Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viele alte Kraftwerke in Deutschland vom Netz

30.03.2001


... mehr zu:
»Emission »Kraftwerk
Erfolge in der Umsetzung der Großfeuerungsanlagen-Verordnung

Am 1. April 2001 endet die letzte Phase der Umsetzung der

Umweltanforderungen für Großfeuerungsanlagen. In den neuen Bundesländern müssen dann alle mit fossilen Brennstoffen - also die mit Kohle, Gas- und Öl - befeuerten Kraftwerke und Heizkraftwerke, die eine Feuerungswärmeleistung von mehr als 50 Megawatt haben und nicht modernisiert wurden, vom Netz genommen werden. Bis zu diesem Termin war der Betrieb von nicht modernisierten Altanlagen mit einer begrenzten Restnutzungsdauer gestattet. Damit findet der letzte Teil einer der erfolgreichsten Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in den neuen Bundesländern seinen Abschluss.

Mit fossilen Brennstoffen befeuerte Kraft- und Heizkraftwerke haben einen bedeutenden Anteil an umweltbeeinflussenden, klimawirksamen und säurebildenden Emissionen (Treibhauseffekt und saurer Regen). Auch an der Bildung von bodennahem Ozon, der Eutrophierung von Böden und Gewässern und der Belastung durch Staub (Feinstaub) sind diese Anlagen beteiligt.
Die Großfeuerungsanlagen-Verordnung (13. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes - 13. BImSchV) von 1983 hatte in den 80er Jahren bis Anfang der 90er Jahre in den alten Bundesländern zu einer drastischen Senkung der Emissionen der klassischen Luftschadstoffe Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffoxide (NOx) und Staub geführt. Bis 1994 wurden die Emissionen - im Vergleich zu 1983 - an SO2 um etwa 90 %, an NOx um etwa 78 % und an Staub um etwa 80 % gesenkt. Die Sanierung bestehender Großfeuerungsanlagen wurde in den alten Bundesländern 1993 abgeschlossen.
Seit 1990 gelten die Emissionsgrenzwerte der Großfeuerungsanlagen-Verordnung auch in den neuen Ländern, in denen praktisch der gesamte Kraftwerkspark zu modernisieren und zu erneuern war.
Die größten Umweltverschmutzer wurden in kürzester Frist stillgelegt. Bis Juni 1996 gelang es, die Ausrüstung der Kraftwerke und Industriefeuerungen, die mit einer unbegrenzten Restnutzungszeit weiterbetrieben werden sollen, mit modernen Umweltschutztechniken abzuschließen.
1990 wurden in den neuen Ländern etwa 275 Großfeuerungsanlagen von der Verordnung erfasst. Alle Anlagen waren sanierungsbedürftig; infolge der Altersstruktur und der sehr niedrigen Wirkungsgrade erfolgten viele Stilllegungen. Die überwiegende Zahl der Anlagen wurde mit Braunkohle befeuert. Die damals in der ehemaligen DDR erteilten Genehmigungen hatten in der Regel keine Anforderungen zur Begrenzung der Emissionen von SO2 und NOx und ließen bis auf Ausnahmen sehr hohe Emissionen an Staub, SO2 und NOx im Abgas zu.
Bei der Durchführung der Nachrüstungs- und Stillegungsmaßnahmen in den neuen Ländern waren die positiven Erfahrungen bei der Umsetzung der Verordnung in den alten Bundesländern sehr hilfreich.
Wirksame Abgasreinigungstechniken (Entstaubung sowie Entschwefelung der Abgase) sichern, dass die Schadstoffe Staub zu 99,9 % und SO2 zu 95 % zurückgehalten und die abgeschiedenen Stoffe als wertvolle Rohstoffe (Gips, Baustoffe) praktisch vollständig verwertet werden. Die grundlegende Modernisierung der Anlagen führte zu einer erheblichen Erhöhung der Energieeffizienz und damit zu einer geringeren spezifischen CO2-Emission.
Die Emissionen von SO2 und NOx in diesem Anlagenbereich werden im Rahmen der Umweltberichterstattung ermittelt. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2000 in Deutschland etwa 520 Anlagen betrieben, davon etwa 20 % in den neuen Bundesländern. Von 1983 bis 2000 gelang es, die SO2-Emissionen aus Großfeuerungsanlagen um etwa 95 % auf weniger als 300 Kilotonnen (kt; 1 kt = 1000 Tonnen)) zu senken, die NOx-Emissionen um 75 % auf etwa 250 kt.
Trotz der Erfolge beim Sanieren bestehender Anlagen und der Errichtung moderner Anlagen mit hohen energetischen Wirkungsgraden sollen weitere Verminderungen der Schadstoffemissionen erreicht werden. Mit fossilen Brennstoffen betriebene Großfeuerungsanlagen gehören in Deutschland immer noch zu den großen Luftverunreinigern (Anteil an den Gesamtemissionen: ca. 40 % bei SO2, ca. 15 % bei NOx, ca. 8 % bei Staub).
Bei der Umsetzung der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung (zum Beispiel Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung) und beim Erreichen von Luftqualitätszielen spielen diese Anlagen auch künftig eine bedeutende Rolle.
Die Erfahrungen bei der Umsetzung der Umweltanforderungen in Deutschland geben auch Impulse für die Überarbeitung europäischer Umweltstandards. Zur Zeit wird eine Fortschreibung von europäischen Umweltschutzvorschriften für Großfeuerungsanlagen beraten. Diese neuen Vorschriften sind nach Inkrafttreten in nationales Recht umzusetzen. Sie sollen weitere Verbesserungen bei den Kraftwerken und Heizkraftwerken in Deutschland und in Europa bringen.

Karsten Klenner | idw

Weitere Berichte zu: Emission Kraftwerk

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Den Trends der Umweltbranche auf der Spur
17.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Etablierung eines Zuchtprogramms zum Schutz der letzten Saolas
17.10.2017 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

18.10.2017 | Medizin Gesundheit

Rittal Klima-Tipps: Ist ein Kühlgerät wirklich nötig?

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik