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Korallenfriedhöfe im Golf von Cadiz entdeckt - Folge natürlicher Umweltveränderungen

19.03.2008
Kaltwasserkorallen im Atlantik, die in mehreren Hundert Metern Wassertiefe vom Nordkap bis zur Straße von Gibraltar gedeihen, formen faszinierende und artenreiche Ökosysteme.

Während einer dreiwöchigen, gerade zu Ende gegangenen Expedition untersuchten MARUM-Wissenschaftler Korallenkolonien im Golf von Cadiz. Mit Hilfe des Bremer Tauchroboters CHEROKEE sammelten sie Proben in 600 bis 900 Metern Wassertiefe. Dabei entdeckten sie ausgedehnte Korallenfriedhöfe, lebende Kolonien blieben die Ausnahme. Erste Befunde deuten darauf hin, dass die Korallen natürlichen Umweltveränderungen zum Opfer gefallen sind. Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, ob heute noch intakte Korallenkolonien vor Irland oder Norwegen durch den aktuellen globalen Wandel bedroht sind.

Fünfzehn Wissenschaftler waren an der MARUM-Expedition auf dem holländischen Forschungsschiff "Pelagia" beteiligt. Sie wollten herausfinden, ob es lebende Korallenbestände im Golf von Cadiz gibt bzw. ob diese als Bindeglied zwischen den Kolonien im Mittelmeer und jenen weiter nördlich im Atlantik anzusehen sind. Nach etlichen Tauchgängen mit dem Roboter CHEROKEE zieht Fahrtleiter Prof. Dierk Hebbeln ein eindeutiges Fazit: "Wir haben eine Fläche untersucht, die etwa so groß wie das Land Bremen ist. Und wir hatten erstklassige Ausrüstung an Bord. Trotzdem haben wir nur wenige lebende Korallen gefunden."

Stattdessen stießen die Forscher in 600 bis 900 Metern Wassertiefe auf mehrere Korallenfriedhöfe. "Dabei handelt es sich um Gürtel, die etwa 200 Meter lang sind und von etwa 20 Meter hohen Hügeln aus Korallenschutt dominiert werden", sagt Dierk Hebbeln. Bei Wassertemperaturen von rund 10° Celsius fanden die Forscher zwar auch einzelne lebende Kolonien, verglichen mit den abgestorbenen Kolonien spielen diese aber offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle.

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Wann und warum die einst blühenden Gärten der Tiefsee abgestorben sind, lässt sich erst nach aufwendigen Laboruntersuchungen an Land bestimmen. Menschliche Einflüsse wie etwa Meeresverschmutzung spielen dabei nach Aussagen des Expeditionsleiters wohl keine Rolle. Vermutlich haben sich irgendwann in den vergangenen Jahrhunderten oder Jahrtausenden die Wassertemperatur und/oder das Nährstoffangebot für die Korallen drastisch verändert.

"Die Auswertung des Probenmaterials wird zeigen, welche Faktoren die Korallenpopulationen im Golf von Cadiz letztlich großflächig absterben ließen", fasst Prof. Hebbeln zusammen. "Damit können wir dann auch besser abschätzen, ob und wie sich der aktuelle globale Wandel auf die großen, noch lebenden Kaltwasserkorallenriffe vor Norwegen und Irland auswirken könnte".

Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:

Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0421 - 218-65540
Email: agerdes@marum.de

Albert Gerdes | idw
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

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