Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Temperaturstress im Miniatur-Ökosystem

22.07.2008
Biologen simulieren Klimawandel im "Aquatron"

Mit dem Klimawandel ist in der Natur ein "Experiment" mit ungewissem Ausgang gestartet. Um die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs auf Ökosysteme systematisch und ohne negative Folgen für die Umwelt zu untersuchen, nutzen Biologen der Universität Münster um Prof. Dr. Thorsten Reusch das "Aquatron".

Mit diesem System aus temperaturregulierten Wassertanks untersuchen sie, welche Folgen Veränderungen des Klimas für Gewässer und darin lebende Organismen haben.

Das Aquatron besteht aus zwei Reservoirtanks, die unabhängig voneinander jeweils sechs Versuchstanks genau temperiert versorgen - mit einem Wasservolumen von insgesamt 12.000 Litern. Dadurch können die Auswirkungen zweier Temperaturprofile auf Pflanzen, Tiere und ganze Miniatur-Ökosysteme miteinander verglichen werde, mit und ohne simulierte Erwärmung.

... mehr zu:
»Temperaturanstieg »Ökosystem

Derzeit untersucht ein Team um Prof. Reusch, Dr. Gidon Winters und Doktorandin Nina Bergmann vom Institut für Evolution und Biodiversität, wie Seegraswiesen auf einen Temperaturanstieg reagieren. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Aquashift" sowie durch die Minerva-Stiftung der Max-Planck-Gesellschaft mit insgesamt rund 250.000 Euro gefördert.

"Seegraswiesen spielen in Küstennähe weltweit eine Schlüsselrolle. In gemäßigten Zonen würde das Verschwinden des Großen Seegrases ganze Ökosysteme zerstören", erklärt Prof. Reusch. Das Seegras ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der Nahrungskette. Seegraswiesen fungieren auch als Nährstofffilter und verhindern Bodenerosion. Für zahllose Organismen sind sie Lebensraum - so dienen sie zum Beispiel für Heringe oder Garnelen als Kinderstube. Dadurch sind sie nicht nur ökologisch von Bedeutung, sondern spielen auch in der Fischereiwirtschaft eine wichtige Rolle.

Was geschieht mit dem Seegras, wenn die Meerestemperatur steigt? Die münsterschen Forscher untersuchen diesen Fall im Aquatron. "Momentan simulieren wir eine Hitzewelle in der Nordsee, wie sie im Jahr 2003 stattgefunden hat", erklärt Prof. Reusch. Die Biologen vergleichen dabei, wie Seegras aus der Adria und aus dänischen Populationen reagiert. Sie untersuchen zum Beispiel die Sterberate, den Befall mit Krankheitserregern oder die Reproduktionsrate, aber auch, wie sich die Aktivität bestimmter Hitzeschockgene unter Temperaturstress verändert.

Die lokalen Seegrasbestände weltweit sind an die jeweiligen Klimabedingungen angepasst. Während südlichere Bestände gegenüber höheren Temperaturen tolerant sind, stirbt das Seegras aus nördlicheren Regionen bei einem Temperaturanstieg ab. Grundlage der Anpassungen sind genetische Besonderheiten. Die Hypothese der münsterschen Wissenschaftler, die diese genetischen Unterschiede untersuchen: Im Falle einer Erwärmung der Meere könnten die südlichen Seegras-Bestände eine "genetische Rettung" für die nördlichen darstellen und somit Ökosysteme bewahren.

"Man darf Seegras aus dem Süden aber nicht einfach in den Norden versetzen, um dort genetische Eigenschaften zu verbreiten, die das Seegras toleranter gegen Wärme machen", warnt Prof. Reusch vor denkbaren menschlichen Eingriffen. Veränderte Umweltbedingungen könnten Krankheitserreger aktivieren, die dann unter Umständen komplette Seegrasbestände vernichten - und damit ganze Lebensgemeinschaften. Ein Fall für das Aquatron: Hier können die Wissenschaftler mögliche schädliche Folgen bereits im Labor erkennen. Manche "Experimente" in der Natur lassen sich dadurch vielleicht vermeiden.

| Universität Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/
http://www.uni-muenster.de/Evolution/

Weitere Berichte zu: Temperaturanstieg Ökosystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen
29.03.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Sauerstoffkrisen in der Adria sind nicht nur vom Menschen verursacht
28.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz