Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WWF: Umweltverträglicher Hochwasserschutz ist weit billiger als Reparatur der Schäden

21.08.2002

Verglichen mit den Flutschäden an der Elbe sind die Kosten für einen naturverträglichen Hochwasserschutz nach Einschätzung des WWF überschaubar. Die Experten der Naturschutzorganisation schätzen, dass eine naturverträgliche Flussbewirtschaftung höchstens ein Zehntel der Reparatur der jetzt eingetretenen Schäden kosten würde. Die Rückverlegung eines Deiches, um trocken gelegte Überflutungsflächen in der Größenordnung von zwei Quadratkilometern zurück zu gewinnen, kostet nach Schätzungen des WWF rund zehn Millionen Euro. Das entspreche in etwa dem Preis für einen Kilometer Autobahn.

"Hochwasserschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben, aber verglichen mit den Milliardensummen, die für den Wiederaufbau nötig sein werden, sind das Kleinigkeiten", unterstreicht Prof. Dr. Emil Dister, Leiter des WWF-Auen-Instituts in Rastatt. Der Wissenschaftler bezieht sich bei seinen Abschätzungen auf die Erfahrungen bei zurückliegenden Hochwasserkatastrophen. Für die Elbe seien endgültige Aussagen noch schwierig, da die Schadenshöhe nicht komplett absehbar sei. Aber für den Rhein liegen Berechnungen vor. Allein für den knapp 200 Kilometer langen Flussabschnitt zwischen Iffezheim und Bingen liege das Schadenspotenzial bei rund sechs Milliarden Euro. Für die Umsetzung des so genannten Integrierten Rheinprogramms, bei dem es zugleich um Hochwasser- und Naturschutz geht auf einer Länge von 275 Kilometern , müssten etwa 500 Millionen Euro bereit gestellt werden. Der WWF schätzt, dass man an der Elbe von vergleichbaren Summen ausgehen kann.

... mehr zu:
»Elbe »Hochwasserschutz »Reparatur

"Die nächste Jahrhundertflut kommt bestimmt. Deshalb reicht es nicht aus, die gebrochenen Deiche zur flicken", betont Emil Dister. Der WWF fordert die sofortige Sicherung von zusätzlichen Überschwemmungsgebieten entlang der Elbe. "Es müssen möglichst viele Flächen für den Hochwasserschutz und die Auen-Renaturierung bereit gestellt werden", so der Experte. Der Rückverlegung von Deichen an geeigneten Stellen sei Vorrang vor technischen Lösungen einzuräumen. Eingriffe in die Landschaft wie Flächenversiegelung, Flurbereinigungen und Gewässerbegradigungen sollten auf ihre Abfluss verschärfende Wirkung überprüft, gegebenenfalls untersagt oder zurück gebaut werden.

Der WWF fordert die Gemeinden auf, bei ihrer Bauleitplanung verstärkt die Hochwassergefährdung zu berücksichtigen. Emil Dister: "Wenn die Gemeinden den Menschen, die bei der jetzigen Flut Haus und Hof verloren haben, helfen wollen, sollten sie den Betroffenen im Austausch für ihre ufernahen Grundstücke höher gelegene Bauplätze anbieten. Nur so kann sichergestellt werden, dass bei dem nächsten Hochwasser nicht wieder alles verloren geht."

Jörn Ehlers | ots

Weitere Berichte zu: Elbe Hochwasserschutz Reparatur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie