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Neubau der Wattenmeerstation Sylt wird heute eingeweiht

21.05.2008
Forschungsplattform im Spannungsfeld Küste - Einfluss von Mensch und Klima auf die Küstenökosysteme im Fokus der Wissenschaft

Am 21. Mai 2008 wird der Neubau der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft eingeweiht. Dietrich Austermann (Minister für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein), Ministerialdirektorin Bärbel Brumme-Bothe (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und Staatssekretär Dr. Arne Wulff (Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein) werden Grußworte sprechen. Der 5,9 Millionen Euro teure Bau wurde zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Schleswig-Holstein finanziert.

Mit dem Neubau wird die Fläche der 1924 gegründeten Wattenmeerstation um 60 Prozent erhöht. Auf 2500 Quadratmetern werden moderne Labors und Büros für bis zu 80 Wissenschaftler, Techniker, Gastforscher und Studenten bereitgestellt. Die Biologen und Geologen an der Wattenmeerstation erforschen die Auswirkungen von Umweltveränderungen auf die Küstengebiete der Nordsee aber auch weltweit. Das Verständnis von Biodiversität und Funktion von Küstenökosystemen soll dazu beitragen, einen nachhaltigen Nutzen und Umgang mit den sensiblen Küsten zu erreichen.

Die Küste ist eine empfindliche Landschaft, eingebettet in ein komplexes Ökosystem. Für den Menschen ist sie ein attraktiver Lebensraum, aber auch Wirtschaftsstandort und Erholungsfläche. Meeresspiegelanstieg, milde Winter, Stürme, eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten, sowie die verstärkte Nutzung durch den Menschen verändern die Küstenlandschaften zunehmend. Die Biologen und Geologen der Wattenmeerstation Sylt untersuchen, wie sich menschliche Eingriffe und Klimaveränderungen auf die Biodiversität und die Funktion von Küstenökosystemen auswirken. Dabei konzentrieren sie sich nicht nur auf die Nordsee, sondern vergleichen Küsten in verschiedenen Klimazonen, von der Arktis bis in die Tropen. Ihr Ziel ist es, die Belastbarkeit und die Reaktion auf Veränderungen abzuschätzen und Prognosen zur Entwicklung der Küstensysteme abzugeben. "Die Küstenforschung bewegt sich in einem Spannungsfeld verschiedener Interessen, da hier Natur und wirtschaftliche Nutzung von Nationalparks bis hin zum Bau von Häfen und Großstädten, aufeinander treffen. Unsere Aufgabe ist es, zu beobachten und analysieren, sowie zu bewerten und empfehlen, wenn es darum geht, die ökologischen Auswirkungen von Eingriffen in die Natur abzuschätzen", sagte Dr. Ragnhild Asmus, Leiterin der Sektion Küstenökologie an der Wattenmeerstation Sylt.

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Forschung in Watt und Wasser

Die Wattenmeerstation Sylt bietet aufgrund ihrer Lage direkt am Watt und in fußläufiger Entfernung zum Lister Hafen hervorragende Arbeitsmöglichkeiten für Küstenforscher. So konnten die Biologen zeigen, dass sich die Fischfauna in der Sylter Bucht verändert: Wärme liebende Arten wandern ein, Kälte liebende Arten wie der Dorsch sind nahezu verschwunden. "Welche Auswirkungen dies auf das Nahrungsnetz hat, untersuchen wir sowohl in den Aquarientanks im Institut, als auch mit Freilandexperimenten im Watt und an Bord des Forschungskatamarans Mya", sagte Florian Kellnreitner, Doktorand an der Wattenmeerstation.

Etwa 250 Gastforscher nutzen jedes Jahr die Expertise und die Arbeitsmöglichkeiten an der Wattenmeerstation, um im Rahmen von internationalen Kooperationen im Wattenmeer zu forschen. Die Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs ist ein wichtiges Anliegen des Alfred-Wegener-Instituts. Jährlich kommen etwa 20 Studentenkurse mit je 16 bis 20 Teilnehmern verschiedener Universitäten aus dem In- und Ausland nach List. Sie finden in dem neuen Gebäude nun speziell an die Bedürfnisse der modernen Lehre angepasste Seminar- und Laborräume vor.

Einmaliges Datenarchiv

Auf der Basis von Langzeitstudien, die 1924 mit der Gründung der Wattenmeerstation als Austernlabor begannen, ist ein europaweit einmaliges Datenarchiv geschaffen worden, das Veränderungen an der Nordseeküste dokumentiert. So konnte ein Anstieg der mittleren Temperaturen um 1 Grad Celsius in den letzten 20 Jahren nachgewiesen werden. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass die Eutrophierung abnimmt, dass jedoch die Rate zunimmt, mit der sich fremde Arten im Wattenmeer etablieren. Zurzeit kommt etwa eine neue Art pro Jahr hinzu, zuletzt die Rippenqualle Mnemiopsis leydii. Diese hat im Schwarzen Meer zu starken Einbrüchen in der Anchovis-Fischerei geführt. Welche Auswirkungen die Qualle auf die Nordsee haben könnte, wird derzeit an der Wattenmeerstation untersucht.

Der Neubau

Durch den Neubau ist die Gesamtfläche der Wattenmeerstation von 1600 auf 2500 Quadratmeter angestiegen. Die Nutzfläche hat sich um 60 Prozent erhöht. 119 Räume, hauptsächlich Labore (38) und Büros (39), sowie Aquarienanlagen auf dem Freigelände bieten bis zu 80 Personen moderne Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten.

Im Mai 2001 hat das dänische Architekturbüro Khras den Zuschlag für den 5,9 Millionen Euro teuren Bau bekommen. Vier Jahre später, im Mai 2005, erfolgte die Grundsteinlegung. Mit der Baudurchführung war die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) beauftragt.

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Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Margarete Pauls | idw
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