Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der Saale immer noch fraglich

17.06.2008
Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben im Streit um den Ausbau der Saale vorgeschlagen, die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens neu zu berechnen.

Aus Sicht der Forscher ist es problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung auf der Grundlage einer veralteten und methodisch zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt.

Wenn die Prognose für die Transportmengen und die Schiffbarkeit von Elbe und Saale aktualisiert würde, dann könne dies ein deutlich schlechteres Nutzen-Kosten-Verhältnis ergeben als in einem Gutachten von 2004 zuletzt prognostiziert. In diesem Fall würde sich die Investitionssumme von 80 Millionen Euro dann nicht mehr lohnen, und die Pläne für den Bau eines Schleusenkanals bei Tornitz am Unterlauf der Saale sollten nicht weiter verfolgt werden.

2005 veröffentlichte das UFZ die Ergebnisse einer mehrjährigen Studie zum Ausbau der Saale. Die Forscher kritisierten darin massiv die mangelnde Transparenz der Bundesverkehrswegeplanung und der zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

... mehr zu:
»Wirtschaftlichkeit

Vor dem Hintergrund dieser Studie haben die Forscher das derzeit laufende Raumordnungsverfahren in den Blick genommen. In dem Verfahren soll geprüft werden, ob der Saaleausbau im öffentlichen Interesse liegt. Denn ob sich die 80 Millionen Euro teuren Investitionen an der Saale lohnen, hängt entscheidend von der Schiffbarkeit der Elbe ab. Nur wenn die Elbe genügend Wasser führt, ist die Saale mit dem Wasserstraßennetz verbunden. Wesentliche Grundlage für das Raumordnungsverfahren ist ein Gutachten der Firma PLANCO Consulting GmbH aus dem Jahre 2004 zur Wirtschaftlichkeit des Saaleausbaus.

In diesem Gutachten wird der Zusammenhang der Schiffbarkeit von Elbe und Saale nicht ausreichend berücksichtigt. Es wird dort nämlich unterstellt, dass an allen Tagen, an denen die Elbe in einem wirtschaftlichen Maße schiffbar ist, und das ist laut PLANCO nur an 230-260 Tagen im Jahr der Fall, das Transportpotenzial für die Schifffahrt auf der Saale tatsächlich realisiert wird. Unternehmen und Schifffahrtsverbände haben jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Belebung der Schifffahrt und damit die tatsächliche Verlagerung der Transporte an eine verlässliche, ganzjährige Schiffbarkeit gebunden sind.

Angesichts der nicht gesicherten Schiffbarkeit der Elbe ist zu erwarten, das viele Unternehmen der Schifffahrt in ihren Logistikkonzepten auch nach einem Ausbau der Saale keinen prominenten Platz einräumen. Zahlen unter anderem des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg zeigen, dass sich die Befahrbarkeit der Elbe verschlechtert hat, und Untersuchungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zufolge steht zu befürchten, dass sich diese im Zuge des Klimawandels auch zukünftig weiter verschlechtern wird. Weiterhin wurden in dem PLANCO-Gutachten die Verlagerungsmöglichkeiten von der Straße auf die Schiene nicht ausreichend ausgelotet.

Die UFZ-Forscher halten es für problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung, ob der Saaleausbau den landesplanerischen Erfordernissen entspricht, auf der Grundlage einer zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt. Sie fordern vielmehr, die Transportmengenprognose unter der Maßgabe einer adäquaten Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen der Schiffbarkeit von Elbe und Saale zu aktualisieren und die Wirtschaftlichkeit neu zu berechnen. Die Forscher wären nicht überrascht, wenn sich dabei gegenüber dem veralteten Gutachten herausstellen würde, dass diese 80-Mio.-Euro-Investition aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll ist.

Weitere Informationen:
Dr. Bernd Klauer
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1702
http://www.ufz.de/index.php?de=1653
oder über die Pressestelle
Tilo Arnhold
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de
Links:
Wissenschaftler kritisieren Bundesverkehrswegeplanung - Studie zum Saaleausbau zeigt Schwachstellen auf (Pressemitteilung vom 16. Juni 2005):
http://www.ufz.de/index.php?de=5742
Informationen des Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg zum Schleusenkanal Tornitz:
http://www.wsv.de/ftp/presse/00063_2008.pdf
http://www.wna-magdeburg.wsv.de/tornitz/index.html
Literatur:
Petry, Daniel; Klauer, Bernd mit Beiträgen von Döring, Thomas; Rauschmayer, Felix (2005):
Umweltbewertung und politische Praxis in der Bundesverkehrswegeplanung -
Eine Methodenkritik illustriert am Beispiel des geplanten Ausbaus der Saale.
Metropolis-Verlag, Marburg, 320 S.
http://www.metropolis-verlag.de/Umweltbewertung-und-politische-Praxis-in-der-Bundesverkehrswegeplanung/533/book.do

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/
http://www.ufz.de/index.php?de=16924

Weitere Berichte zu: Wirtschaftlichkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer
20.10.2017 | Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

nachricht Forscher untersuchen Pflanzenkohle als Basis für umweltfreundlichen Langzeitdünger
20.10.2017 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise