Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Fledermäuse tropische Wälder aufforsten

04.04.2008
Fledermäuse können bei der Wiederaufforstung tropischer Wälder helfen, indem sie Samen verbreiten. Forscher unterstützten diesen Prozess durch künstliche Tagesquartiere, die sie auf gerodeten Flächen anbrachten.

Die Nistkästen ähneln hohlen Baumstämmen, den natürlichen Behausungen der Fledermäuse. Die Tiere nahmen diese Quartiere in Besitz und verteilten mit ihren Ausscheidungen Samen von mehr als 60 Pflanzenarten rund um die Quartiere - sie legten damit die Grundlage für einen neuen Wald.

In der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Conservation Biology“ stellen Detlev Kelm vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) und Kerstin Wiesner und Otto von Helversen von der Universität Erlangen-Nürnberg die Ergebnisse einer Langzeitstudie in Costa Rica vor. Die Forscher haben damit eine Methode entwickelt, die die Regeneration von tropischen Wäldern beschleunigt und zudem einfach und kostengünstig einzusetzen ist.

Die tropischen Wälder erfüllen für die globale Ökobilanz mehrere Funktionen. So spielen sie eine wichtige Rolle im Kohlendioxidkreislauf und beherbergen einen Großteil der weltweiten Arten. In den Jahren 2000 bis 2005 ist der Bestand der Wälder weltweit jedoch um jährlich 0,18 Prozent zurückgegangen, in Lateinamerika sogar regional um über 1,5 Prozent. Die intensive Nutzung als Ackerland macht den Boden unfruchtbar, gerodete Flächen liegen brach. Da die Rodungsflächen keinerlei Schutz für Vögel und Kleintiere als Samenausbreiter bieten, verbreiten sich einheimische Pflanzensamen nur schleppend. Die künstliche Aufforstung tropischer Wälder ist wiederum sehr kostspielig und oft fehlt die Kenntnis, wie man den Wald schnell wieder in einen möglichst natürlichen Zustand versetzen kann.

... mehr zu:
»Pflanzenart

„Hier können die Fledermäuse Abhilfe schaffen, denn sie scheuen die offenen Flächen nicht und haben einen großen Aktionsradius“, erklärt Detlev Kelm vom IZW. Die Tiere fressen viele Früchte und trinken Nektar, wodurch ihnen eine Schlüsselrolle in der Samenausbreitung und Pflanzenbestäubung zukommt. „Schon nach wenigen Wochen waren in die Quartiere insgesamt zehn Fledermausarten eingezogen“, berichtet Kelm. Die Forscher konnten so den Effekt auf die direkte Umgebung untersuchen. Sie fanden heraus, dass um die künstlichen Quartiere Samen von zahlreichen Pflanzenarten eingetragen wurden, darunter besonders viele Pionierarten. Diese Pflanzen bilden das erste Stadium der Wiederbewaldung und setzen somit die natürliche Wiederaufforstung in Gang.

Die Methode verlangt keine großen Investitionen und ist ein Beitrag dafür, dass sich Waldbestände natürlich regenerieren können. Die Quartiere sind kostengünstig hergestellte Kästen, die fast keiner Wartung bedürfen und über Jahre genutzt werden können. „Wir hoffen, dass diese billige und einfache Methode in Zukunft in vielen Gebieten der Neuwelt-Tropen angewandt wird, und somit Fledermäuse als wichtige Helfer bei der natürlichen Wiederbewaldung der Tropen ‚angestellt’ werden“, schlägt Kelm vor. Dies sei ein kleiner, aber wirkungsvoller Beitrag für die Gesamtproblematik des globalen Umwelt- und Klimaschutzes.

Informationen und Fotos:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Dr. Detlev Kelm, 030 5168 513, kelm@izw-berlin.de
Steven Seet, 030 5168 108, seet@izw-berlin.de

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

Weitere Berichte zu: Pflanzenart

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Ökologie Umwelt- Naturschutz:

nachricht Es wird zu bunt im Gillbach: Weitere nichtheimische Buntbarschpopulation in Deutschland nachgewiesen
22.06.2017 | Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

nachricht Mit der Filtermembran auf den Weltmarkt
12.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie