Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstverpflichtung der Industrie und CO2-Emissionen in Deutschland

04.04.2001


... mehr zu:
»CO2-Emission
Die Bundesregierung hat in der Vergangenheit immer wieder ihr Ziel bekräftigt, die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2005 gegenüber 1990 um 25 vH zu vermindern. Dieser Beschluss, der auch schon im Jahr 1995 vor der
Vertragsstaatenkonferenz in Berlin verkündet worden war, beinhaltet bis 2005 einen Rückgang der CO2-Emissionen von 1 014 Mill. t (1990) auf etwa 760 Mill. t. Bis 1999 gingen die Freisetzungen um reichlich 12 vH auf 886 Mill. t zurück. Dabei ist allerdings ein Teil der Minderungen ausschließlich auf vereinigungsbedingte Sonderfaktoren - also auf Umstellungen und Produktionseinschränkungen - in den neuen Bundesländern zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund ist die Klimaschutzerklärung der Deutschen Industrie - bzw. einzelner Verbände - zu würdigen, die sich 1995 verpflichtet hatte, den spezifischen CO2-Ausstoß - bezogen auf das Basisjahr 1990 - bis 2005 um 20 vH zu senken. Der Vergleich von erklärtem Ziel und erreichten Effizienzverbesserungen zeigt, dass die deutsche Wirtschaft insgesamt in der Zeit zwischen 1990 und 1998 spürbare Fortschritte erzielt hat, wenngleich zwischen den einzelnen Branchen nach wie vor erhebliche Unterschiede bestehen.
Auch wenn die Verpflichtungserklärung als Ganzes und der größte Teil der Einzelerklärungen ausschließlich auf spezifische Größen abheben, so ist sie doch als ein Teil des Klimaschutzprogamms der Bundesregierung zu werten und insoweit auch auf die Verringerung der absoluten CO2-Emissionen gerichtet. Für ihre umweltpolitische Beurteilung dürfte daher letztlich die Bilanz der absoluten CO2-Minderungen maßgeblich sein. Dabei ist zu berücksichtigten, dass diese nicht allein von den Maßnahmen abhängt, die die Unternehmen durchgeführt haben. Vielmehr ist auch eine Reihe andere Faktoren von Bedeutung, die von den beteiligten Unternehmen und Verbänden nur in engen Grenzen beeinflusst werden können. Dazu gehören etwa Auslastungsschwankungen der Produktionskapazitäten, intrasektorale Strukturveränderungen oder Umgestaltungen des rechtlichen und institutionellen Rahmens. Für die CO2-Bilanz ist der Einfluss dieser Sonderfaktoren auf das Gesamtergebnis zu korrigieren.
Unter Berücksichtigung dieser Zusammenhänge zeigt sich, dass die CO2-Emissionen der an der Selbstverpflichtung beteiligten Industrieverbände 1998 um weitere 3,1 Mill. t gegenüber dem Vorjahr gesunken sind. Im Vergleich zum international gebräuchlichen Basisjahr 1990 hat die Industrie ihren CO2-Ausstoß um 46,6 Mill. t (23 vH) verringert. Der absolut größte Beitrag dazu kam mit 21,5 Mill. t von der Chemischen Industrie, die Stahlindustrie trug mit 9,6 Mill. t und die Industrie der Steine und Erden insgesamt mit 7,5 Mill. t bei.
Der Vergleich dieser bereinigten mit der beobachteten Entwicklung zeigt allerdings auch, dass sowohl konjunkturbedingte Auslastungs- wie auch mittelfristige Produktionsschwankungen und in einzelnen Fällen auch witterungsbedingte Sondereinflüsse den Energieverbrauch und die damit verbundenen CO2-Emissionen spürbar beeinflussen. Denn im Berichtsjahr erreichten die Emissionen mit 168,2 Mill. t ein Niveau, das um 11,5 Mill. t über den bereinigten Werten lag. Knapp ein Viertel der Reduktionserfolge von 46,6 Mill. t wurde daher von den übrigen Faktoren, insbesondere von der im Vergleich zu 1990 gestiegenen Produktion, wieder aufgezehrt. Dass die CO2-Bilanz trotzdem spürbar entlastet werden konnte, ist auf die überproportionale Steigerung der Energie- und CO2-Effizienz der an der Selbstverpflichtung beteiligten Industrieverbände zurückzuführen. Auch wenn diese Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz nicht vollständig der Selbstverpflichtung zugerechnet werden können, so ist doch unstrittig, dass für jede Tonne CO2, die infolge des Produktionswachstums zusätzlich emittiert wurde, durch technische Verbesserungen und Substitutionsvorgänge 4 t CO2 eingespart werden konnten.

(aus: RWI-Mitteilungen 2/2000)
Ihre Ansprechpartner dazu:
Hans Georg Buttermann, Tel.: (0201) 81 49-247
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-292

Joachim Schmidt | idw

Weitere Berichte zu: CO2-Emission

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Von der Weser bis zur Nordsee: PLAWES erforscht Mikroplastik-Kontaminationen in Ökosystemen
20.09.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Der Monsun und die Treibhausgase
18.09.2017 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik