Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einige Wanderrouten-Rätsel bei Elbefischen gelöst

22.09.2000


Berliner Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) mit radiotelemetrischen Untersuchungen am BMBF-Projekt beteiligt

Der Biologe Frank Fredrich vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) erforscht in enger Zusammenarbeit mit der Hamburger Universität seit dreieinhalb Jahren Wanderwege und Lebensraumwahl einiger Fischarten in der Elbe. Diese Untersuchungen sind Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit März 1997 geförderten Verbundprojektes "Ökologie der Elbefische" .

Wie der Doktorand jetzt in einem Vortrag vor Experten am Berliner IGB berichtete, pflanzte er bisher rund 120 Elbefischen ab einem Kilogramm Gewicht moderne Radiosender ein. Die Minisender haben eine Reichweite von ca. 150 Metern und funktionieren zwölf bis fünfzehn Monate. Die markierten Fische der Arten Rapfen, Aland, Blei, Zander und Quappe können jederzeit fast störfrei geortet werden. Im Hauptuntersuchungsgebiet zwischen Sandau und Wittenberge werden die Fische während des ganzen Jahres mindestens einmal pro Woche geortet. Zu biologisch wichtigen Zeiten (z. B. Laichzeit) werden kleinere Gruppen von Fischen, die sich in einem begrenzten Flussabschnitt aufhalten, fünf Tage lang rund um die Uhr im zweistündigen Rhythmus registriert. Auf diese Weise gelingt es, die Wanderrouten, Laichplätze, Nahrungsgefilde sowie Winter- und Sommereinstände zu erfassen.

Die bisherigen Ergebnisse führten zu neuen Erkenntnissen über das Fischverhalten und die Fischökologie. So stellte sich heraus, dass der Lebensraum der meisten untersuchten Arten größer ist als erwartet. Er umfasst nahezu den gesamten Lauf der Mittelelbe (200 km). In Ermangelung natürlicher Uferstrukturen auf dieser langen Strecke dienen die Buhnen als Ersatzstandorte. Dort finden die Fische Nahrung und günstige Strömungsverhältnisse. Nicht erwünschte Unterhöhlungen in steingeschütteten Uferbefestigungen suchen die Schuppentiere gern als Energietankstellen auf. Die Beobachtung, wie den Schuppentieren das Überwinden von Querverbauungen gelingt, lieferte Hinweise für den Bau wirkungsvollerer Fischtreppen.
"Wenn Träger für besondere Bauten sich dieser umweltfreundlichen Zielstellungen annähmen", so Frank Fredrich, "wäre wieder ein ganzes Stück für den Erhalt der Fischarten und -bestände getan."
Da die Untersuchungen aufschlussreich sind, will der Bund das Projekt noch bis Ende August nächsten Jahres fördern. Eine internationale Fachtagung in Hamburg zum Abschluss des Projektes "Elbe-Ökologie" soll die Ergebnisse zusammenfassen. (weitere Teilprojekte bearbeiten das Institut für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow, die TU Braunschweig und die Universität Rostock).


Der Wissenschaftler macht darauf aufmerksam, gefangene markierte Fische, die sich in gutem Zustand befinden, sofort ins Gewässer zurückzusetzen. Sollte ein markierter Fisch beim Fang stark geschädigt oder versehentlich getötet worden sein, wird gebeten, den Sender mit Angaben zum Fangort, zur Fangzeit und Fangmethode sowie zur Größe und zum Geschlecht des Fisches schnellstens an das Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin (Adresse auf dem Sender angegeben: IGB, Müggelseedamm 310, 12 587 Berlin, Tel.: 030 641 81 610 Berlin) zurückzugeben. Auch abgelaufene Sender liefern den Wissenschaftlern noch wertvolle Hinweise

Ansprechpartner (derzeit zumeist auf der Elbe): Dipl.-Biol. Frank Fredrich, Tel.: 0172 70 64 762; e-mail: fred@igb-berlin.de; Prof. Dr. Frank Kirschbaum, Tel.: (030) 641 81 - 610, e-mail: fkirschb@igb-berlin.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Joachim Moerke |

Weitere Berichte zu: Binnenfischerei Gewässerökologie IGB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Totes Holz für mehr Leben im See
18.05.2018 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Vor einem Jahr sagten Wittener Studierende dem Verpackungsmüll den Kampf an
18.05.2018 | Universität Witten/Herdecke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics