Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Moderne Entsorgungstechniken machen Mülltrennung überflüssig

25.07.2002


Akademie für Technikfolgenabschätzung legt neue Studie vor

Die Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg fordert in einer neuen Studie den Verzicht auf die aufwändige und teure Mülltrennung in Deutschland. "Es wird nicht hundertprozentig getrennt, weil die Menschen so nicht funktionieren“, so Akademie-Vorstand Diethard Schade und plädiert dafür, die staatlich verordnete Trenn- und Sammelwut zurückzufahren. Glas und Papier könne der Bürger weiterhin aussortieren. Aber alles, was darüber hinausgeht, ob Küchenabfälle oder Kunststoffverpackungen, da hapert es mit der Disziplin, da solle moderne Müllbehandlungstechnik zum Einsatz kommen und den Bürgern die lästige Pflicht wieder abnehmen.

"Trotz des großen Aufwandes zur Getrennterfassung wird das eigentliche Ziel – die sortenreine Erfassung von Wertstoffen und eine zuverlässige Trennung von verwertbaren und nicht verwertbaren Bestandteilen des Abfalls – weitgehend verfehlt. Speziell bei der Sammlung von Verpackungen durch das Duale System (DSD), in dem die Verbraucher häufig ein generelles und kostenloses Sammelsystem für Kunststoffe und andere Wertstoffe sehen, kommt es zu erheblichen Fehlwürfen (20 bis 50 Prozent Sortierreste). Bei praktisch allen Erfassungssystemen ist eine Sortierung oder Nachsortierung erforderlich, während gleichzeitig immer noch erhebliche Wertstoffmengen im Restmüll landen“, schreiben Schade und sein Kollege Martin Kaimer in ihrer wissenschaftlichen Analyse. Der hohe Anteil an Restmüll in der Gelben Tonne zwinge zu einem hohen Aufwand beim Sortieren der Verpackungen. Als Abhilfe werde in der Regel mehr Kontrolle (zum Beispiel Müllsheriffs) oder eine Strafverschärfung gefordert – über eine notwendige Vereinfachung des Sammelsystems würde leider nur selten nachgedacht. Es sei nicht praktikabel, immer mehr Rücknahmepflichten für einzelne Produkte und damit vermehrte Rückgabepflichten für die Haushalte einzuführen.

Gerade bei den Entsorgungstechniken hätte sich eine rasante technologische Entwicklung vollzogen. Vor allem durch die Vorgaben der Abfallablagerungsverordnung ergäben sich neue Perspektiven. Heizwertreiche Bestandteile des Abfalls sollten künftig in biologisch-mechanischen Anlagen abgetrennt und danach verwertet werden. "Hier liegen richtungsweisende Entwicklungen vor, die in Verbindung mit einer vorherigen Aufbereitung beziehungsweise Trocknung des Abfalls erstaunliche Sortierleistungen vollbringen und auch wirtschaftlich zu betreiben sind. So kann in der Inertstoffaufbereitung der Trockenstabilatanlage in Aßlar die Schwergutfraktion in die Fraktionen Eisen, Nichteisenmetalle, Batterien, farblich sortiertes Glas, und eine mineralische Fraktion aufgetrennt werden. Weißglas, Braunglas und Grünglas erfüllen dabei die Spezifikationen der Glashütten für eine direkte Verwertung. Optional kann auch noch eine Mischkunststofffraktion ausgeschleust werden. Die Leichtfraktion und das Trockenstabilat stellen einen schadstoffreduzierten Ersatzbrennstoff dar, der lagerstabil ist und zur Energieerzeugung, in Zementwerken oder auch zur Methanolherstellung eingesetzt werden kann und damit erstmals eine nahezu vollständige Verwertung der Abfälle aus Haushalten ermöglicht, so Schade und Kaimer.

Damit könnten auch bei geringerer Getrennterfassung von Haushaltsabfällen künftig die zentralen Ziele der Kreislaufwirtschaft erreicht werden – eine weitgehende Nutzung von Wertstoffen und umweltgerechte Beseitigung nicht verwertbarer Abfälle. Die Studie der Akademie für Technikfolgenabschätzung wird im Herbst im Berliner Erich-Schmidt-Verlag in der Schriftenreihe "Abfallwirtschaft in Forschung und Praxis" (Band 124) erscheinen.

Matthias Schmitz | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.ta-akademie.de

Weitere Berichte zu: Abfall Entsorgungstechniken Mülltrennung Verwertung Wertstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Besserer Schutz vor invasiven Arten
15.11.2016 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Enzian oder Spitzwegerich – wer gewinnt in den Alpen, wenn es wärmer wird?
04.11.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie