. GEO-Tag der Artenvielfalt fand am 8. Juni 2002 im Biosphärenreservat Südost-Rügen auf der Insel Vilm, im angrenzenden Rügischen Bodden und im Waldnaturschutzgebiet "Goor-Muglitz" auf Rügen - gegenüber der Insel Vilm - statt. Ziel des diesjährigen GEO-Tages war es, die Artenvielfalt typischer und geschützter Lebensräume im Biosphärenreservat Südost-Rügen, ihre Charakteristika, Besonderheiten und Naturschutzbedeutung zu erfassen und herauszustellen. Untersucht wurden deshalb naturbelassene und genutzte Buchenwälder, Hutewälder, Forste, Gebüsche, offenes Kulturland, Küsten- und Strandbereiche, Tümpel und Moore sowie verschiedene Zonen der Boddengewässer in diesen drei Gebieten.
Insgesamt beteiligten sich rund 100 Experten für die verschiedensten Tier- und Pflanzengruppen an der GEO-Aktion, die in enger Zusammenarbeit mit dem BfN, den Universitäten Greifswald und Rostock sowie dem Deutschen Meeresmuseum in Stralsund durchgeführt wurde. Behördlich genehmigt und unterstützt wurde die Aktion durch das Landesamt für Forsten und Großschutzgebiete in Malchin.
"Die Insel Vilm ist eine Perle unter den deutschen Schutzgebieten. Wir haben für einen Tag das Naturschatzkästchen "Insel Vilm" geöffnet und damit gezeigt, wie wichtig konsequenter Naturschutz ist. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist jedoch nur im gesellschaftlichen Konsens möglich. Das bedeutet, Naturschutz kann nur erfolgreich sein, wenn er im öffentlichen Bewusstsein präsent und als positiver Begriff besetzt ist," sagte der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Hartmut Vogtmann. Der GEO-Tag wurde im Rahmen der Aktion "Leben braucht Vielfalt" durchgeführt, um damit Verantwortungsbewusstsein und Verständnis für den Naturschutz zu fördern.

Hinweis:
Die Ergebnisse des GEO-Tages werden in der September-Ausgabe der Zeitschrift GEO ausführlich dargestellt.

Franz August Emde | idw

Weitere Berichte zu: Artenvielfalt BfN GEO-Tag Lebensräume Ostsee Vilm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Dünenökosysteme modellieren
23.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften