Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sträucher, Hecken und vielgestaltige Ackerränder sichern Überleben von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten

08.08.2002


Ein Verbundprojekt der DBU soll sein Überleben sichern: Der Rotmilan


DBU fördert Naturschutz-Verbundprojekt mit 2,1 Millionen Euro - Intensiv genutzte Äcker sollen wieder Heimat für geschützte Arten werden


Hochproduktive Ackerflächen und Artenvielfalt schienen bisher unvereinbar. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück) will mithilfe einer Förderung von 2,1 Millionen Euro gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Landwirtschaft den Naturschutz in intensiv genutzte Agrarflächen integrieren. Das Verbundprojekt mit einem Dachprojekt (Fördersumme 154.450 Euro) und vier Unterprojekten gehört zum Förderbereich Naturschutz, den das Kuratorium der DBU im vergangenen Jahr in die Förderleitlinien der Stiftung aufgenommen hat. "Die herkömmliche Landwirtschaft in den Bördegebieten Deutschlands mit ihren großflächigen Monokulturen bietet Vögeln wie dem Rotmilan, einem inzwischen seltenen und daher geschützten Greifvogel, kaum noch Nahrungsmöglichkeiten, weil wichtige Beutetiere wie der Feldhamster deutlich im Bestand zurückgegangen sind", erläuterte Fritz Brickwedde, DBU-Generalsekretär, in Osnabrück.

Bundesrepublik größtes Brutgebiet des Rotmilans


Deutschland komme beim Schutz des Rotmilans eine besondere Bedeutung zu: "Von weltweit nur noch 20.000 Brutpaaren leben hier 12.000. Es bedarf daher gemeinsamer Anstrengungen von Naturschutz und Landwirtschaft, um in diesen intensiv genutzten Gebieten Lebensräume für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten zu schaffen", so Brickwedde. Bereits vor dem Kuratoriumsbeschluss habe die Umweltstiftung Naturschutz-Projekte in Höhe von 55,8 Millionen Euro gefördert. Die offizielle Aufnahme des neuen Förderbereichs in Satzung und Förderleitlinien solle dieses Engagement stärken. Ein Verbundprojekt wie das vorgestellte besäße dabei Modellcharakter für die fachübergreifende Zusammenarbeit von Schützern und Nutzern, die in der Vergangenheit ihre zum Teil konkurrierenden Ziele nicht hätten vereinbaren können.

Vogelschutzgebiet Hakel unter besonderem Schutz

So wolle der Landschaftspflegeverband "Grüne Umwelt" aus Altenweddingen (Sachsen-Anhalt) gemeinsam mit 12 landwirtschaftlichen Betrieben und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Vogelschutzgebiet Hakel, das als wichtiges Brutgebiet des Rotmilans zum "Important Bird Area" (IBA) wurde, unter anderem die Ackerrandstrukturen durch die Anlage mehrreihiger Hecken von 20 Kilometern Länge natürlicher gestalten (Fördersumme 747.700 Euro).

Bördelandschaften als Rückzugs- und Brutgebiet seltener Arten erhalten

Ähnliche Ziele verfolge man in den Bördelandschaften Westfalens und des Landkreises Wolfenbüttel. Im Landkreis Soest bemühten sich die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz, die Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe sowie die Biologische Station in Bad Sassendorf mithilfe einer DBU-Förderung von 415.000 Euro um die Sicherung der Brut- und Rastgebiete von Wiesenweihe, Wachtelkönig und anderen gefährdeten Arten. "Hier sollen in Zusammenarbeit mit den Landwirten inmitten von intensiv genutzten und in der Artenvielfalt zunehmend verarmten Landschaft verschiedene Formen natürlich bewachsener Ackerstreifen auf etwa 60 Kilometern Länge geschaffen werden", sagte Brickwedde. Dabei sollen diese speziell auf die zu schützenden Tier- und Pflanzenarten abgestimmt werden.

Ansaat von natürlichen Ackerrandstreifen soll Erholung der Artenbestände ermöglichen

Auch im Landkreis Wolfenbüttel wollten der Landschaftspflegeverband Wolfenbüttel und die Georg-August-Universität Göttingen den Naturschutz in der Landwirtschaft vorantreiben: "Durch die Ansaat von artenreichen Ackerrandstreifen auf einer Breite von mehreren Metern können sich dezimierte Artenbestände wie die des Feldhamsters, des Feldhasen und des Rebhuhns, aber auch seltene Pflanzen regenerieren", sagte Brickwedde. In Hanglagen würde auf diese Weise auch der Abtrag von fruchtbaren Böden vermindert. (Fördersumme 418.500 Euro)

Landwirte für den Naturschutz gewinnen

Der Deutsche Bauernverband (Bonn) habe sich in einem weiteren Projekt innerhalb des Verbundes gemeinsam mit dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn der Bördelandschaften in der Kölner Bucht angenommen (Fördersumme 363.100 Euro). "Dieses Gebiet ist sehr dicht besiedelt, sehr waldarm und der Ackerbau ist mit 52 Prozent die dominierende Landnutzungsform", erläuterte Brickwedde. Trotz zahlreicher Versuche sei es hier nicht gelungen, die Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz zu vereinbaren. Im persönlichen Gespräch mit den Bauern wolle man diese zur Bildung von Biotopverbünden bewegen, die für die Landwirte durchaus auch finanzielle Vorteile bergen würden. Es sei wichtig, hier optimale Aufklärung zu leisten, um die Bedeutung dieser Flächen für Tiere und Pflanzen bewusst zu machen.

Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz in intensiv genutzten Ackerflächen erstmal nachhaltig vereinen

"Das Verbundprojekt bringt auf besondere Weise Vertreter von Naturschutz und Landwirtschaft zusammen, deren Ziele bisher gerade in der intensiv genutzten Agrarlandschaft als nicht vereinbar galten", erläuterte Brickwedde. Doch um vom Aussterben bedrohte Arten zu erhalten, seien solche Kooperationen unerlässlich. Werde in manchem Bereich der Bauer seine Interessen vor denen des Artenschutzes zurückstellen müssen, so dürfe seine Konkurrenzfähigkeit auf dem Markt durch diese Maßnahmen nicht gefährdet werden. Das Zustandekommen des Projektverbundes beweise, dass die Notwendigkeit neuer Wege in der Landwirtschaft und im Naturschutz erkannt sei. "Nun müssen die Projektverantwortlichen zeigen, dass die Umsetzung der Maßnahmen für beide Seiten akzeptable Ergebnisse hervorbringen", fasste Brickwedde zusammen.

| DBU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Müll in den Weltmeeren überall präsent: 1220 Arten betroffen
23.03.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Internationales Netzwerk bündelt experimentelle Forschung in europäischen Gewässern
21.03.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise