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Schlechte Zeiten für Weltmeere und Fische

26.05.2008
Viele Hai-Arten bald komplett ausgestorben

Schlechte Zeiten sind für die Weltmeere und ihrer Fauna angebrochen. Zu diesem Schluss kommen Experten beim der derzeit in Bonn stattfindenden Convention on Biological Diversity. Der Ruf nach der Ausweitung von Schutzgebieten und Fangquoten hat bei der Konferenz zu schweren Disputen unter den Parteien geführt. Brasilien und Argentinien stehen den internationalen Vorschlägen negativ gegenüber, berichtet BBC-Online.

Forscher fordern seit Jahren, die Meere besser zu schützen, um sie auch in Zukunft als Nahrungsquelle nutzen zu können. Besonders die Hochsee, die unter keiner staatlichen Jurisdiktion steht, sondern in der internationales Seerecht gilt, müsse vor der Ausbeutung geschützt werden. Schlüsselziel ist es, bis 2010 die Verringerung zu stoppen bzw. rückgängig zu machen. Nach Ansicht der meisten Experten sehe es allerdings in Wirklichkeit ganz anders aus. "Zunehmendes Interesse an der Thematik kann man feststellen, weil sehr viele der kommerziell genutzten Fischgründe entweder bereits so stark ausgebeutet sind oder unmittelbar vor einem Kollaps stehen", so Jacqueline McGlade, Direktorin der European Environment Agency EEA. Die vergangenen 18 Monate hätten gezeigt, wie empfindlich die Weltmeere auf den Raubbau und die Klimaveränderung reagieren. Eine Fortführung des derzeitigen Handelns, wird dazu führen, dass die kommerzielle Fischerei 2050 endgültig vorbei sein wird.

Experten fordern daher mit Nachdruck die Einrichtung von Schutzzonen in internationalen Gewässern. Eigentlich hätten regionale Fischerei-Management-Organisationen, so genannte RFMOs, die Aufgabe den kommerziellen Fischfang in ihren Zonen zu organisieren. Bei vielen dieser Organisationen gebe es allerdings nicht das geringste Anzeichen eines "Managements", meinen Kritiker. Die Alarmglocken schrillen auch deswegen so laut, weil sich auf der Erde nach Berechnungen der Welternährungsorganisation FAO 3,5 Mrd. Menschen von Fisch ernähren. Ein Großteil davon lebt in den ärmsten Ländern der Welt.

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Sehr kritisch sieht es beispielsweise auch für die Haie der Welt aus. Nach Expertisen der Weltnaturschutzunion IUCN http://cms.iucn.org sind mehr als die Hälfte aller Haie weltweit vom Aussterben bedroht. Elf Spezies sind sogar auf der "High-Risk-List". Haie sind deswegen stark von Überfischung betroffen, weil ihre Reproduktionsrate sehr gering ist. Ein weiterer Nachteil sei die Tatsache, dass viele der Fische erst sehr spät geschlechtsreif werden. Haie landen sehr oft als Beifang in den Netzen, werden aber auch wegen ihrer Flossen rücksichtslos gejagt. Vor allem der wirtschaftliche Aufschwung in Asien hat die Nachfrage nach den begehrten Flossen immens ansteigen lassen.

"Im Grunde genommen ist das Thema Überfischung nichts Neues, allerdings hat sich die Lage in den vergangenen Jahren immer weiter zugespitzt", so die Meeresbiologin Antje Helms von Greenpeace http://www.greenpeace.at , im pressetext-Interview. Das erschreckende Resümee ist, dass in der vergangenen Dekade Ausmaß und Geschwindigkeit der Zerstörung rasant zugenommen haben. Die bisher geschaffenen Schutzgebiete - wie jenes rund um Hawaii - sind bei weitem nicht ausreichend, meinen die Experten. "Im Prinzip müssten 40 Prozent der Meeresflächen solche Schutzzonen werden, damit sich die Fischbestände erholen können", meint Helms. Der Rest der Meere sollte kontrolliert nachhaltig befischt werden. "Von einer solchen Regelung würde die Fischerei am meisten profitieren, denn die Bestände der kommerziell genutzten Fische würden auch außerhalb der großflächigen Schutzzonen rasch zunehmen", gibt sich Helms überzeugt. Das gewährleiste der "Überlauf-Effekt" (Spillover), der in bestehenden Schutzgebieten dafür sorgt, dass Fischer außerhalb der Sperrzonen bereits nach kurzer Zeit weitaus mehr Fisch fangen als noch zuvor. "Wenn solche Schutzzonen nicht eingerichtet werden, droht in zehn bis 20 Jahren der totale Kollaps."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.cbd.int
http://www.eea.europa.eu
http://www.fao.org

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