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Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus - eine optimale Verbindung?

03.08.2000


Naturschutz, Landwirtschaft, Tourismus - Wie passt das zusammen? Diesem aktuellen Problem widmet sich ein Verbundprojekt "Integration von Schutz und Nutzung im Biosphärenreservat Mittlere
Elbe", mit einer dreijährigen Laufzeit, das vom Bundesministerium für Forschung und Bildung mit 2,16 Mio. DM gefördert wird und nun mit der Arbeit beginnt.
Für dieses, nicht nur für die Region aufschlussreiche und interessante Vorhaben, wurde eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gebildet, deren Aufgabe darin besteht, im Biosphärenreservat Mittlere Elbe eine optimale Verbindung zwischen den verschiedenen Naturschutzansprüchen mit ihren unterschiedlichsten Nutzungen, insbesondere auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des Tourismus herzustellen.
Die Koordination des Ganzen liegt in den Händen des Universitätszentrums für Umweltwissenschaften der Universität (UZU) und die Projektleitung hat der Geschäftsführende Direktor, Prof. Dr. Peter Wycisk, übernommen.

Die Struktur des Untersuchungsgebietes, das sich von Dessau im Osten bis Schönebeck im Nordwesten erstreckt, macht den Forschungsbedarf deutlich: Auf der einen Seite weist das Gebiet eine naturnahe Flusslandschaft mit den größten zusammenhängenden Auwaldkomplexen Mitteleuropas auf und besitzt daher einen überaus großen Wert für den Naturschutz. Auf der anderen Seite zählt der Anteil der Arbeitslosen in diesem Raum, in dem die Landwirtschaft traditionell einen wichtigen Anteil an der Regionalökonomie ausmacht, zu dem höchsten in der ganzen Bundesrepublik.
Neben Fachleuten anderer Einrichtungen, haben Experten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, unter der Verantwortlichkeit von Prof. Dr. Heinz-Dietmar Ahrens (UZU), im Rahmen des Gesamtprojekts die Aufgabe erhalten, die sozio-ökonomische Situation in der Landwirtschaft zu analysieren. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind eine wichtige Voraussetzung, um die ökologischen Erfordernisse stärker als bisher mit den wirtschaftlichen Anforderungen abstimmen zu können.
Mit der Erarbeitung der landschaftsökologischen Rahmendaten wurde die Arbeitsgemeinschaft Umweltplanung Magdeburg/Hannover betraut und das Institut für Landwirtschaftliche Botanik der Universität Bonn untersucht die Zusammensetzung und die ökologischen Ansprüche des Auen-Grünlandes. Nicht zuletzt hat eine zielgerichtete touristische Entwicklung des Gebietes einen großen Einfluss auf die regionalökonomischen und ökologischen Gegebenheiten, deren Zusammenhänge der Förder- und Landschaftspflegeverein "Biosphärenreservat Mittlere Elbe" e.V. erforschen will.
Um die notwendige Verbindung zur Praxis nicht aus den Augen zu verlieren, sind von Anfang an auch regional erfahrene Vertreter als Berater dabei, die sich unter anderem aus der Landwirtschaft, des Naturschutzes und der Landesämter zusammensetzen.

Nach Abschluss der Untersuchungen steht die Ausarbeitung verschiedener flussauenspezifischer Naturschutzszenarien auf dem Arbeitsprogramm, wobei jeweils bestimmte Umweltqualitätsziele für die verschiedenen Schutzgüter beschrieben werden. Darauf aufbauend sollen Handlungsstrategien für die wichtigsten Akteure entwickelt werden: Managementstrategien für die landwirtschaftlichen Betriebe, Vermarktungsstrategien für Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft sowie Strategien für die Entwicklung eines naturschutzorientierten Tourismus. Darüber hinaus wird den staatlichen Akteuren die Möglichkeit eingeräumt, für ihre spezielle Arbeit auf Entscheidungsgrundlagen, z.B. bezüglich der Gestaltung agrarumweltpolitischer Instrumentarien und der Agrarstrukturpolitik, zurückzugreifen.

Der erfolgreichen Durchführung des Vorhabens räumt Projektleiter Wycisk gute Erfolgsaussichten ein: "Die angewandte und interdisziplinäre Umweltforschung hat an der Martin-Luther-Universität eine solide Tradition und bietet gute Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts". Auch könne seiner Ansicht nach ein entscheidender Beitrag dazu geleistet werden, den Schutz der Natur mit den Bedürfnissen der dort ansässigen Bevölkerung in Einklang zu bringen.

Deshalb möchte die Expertengruppe den vorgesehenen Zeitraum von drei Jahren intensiv dazu nutzen, die ökologischen und ökonomischen Zusammenhänge möglichst lückenlos aufzudecken, Möglichkeiten und Grenzen der Verbindung von Naturschutz und Nutzung zu ermitteln und die vorab genannten Managementstrategien für den Betrachtungsraum zu entwickeln. Gleichzeitig soll auch geprüft werden, ob die dabei gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen auf die gesamte Elbaue Sachsen-Anhalts und darüber hinaus übertragbar sind.

Dipl.-Biol. Ilona Leyer / Ingrid Godenrath

Ansprechpartner:
Universitätszentrum für Umweltwissenschaften
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Peter Wycisk
Tel.:(0345) 261 34
Fax: (0345) 271 77
e-mail: wycisk@geologie.uni.halle.de

Dipl.-Biol. Ilona Leyer
Tel.: (0345) 55 217 45
Fax: (0345) 55 270 98
e-mail: ileyer@uzu.uni-halle.de

Ingrid Godenrath |

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